Auf einen möglichen Kriegsfall sind deutsche Unternehmen nur unzureichend vorbereitet. Lediglich 22 Prozent der Betriebe haben Vorsorgemaßnahmen für Infrastrukturausfälle getroffen. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Herbst 2025, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Weitere 17 Prozent planen entsprechende Schritte. Auf Personalausfälle, etwa wenn Reservisten eingezogen werden, sind nur rund 5 Prozent der Unternehmen vorbereitet.
Deutlich bessere Lage bei Cybergefahren
Bei Cybergefahren sieht die Lage deutlich besser aus. Rund 86 Prozent aller Betriebe und 97 Prozent der Großunternehmen haben Maßnahmen zur Abwehr von Cyberangriffen getroffen, teilte das Institut mit. Mehr als die Hälfte der Unternehmen bereitet sich zudem auf Desinformation, Sabotage und Spionage vor. In allen abgefragten Bereichen planen Firmen weitere Schritte, was auf eine wachsende Sensibilität für Sicherheitsrisiken hindeute.
Defizite bestehen vor allem bei der Absicherung von Lieferketten. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen hat begonnen, seine Lieferketten für den Konfliktfall abzusichern. Schwach ausgeprägt bleibt auch die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden. Lediglich rund 10 Prozent der Unternehmen stehen in regelmäßigem Austausch, weitere 4 Prozent planen entsprechende Kontakte.
Bardt: Immer stärker im Fadenkreuz feindlicher Mächte
„In den Konflikten von heute gerät die zivile Wirtschaft immer stärker ins Fadenkreuz feindlicher Mächte“, warnte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Für ein glaubwürdiges gesamtgesellschaftliches Abschreckungssignal müssten sich die Unternehmen stärker als Teil der Landesverteidigung sehen. „Ohne eine gut vorbereitete Wirtschaft ist die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit unvollständig“, sagte Bardt. Notfall- und Krisenpläne seien ebenso entscheidend wie eine verbesserte Kommunikation zwischen Militär, Wirtschaft und Hilfsorganisationen.

