Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert die von großen Handelsketten angekündigten „dauerhaften Preissenkungen“ für Lebensmittel als Marketing-Aktion. Für den täglichen Einkauf von Verbrauchern – vor allem mit geringem Einkommen – ändere sich kaum etwas, so die Einschätzung.
Nitsche: Statt Obst wird Junkfood billiger
Eine Auswertung der Organisation zeigt angeblich: Die vermeintlichen Entlastungen seien nicht nur intransparent. Zudem beträfen sie in vielen Fällen Süßwaren, Snacks, Alkohol und Fertiggerichte. Preisnachlässe auf frische, ausgewogene Produkte des täglichen Bedarfs bleiben hingegen nach Darstellung von Foodwatch die Ausnahme.
„Die Supermärkte feiern sich für dauerhafte Preissenkungen – doch wer genauer hinschaut, sieht Rabattaktionen auf Alkohol, Zuckerbomben und hochverarbeitete Produkte“, kritisiert Kampagnenleiterin Alina Nitsche von Foodwatch. „Statt frisches Obst wird Junkfood billiger – das ist keine wirkliche Entlastung für Verbraucher, sondern ein ungesundes Angebot zum Sonderpreis.“
Mehrwertsteuersenkung auf gesunde Lebensmittel gefordert
Die Organisation fordert die Bundesregierung auf, sie solle gesunde Ernährung gezielt fördern. Sie schlägt vor, dass die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte gestrichen wird. Gleichzeitig brauche es eine unabhängige Preisbeobachtungsstelle. Diese müsse überprüfen, ob Supermärkte ihre Einsparungen bei Energie, Logistik und Rohstoffen tatsächlich an Verbraucher weitergeben.
Foodwatch kritisiert Lidl und Rewe
Lidl und Rewe weigerten sich laut Foodwatch auf Nachfrage, offen zu legen, welche Produkte sie konkret im Preis gesenkt haben. Aldi und Edeka hätten Listen mit rund 100 beziehungsweise 200 Artikeln veröffentlicht. Die Analyse von Foodwatch zeigt nach Schilderungen von Alina Nitsche: Fast die Hälfte der bei Aldi gesenkten Produkte und etwa ein Drittel der bei Edeka reduzierten Waren seien ungesunde Lebensmittel.
Foodwatch-Preisradar mit eindeutigen Ergebnissen
Im Rahmen eines „Preisradars“ beobachtet Foodwatch rund 200 Produkte des täglichen Bedarfs. Bei 83 Prozent dieser Artikel blieben die Preise in den letzten vier Monaten gleich oder stiegen sogar, teilte die Organisation mit. Die wenigen Produkte, deren Preis sank, seien meist nicht mehr als 10 Prozent günstiger geworden.
