Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland steigt weiter. Bis zum Jahresende 2025 werden nach Hochrechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 23.900 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. Das entspricht einem Anstieg von über acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit erreicht die Zahl der Firmenpleiten den höchsten Stand seit 2014, als nach amtlichen Angaben fast 24.100 Unternehmen aufgaben.
Für das kommende Jahr gibt es keine Entwarnung. „Unter dem Strich gehen wir nach derzeitiger Prognose nicht davon aus, dass die Insolvenzzahlen 2026 stagnieren oder gar zurückgehen werden“, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Viele Betriebe seien hoch verschuldet, kämen schwer an neue Kredite und kämpften mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung. Das setze vor allem Mittelständler unter Druck.
Besonders betroffen sind kleine Firmen mit höchstens zehn Beschäftigten, die vier von fünf Insolvenzen ausmachen. Aber auch 140 größere Unternehmen rutschten 2025 in die Pleite, darunter mehrere Klinikbetreiber. Über alle Insolvenzen hinweg summiert sich der Schaden auf rund 57 Milliarden Euro. Geschätzt 285.000 Arbeitsplätze sind durch Insolvenzen in diesem Jahr bedroht oder weggefallen. Bei den Verbraucherinsolvenzen rechnet Creditreform mit 76.300 Fällen, ein Anstieg um 6,5 Prozent zum Vorjahr.
Allianz Trade zählt Negativrekord im Einzelhandel
Im Einzelhandel gibt es so viele Insolvenzen wie seit Jahren nicht. Betroffen sind unter anderem der Schuhhändler Görtz, der Modehersteller Gerry Weber und der Herrenausstatter Wormland. Der Kreditversicherer Allianz Trade zählte zwischen August 2024 und August 2025 insgesamt 2.490 Insolvenzen im Einzelhandel – fast so viele wie vor neun Jahren, als mit 2.520 Fällen ein Negativrekord aufgestellt wurde. Um der Konkurrenz durch Online-Marktplätze standzuhalten, müssten Einzelhändler stärker in digitale Kanäle und moderne Technik investieren, analysierte Allianz-Trade-Branchenexperte Guillaume Dejean laut dpa. „Das ist ein Kampf, der teilweise an David gegen Goliath erinnert“, zitierte die Nachrichtenagentur den Experten.
Auch die Automobilbranche kämpft mit einem Bündel an Problemen: US-Zölle, chinesische E-Auto-Konkurrenz und Absatzflaute. Binnen eines Jahres wurden in der deutschen Automobilbranche fast 50.000 Jobs gestrichen. Reihenweise rutschten Zulieferer in die Pleite. Allianz Trade erwartet im kommenden Jahr weltweit mehr Unternehmenspleiten, weil höhere US-Zölle auf exportorientierte Volkswirtschaften durchschlagen. Für Deutschland rechnen die Analysten für 2026 mit einer leichten Zunahme auf 24.500 Fälle.
