Personalmangel im Handel Einzelhandel sucht 122.000 neue Mitarbeiter

Der deutsche Einzelhandel kann aktuell 122.000 offene Stellen nicht besetzen. Der Handelsverband Deutschland fordert von der Politik Maßnahmen wie längere Kita-Öffnungszeiten und ein modernes Zuwanderungsrecht. Eine Vollzeitkraft verdient in der Branche durchschnittlich 3.628 Euro brutto im Monat.

Donnerstag, 24. Juli 2025, 10:26 Uhr
Theresa Kalmer
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aktuell weiterhin mehr als 3,1 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt. Bildquelle: Getty Images

Der Einzelhandel findet für rund 122.000 offene Stellen keine Bewerber. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) hervor, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mitteilte. Der demografisch bedingte Fachkräftemangel entwickelt sich nach Angaben des Verbands zunehmend zu einem Problem für die Handelsunternehmen.

„Die Politik muss jetzt handeln. In den nächsten Jahren werden extrem viele Babyboomer in Rente gehen. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich dadurch weiter zuspitzen“, erklärte HDE-Geschäftsführer Steven Haarke in der Mitteilung. Um die Fachkräftelücke zu schließen, fordert der Verband von der Politik verschiedene Maßnahmen. Besonders wichtig sei für den Einzelhandel mit seinem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter eine flächendeckende Kita-Betreuung an allen Werktagen bis 20 Uhr. Der Verband spricht sich zudem für eine Reform des Steuerrechts, ein modernes Zuwanderungsrecht mit schnellen Verfahren sowie mehr Akzeptanz für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung aus.

Der Einzelhandel beschäftigt nach Angaben des Verbands trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin mehr als 3,1 Millionen Menschen. Eine Vollzeitkraft verdient in der Branche laut der aktuellsten Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 3.628 Euro brutto im Monat. Die sogenannten Effektiventgelte, also alle in der Branche gezahlten Entgelte unabhängig von einer Tarifbindung, stiegen den Angaben zufolge von 2022 bis 2024 um 13,4 Prozent. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst liegt aktuell bei 22,26 Euro.

Handelsverband nennt Verdienstmöglichkeiten

Die Verdienste schwanken dabei je nach Anforderungsprofil erheblich. Experten im Einzelhandel kommen auf einen Stundenlohn von 37,02 Euro brutto, Fachkräfte auf 19,09 Euro und Helfer auf 16,44 Euro. „Im Einzelhandel wird gutes Geld für gute Arbeit gezahlt. Handelsunternehmen sind als Arbeitgeber bei den Menschen beliebt. Viele Arbeitnehmer schätzen zudem, dass die Branche auch in ländlichen Regionen Jobs und Karrierechancen bietet“, erklärte Haarke.

Der HDE fordert außerdem eine Abschaffung der Rente mit 63. Das Renteneintrittsalter müsse stattdessen entsprechend der steigenden Lebenserwartung angehoben werden. Kontraproduktive Anreize für Frühverrentungen verschärften nach Ansicht des Verbands den Fachkräftemangel zusätzlich.

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