Freihandelsabkommen Mehr Wachstum als durch das Sondervermögen?

Handelsabkommen mit sieben Schlüsselstaaten könnten das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent steigern. Das entspricht 21,6 Milliarden Euro pro Jahr. Und dieser Effekt würde das geplante Sondervermögen des Bundes von 500 Milliarden Euro übertreffen.

Dienstag, 25. November 2025, 13:33 Uhr
Thomas Klaus
Studie zu Freihandelsabkommen: EU-Flagge flattert und spiegelt sich im Glas.
Mehr Freihandelsabkommen als sinnvolle Strategie: Besonders die deutsche Industrie würde von der Freihandelsoffensive profitieren. Bildquelle: EU/LP-Archiv

Neue Freihandelsabkommen könnten die deutsche Wirtschaft deutlich stärker ankurbeln als das geplante Sondervermögen von 500 Milliarden Euro. Das zeigt eine Studie des Ifo Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Demnach würde eine Freihandelsoffensive der Europäischen Union mit sieben Schlüsselstaaten das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,5 Prozent erhöhen. Dies entspricht einem zusätzlichen Wohlstandsgewinn von bis zu 21,6 Milliarden Euro pro Jahr, wie die Initiative mitteilte.

Handelspolitik der USA mit deutlichen Folgen

Zu den sieben Staaten zählen die Mercosur-Länder, Indien, Malaysia, Indonesien, Thailand, Australien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Wachstumseffekt dieser Abkommen läge damit höher als jener des Sondervermögens, das im kommenden Jahr lediglich 0,3 Prozentpunkte Wachstum bringen soll. Pro Kopf würde der Wohlstandsgewinn bis zu 259 Euro betragen, heißt es in der Studie.

Die Berechnungen der Ifo-Wirtschaftsexperten zeigen zugleich, welche Folgen die protektionistische Handelspolitik der USA für Deutschland haben. Die neuen Zölle auf europäische Produkte würden das deutsche Bruttoinlandsprodukt um rund 0,13 Prozent und die Exporte um etwa 1,3 Prozent reduzieren. Besonders betroffen wären der Maschinenbau und die Automobilbranche, deren Wertschöpfung und Exporte deutlich leiden würden.

Deutsche Industrie würde besonders profitieren

Die Studie mit dem Titel „Global Europe 2.0“ identifiziert die rasche Umsetzung neuer Handelsabkommen mit den sieben Staaten als wirksame Gegenmaßnahme. Die negativen Effekte der amerikanischen Zollpolitik ließen sich dadurch nicht nur ausgleichen, sondern sogar überkompensieren. Die Exporte könnten durch diesen Schritt insgesamt um 1,7 Prozent bis 4,1 Prozent zulegen, abhängig von der Tiefe der Abkommen. Dies würde die Diversifizierung der deutschen Absatzmärkte vorantreiben, heißt es in der Mitteilung.

Besonders die deutsche Industrie würde von der Freihandelsoffensive profitieren. Deren Wertschöpfung könnte um bis zu 1,8 Prozent zulegen. Der Maschinenbau könnte seine Wertschöpfung um bis zu 2,7 Prozent steigern, die chemische Industrie um bis zu 3,1 Prozent und die Automobilindustrie um bis zu 3,2 Prozent. Noch stärker wären die Effekte, wenn die Europäische Union zusätzlich ein umfassendes Freihandelsabkommen mit den USA aushandeln würde. In diesem Fall würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen 0,7 und 1 Prozent steigen, wie die Initiative mitteilte. „Freihandel wäre der größte Wachstums-Booster“, zitierte die Initiative ihren Geschäftsführer Thorsten Alsleben in der Mitteilung.

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