Ermittler haben bei Durchsuchungen im Umfeld eines bekannten, namentlich nicht genannten Lebensmittelkonzerns einen mutmaßlichen Millionenschaden aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft München I teilte mit, dass Beamte am 7. und 9. Oktober Büroräume eines Lebensmittelkonzerns, ein Steuerberaterbüro und drei Wohnungen in Gaimersheim, München und Oberammergau durchsuchten. Der Schaden für die öffentliche Hand und Sozialversicherungsträger beläuft sich nach vorläufigen Erkenntnissen auf mindestens 20 Millionen Euro.
Zurzeit keine Ermittlungen gegen Konzern-Geschäftsführung
Der Ermittlungskomplex richtet sich gegen mehr als 70 Beschuldigte. Sie stehen im Verdacht, Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut sowie gewerbsmäßig und bandenmäßig Ausländer eingeschleust und Steuern hinterzogen zu haben. Die meisten Beschuldigten arbeiteten laut Staatsanwaltschaft für selbstständige Unternehmen, die der Konzern mit dem Befüllen von Supermarktregalen beauftragte. Mitglieder der Konzern-Geschäftsführung stehen derzeit nicht unter Verdacht.
Kontrollen in südbayerischen Supermärkten bildeten den Ausgangspunkt der Ermittlungen. Dabei zeigte sich, dass Subunternehmer oft Nachunternehmer einsetzten, die unter anderem afghanische Staatsangehörige ohne erforderliche Aufenthaltsgenehmigung beschäftigten. Viele dieser Nachunternehmen existierten nur wenige Monate und erfüllten ihre sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Pflichten kaum.
Ermittler identifizieren Tätergruppe und verhaften Hauptbeschuldigte
Die Ermittler identifizierten bereits eine Tätergruppe auf Ebene der Nachunternehmen. Acht Haftbefehle wurden erwirkt. Gegen einen Hauptbeschuldigten begann am 7. Oktober die Hauptverhandlung, drei weitere befinden sich in Untersuchungshaft. Die Ermittler vermuten, dass weitere Gruppen das „Geschäftsmodell“ kopierten. Auch gegen Subunternehmer und einen Konzernmitarbeiter ermitteln die Behörden wegen möglicher Beihilfe.
Bei den Durchsuchungen sicherten etwa 50 Ermittlungsbeamte umfangreiche Unterlagen, digitale Speichermedien sowie Vermögenswerte im Wert von rund drei Millionen Euro. Eine auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierte Abteilung der Staatsanwaltschaft München I leitet das Verfahren. Unterstützt wird sie von einer Ermittlungsgruppe aus Kriminalpolizei, Zoll und Steuerfahndung.
