Garnelenzucht Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Aldi Süd

Der Discounter Aldi Süd steht wegen möglicher Tierschutzverstöße bei der Garnelenzucht in der Kritik. Eine Untersuchung des International Council for Animal Welfare (ICAW) deckt problematische Praktiken in Zuchtbetrieben im Ausland auf.

Montag, 06. Oktober 2025, 11:14 Uhr
Thomas Klaus
Umstrittene Praktik: Die sogenannte Augenstielablation bei Zuchtgarnelen soll die Produktivität steigern. Bildquelle: ICAW

Aldi Süd sieht sich mit Vorwürfen wegen möglicher Tierschutzverstöße bei der Garnelenzucht konfrontiert. Eine Untersuchung des International Council for Animal Welfare hat problematische Praktiken in Garnelenfarmen in Indien, Indonesien und Guatemala aufgedeckt, die möglicherweise auch Produkte der Aldi-Eigenmarke betreffen. Aldi Süd ließ eine Bitte um Stellungnahme bisher unbeantwortet.

ICAW will sofortiges Verbot

Die ICAW-Recherche dokumentiert, dass Züchter Muttertieren die Augen abschneiden, angeblich um die Produktivität zu steigern. Das wird Augenstielablation genannt. Zudem töten Züchter Garnelen durch langsames Ersticken oder Erfrieren in Eiswasser. Dr. Kathrin Herrmann, europäische Fachtierärztin für Tierschutz und für ICAW im Einsatz, bewertet diese Methoden sehr kritisch: „Die weit verbreitete Praxis, Tiere kurz in Eis-Bäder zu tauchen, macht sie zwar bewegungsunfähig, betäubt sie aber oft nicht zuverlässig – ein tierschutzrelevantes Problem, das mit einem langsamen, leidvollen Tod vergleichbar ist.“

Die Organisation fordert ein sofortiges Verbot des Augen-Abschneidens und eine Garantie für effektive elektrische Betäubung von allen deutschen Supermärkten.

Aldi: Betäubungsmethode vom ASC anerkannt

Von Aldi-Seite wird die derzeitige Betäubungsmethode mittels Eisbad als branchenüblich bezeichnet. Sie sei von Standardgebern wie dem Aquaculture Stewardship Council (ASC) anerkannt, sofern sie korrekt angewendet werde. Aldi Nord betont ausdrücklich, dass die Praxis der Augenstielablation die Zuchtpopulation betreffe und nicht die Tiere, die direkt bei Aldi verkauft würden.

Aldi Nord will die Augenstielablation bei Zuchtgarnelen schrittweise abschaffen. Für Weißfußgarnelen soll dies bis 2029, für Riesengarnelen bis 2031 erfolgen. Für Bio-Garnelen gelte diese Regelung bereits heute, so das Unternehmen.

Anzeige

analytica 2026

analytica: die ganze Welt des Labors

Die Weltleitmesse für Labortechnik, Analytik, Biotechnologie und die analytica conference vom 24. bis 27. März 2026 in München.
Mehr erfahren

Neue Produkte

Regional-Star 2025 - Die Nominierten