Aldi Süd sieht sich mit Vorwürfen wegen möglicher Tierschutzverstöße bei der Garnelenzucht konfrontiert. Eine Untersuchung des International Council for Animal Welfare hat problematische Praktiken in Garnelenfarmen in Indien, Indonesien und Guatemala aufgedeckt, die möglicherweise auch Produkte der Aldi-Eigenmarke betreffen. Aldi Süd ließ eine Bitte um Stellungnahme bisher unbeantwortet.
ICAW will sofortiges Verbot
Die ICAW-Recherche dokumentiert, dass Züchter Muttertieren die Augen abschneiden, angeblich um die Produktivität zu steigern. Das wird Augenstielablation genannt. Zudem töten Züchter Garnelen durch langsames Ersticken oder Erfrieren in Eiswasser. Dr. Kathrin Herrmann, europäische Fachtierärztin für Tierschutz und für ICAW im Einsatz, bewertet diese Methoden sehr kritisch: „Die weit verbreitete Praxis, Tiere kurz in Eis-Bäder zu tauchen, macht sie zwar bewegungsunfähig, betäubt sie aber oft nicht zuverlässig – ein tierschutzrelevantes Problem, das mit einem langsamen, leidvollen Tod vergleichbar ist.“
Die Organisation fordert ein sofortiges Verbot des Augen-Abschneidens und eine Garantie für effektive elektrische Betäubung von allen deutschen Supermärkten.
Aldi: Betäubungsmethode vom ASC anerkannt
Von Aldi-Seite wird die derzeitige Betäubungsmethode mittels Eisbad als branchenüblich bezeichnet. Sie sei von Standardgebern wie dem Aquaculture Stewardship Council (ASC) anerkannt, sofern sie korrekt angewendet werde. Aldi Nord betont ausdrücklich, dass die Praxis der Augenstielablation die Zuchtpopulation betreffe und nicht die Tiere, die direkt bei Aldi verkauft würden.
Aldi Nord will die Augenstielablation bei Zuchtgarnelen schrittweise abschaffen. Für Weißfußgarnelen soll dies bis 2029, für Riesengarnelen bis 2031 erfolgen. Für Bio-Garnelen gelte diese Regelung bereits heute, so das Unternehmen.
