Milchwirtschaft Landwirte protestieren bundesweit gegen Butterpreise der Discounter

Bauern demonstrieren bundesweit mit Traktoren gegen die niedrigen Butterpreise bei Lidl und anderen Discountern. Ein 250-Gramm-Stück kostet inzwischen weniger als einen Euro. Viele Betriebe fürchten, notwendige Investitionen nicht mehr stemmen zu können.

Montag, 15. Dezember 2025, 13:23 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Butter ist so günstig wie lange nicht, doch viele Landwirte sehen darin ein Problem. Deshalb protestieren sie mit Traktoren vor mehreren Lidl-Standorten. Bildquelle: Lidl

Landwirte haben an mehreren Standorten in Deutschland mit Traktoren gegen die niedrigen Butterpreise von Discountern protestiert. Vor der Zentrale von Lidl in Bad Wimpfen in Baden-Württemberg zählte die Polizei rund 140 Fahrzeuge, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Der Verein Land schafft Verbindung Baden-Württemberg, ein Zusammenschluss von Landwirten, ging von bis zu 250 Traktoren aus. Auch vor einem Logistikknoten von Lidl im sächsischen Radeburg sowie vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg in Niedersachsen demonstrierten Landwirte. In Wasbek setzten schleswig-holsteinische Landwirte eine Mahnwache gegen Dumpingpreise für Butter vor einem Zentrallager fort.

Butter kostet derzeit so wenig wie lange nicht. Die Handelsketten haben die Preise kürzlich erneut reduziert. Ein 250-Gramm-Stück Deutscher Markenbutter der Eigenmarken kostet inzwischen weniger als einen Euro. Grund ist der günstigere Weltmarktpreis für Milch. Bei den Molkereien wurde zuletzt mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum, zudem ist der Fettgehalt gestiegen. Die Bauern werfen Lidl in einer Online-Petition vor, die Butter „zu verramschen“.

Bauernvertreter warnen, viele Betriebe könnten notwendige Investitionen nicht mehr stemmen. Marc Bernhardt, Sprecher der Vereinigung Land schafft Verbindung in Sachsen, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Lidl und Aldi hätten sich in einem Preiskampf verschworen. „Dieser Preiskampf wird auf dem Rücken der Bauern ausgetragen“, sagte Bernhardt. Butter sei die „Spitze vom Eisberg“. „Wenn Butter anfängt, nach unten zu gehen, gehen alle anderen Produkte in der Milchbranche auch noch mit nach unten, sodass wir jetzt schon wissen, dass wir das nächste halbe Jahr definitiv im Minus landen werden“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur den Sprecher.

Lidl verteidigt Preissenkung mit Überangebot

Lidl Deutschland äußerte Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Die aktuelle Preissenkung bei Butter sei aber eine notwendige Reaktion auf die derzeitige Ausnahmesituation am Rohstoffmarkt. „Seit September verzeichnen wir ein deutliches Überangebot an Rohmilch im Vergleich zum Vorjahresniveau. Wenn diese Mengen nicht abfließen, droht möglicherweise ein noch stärkerer Preisverfall“, teilte der Discounter mit. Lidl sei nur ein Abnehmer von vielen. Ein Teil des aktuellen Überangebots werde ins Ausland exportiert.

Die Lage der Landwirte sei maßgeblich von den Weltmarktpreisen abhängig, die dieses Jahr deutlich unter dem Vorjahr liegen, teilte Lidl mit. Die Ursachen der angespannten Marktsituation lägen daher nicht beim Lebensmitteleinzelhandel, sondern seien im aktuellen Überangebot begründet.

Neue Produkte

Regional-Star 2025 - Die Nominierten