Seit Samstag früh ist das Stromnetz in Teilen Berlins von einem massiven Stromausfall betroffen. Ausgelöst wurde er nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden durch einen Anschlag einer linksextremistischen Gruppierung, die im September ebenfalls für einen Stromausfall über mehrere Tage hinweg gesorgt hatte. Aktuell betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.
Notlage wird außergewöhnlich lange dauern
Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird. Möglicherweise werden die letzten betroffenen Haushalte und Betriebe erst am Donnerstag wieder mit Strom versorgt sein.
Es seien Brandsätze direkt unter Kabeln einer Brücke platziert worden, erläuterte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Sie führte aus: „Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein kontinuierlicher Brand erfolgt ist, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können.“ Giffey weiter: „Eine Kugelbombe hätte unseren Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können.“
Edeka eröffnete ihre sieben Märkte wieder
Die großen Lebensmitteleinzelhändler bemühten sich um eine möglichst rasche Wiedereröffnung ihrer Märkte. Das gilt auch für die Edeka Minden-Hannover. Sie berichtete, dass ihre sieben Märkte bereits am heutigen Montag wieder öffnen könnten. Allerdings werden sechs von ihnen per Notstrom versorgt. Lediglich der Standort Hildburghausener Straße ist schon wieder an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen.
Der Edeka zufolge konnten am Wochenende dank des schnellen Einsatzes der Logistiker Kühl- und Tiefkühlzüge bereitgestellt werden, um einen Teil der Waren in den jeweiligen Märkten zu sichern. Zusätzlich wurde Ware kurzfristig in umliegenden Märkten eingelagert. Dennoch habe ein Teil des Sortimentes vernichtet werden müssen.
Landesrechnungshof warnte unlängst
Die Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg rechnen mit massiven Schäden für die Wirtschaft, die in die Millionen Euro gehen dürften. Sie halten einen besseren Schutz sensibler Anlagen für nötig. Es müsse bessere Konzepte für den Schutz und Reaktionspläne für den Krisenfall geben.
Der Landesrechnungshof in Berlin hat in seinem jüngst vorgestellten „Jahresbericht 2025“ scharfe Kritik am Senat geübt und vor einem jetzt eingetretenen Szenario gewarnt. „Die Berliner Katastrophenschutzbehörden sind organisatorisch und personell nicht ausreichend auf Katastrophen und Großschadensereignisse“, heißt es in dem Bericht. Der Landesrechnungshof bemängelt, die Zuständigkeiten seien weitgehend ungeklärt. Berlin sei im Ernstfall nicht handlungsfähig.
Viele der gut drei Dutzend Katastrophenschutzbehörden hätten weder Gefährdungsanalysen noch Krisenstäbe oder funktionierende Katastrophenschutzpläne vorzuweisen. Auch von dem geplanten flächendeckenden Netz an Krisen-Anlaufstellen sei Berlin weit entfernt. „Nur circa 25 Prozent der geplanten Stützpunkte dieses 'Leuchtturm-Systems' sind einsatzbereit“, kritisiert der Landesrechnungshof.
