Die Inflationsrate in Deutschland verharrt seit Monaten über der Marke von 2 Prozent. Im November lag sie bei 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Besonders Dienstleistungen verteuerten sich überdurchschnittlich, darunter Pauschalreisen im Inland und Bahntickets. Als Gründe nannte die Behörde Personalmangel und Lohnsteigerungen, die Firmen an ihre Kunden weiterreichen.
Sauerkirschen und Schokolade besonders teuer
Bei Lebensmitteln hat sich der Preisauftrieb verlangsamt. Die Preise stiegen zuletzt nur noch um gut 1 Prozent. Allerdings sinken die Energiepreise nach deutlichen Rückgängen in den vergangenen Jahren kaum noch. Besonders stark verteuerten sich Sauerkirschen, deren Preise im November 2025 wegen schlechter Ernten knapp 50 Prozent höher lagen als ein Jahr zuvor. Auch Schokolade wurde mit einem Anstieg von gut einem Viertel deutlich teurer. Die Preise für Bohnenkaffee und Rinderhack stiegen um mehr als 22 Prozent. Billiger wurden hingegen Butter, die sich binnen eines Jahres um gut ein Fünftel verbilligte, sowie Olivenöl und Kartoffeln.
Verbraucher verschätzen sich bei tatsächlicher Inflation
Verbraucher schätzen die Inflation deutlich höher ein als sie tatsächlich ist. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft bezifferten die Teilnehmer die Teuerungsrate 2024 auf 15,3 Prozent - rund siebenmal höher als die tatsächlichen 2,2 Prozent. Das liegt nach Auffassung der Experten nicht zuletzt an teureren Nahrungsmitteln.
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um über ein Drittel gestiegen. Das spürten Verbraucher beim täglichen Einkauf besonders, stellt die Bank fest.
Bundesbank rechnet mit anhaltend hoher Teuerung
Volkswirte erwarten, dass sich die Menschen in Deutschland weiter mit Teuerungsraten oberhalb der Zwei-Prozent-Marke abfinden müssen. „Der Rückgang der Inflationsrate in Deutschland verläuft etwas zäher als gedacht“, meinte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Wegen des Lohnwachstums und der weniger stark fallenden Energiepreise werde die Rate langsamer sinken als erwartet. Dem Ifo-Institut zufolge dürfte die Inflationsrate bei 2,2 Prozent in diesem Jahr und bei 2,3 Prozent 2027 liegen.
Die Europäische Zentralbank sieht bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation im Euroraum ihr wichtigstes Ziel gewahrt. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur, da Unternehmen und Verbraucher Investitionen oder Käufe aufschieben könnten in der Erwartung, dass es bald noch billiger wird. Auch wenn Preise zu stark steigen, sei das Gift für die Wirtschaft, da Verbraucher dann Kaufkraft verlören.
