Der Einzelhandel setzt Künstliche Intelligenz (KI) deutlich zurückhaltender ein als von Verbrauchern erwartet. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln hervor, für die 1.000 Verbraucher und 100 Einzelhändler befragt wurden.
Während Verbraucher davon ausgehen, dass KI bereits heute vor allem in den Bereichen Marketing und Werbung (65 Prozent), Beratung und Kundenservice (62 Prozent) sowie bei der Betrugserkennung (60 Prozent) zum Einsatz kommt, nutzen Händler die Technologie bislang hauptsächlich im Bestandsmanagement und in der Logistik (53 Prozent), wie das Institut mitteilte. In anderen Bereichen befinden sich die meisten Händler noch in der Testphase oder bereiten erste Schritte vor.
„Viele Einzelhändler erwarten perspektivisch keine disruptiven Veränderungen durch Künstliche Intelligenz und bewerten den Einsatz von KI derzeit nicht als strategisch relevanten Baustein ihres Geschäftsmodells“, zitierte das Institut den Kölner Universitätsprofessor Werner Reinartz, Direktor des Vereins IFH Förderer und Co-Autor der Studie.
Verbraucher fordern mehr Offenheit bei KI-Nutzung
Die Verbraucher wünschen sich der Studie zufolge mehr Transparenz über den KI-Einsatz im Handel. Mindestens zwei Drittel der Befragten wollen nicht nur wissen, wie KI im direkten Kundenkontakt genutzt wird, sondern auch, wie die Technologie bei internen Prozessen zum Einsatz kommt. Die Händler kommunizieren den Einsatz von KI dagegen meist nur selektiv und konzentrieren sich dabei auf Anwendungen mit sichtbarem Kundennutzen.
Die Studie zeigt zudem, dass die Konsumstimmung in Deutschland weiterhin angespannt bleibt. Die Hälfte der befragten Verbraucher fühlt sich durch die anhaltende Wirtschaftskrise stark verunsichert. 42 Prozent haben geplante Ausgaben verschoben, teilte das Institut mit. Diese Werte liegen in einigen Bereichen sogar über dem Vorjahresniveau.
