Beim Verpackungshersteller Gerresheimer kommt es nach einer Reihe von Rückschlägen zu einem Wechsel an der Unternehmensspitze. Vorstandschef Dietmar Siemssen legt sein Amt zum Monatsende nieder. Wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte, erfolgt der Schritt „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“. Gründe wurden nicht genannt.
Zum 1. November übernimmt Uwe Röhrhoff vorerst interimsweise den Vorstandsvorsitz. Der 63-Jährige kennt das Unternehmen gut: Er stand bereits von 2010 bis 2017 an der Spitze des Verpackungsspezialisten und war anschließend als Berater und Aufsichtsrat in verschiedenen Firmen tätig.
Siemssen führte Gerresheimer seit sieben Jahren. In dieser Zeit konnte der Umsatz um rund die Hälfte auf gut zwei Milliarden Euro gesteigert werden. Zuletzt geriet das Unternehmen jedoch unter Druck: Mehrere Gewinnwarnungen, sinkende Nachfrage und ein Verfahren der Finanzaufsicht BaFin belasteten den Kurs. Innerhalb eines Jahres verlor die Aktie rund zwei Drittel ihres Wertes.
Hintergrund der Bafin-Prüfung sind problematische Buchungen im Jahresabschluss 2024. Dabei geht es um sogenannte Bill-and-Hold-Geschäfte – also Umsätze, die gebucht werden, obwohl die Ware noch nicht ausgeliefert wurde. Nach einer internen Untersuchung musste Gerresheimer einräumen, dass ein Umsatz von rund drei Millionen Euro wohl zu früh verbucht wurde. Weitere Geschäfte über insgesamt 25 Millionen Euro werden derzeit überprüft. Das Unternehmen kündigte an, mit der BaFin „vollumfänglich zu kooperieren“.
Vom Bierflaschenhersteller zum Verpackungsspezialisten für Arzneimittel
Gerresheimer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Bierflaschenhersteller zum Spezialisten für pharmazeutische Verpackungen entwickelt. Das Unternehmen produziert unter anderem Glas- und Kunststoffverpackungen für Hustensäfte, Augentropfen, Nasensprays, Impfstoffe und Insulin-Pens. Große Werke befinden sich in Bünde (NRW) und Pfreimd (Bayern), der Verwaltungssitz liegt am Düsseldorfer Flughafen. Insgesamt beschäftigt Gerresheimer rund 13.600 Mitarbeiter.
