Die von der US-Regierung beschlossene umfassende Erhöhung der Importzölle trifft die deutsche Wirtschaft erheblich. Das geht aus verschiedenen Stellungnahmen von Verbänden hervor.
Auch die deutsche Süßwarenindustrie sieht sich deutlich unter Druck. „Die geplanten US-Zölle sind ein klarer Rückschritt für den transatlantischen Handel“, erklärt Dr. Carsten Bernoth, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). „Sie treffen die falschen Adressaten – nämlich eine Branche, die wichtige Rohstoffe wie Mandeln, Pistazien, Walnüsse, Cranberries und Erdnüsse in großen Mengen aus den Vereinigten Staaten bezieht.“
BDSI will generellen Kurswechsel in der Handelspolitik
Bei Mandeln beträgt der Anteil der Vereinigten Staaten bei den Importen in die Europäische Union nach BDSI-Angaben 92 Prozent. „Mit den Zollerhöhungen schaden die USA nicht nur europäischen Herstellern, sondern auch den US-Partnern unserer Branche und ihrer eigenen Landwirtschaft“, so Dr. Bernoth weiter.
Der BDSI tritt für einem generellen Kurswechsel in der Handelspolitik ein. „Wir setzen uns für fairen und freien Handel ein – sowohl gegenüber den USA als auch innerhalb der EU. Die europäische Zollpolitik, insbesondere bei Lebensmitteln, die Agrarrohstoffe wie Zucker, Milch oder Getreide enthalten, ist ebenfalls reformbedürftig“, so Dr. Bernoth. Der Hauptgeschäftsführer unterstreicht: „Protektionistische Maßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks gefährden Exporte und Arbeitsplätze, sowie die langjährigen Investitionen, welche die Unternehmen in den jeweiligen Märkten vorgenommen haben.“
GEFA betont wichtigen Stellenwert des gegenseitigen Warenaustausches
Die German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) meldet sich ebenfalls zu Wort. „Handelsbarrieren und eine Spirale an Strafzöllen produzieren nur Verlierer. Die Einbindung in globale Lieferketten und ein freier Warenverkehr für die Exportwirtschaften weltweit bringen dagegen positive Effekte für alle Beteiligten.“ Das betont GEFA-Sprecher Hartmut Kretschmer. Dagegen seien die Risiken einer Entkopplung von globalen Lieferketten sehr hoch. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ankündigungen der USA zu den zusätzlichen Zöllen auf alle Produkte, darunter Agrarprodukte und Lebensmittel, aus Deutschland verweisen die GEFA-Mitglieder auf den wichtigen Stellenwert des gegenseitigen Warenaustausches für beide Länder.
USA drittstärkster Exportzielmarkt außerhalb der EU
Die Vertreter der GEFA fordern mit Blick auf die zu erwartenden Reaktionen der EU vor allem zeitnahe Initiativen zur Aufnahme von Gesprächen mit ihren amerikanischen Verhandlungspartnern und angemessene, zurückhaltende Reaktionen. „Wir brauchen dringend eine integrierte Export-Strategie, welche die Öffnung und den Erhalt von Absatzmärkten mit der Exportförderung verbindet und, wo erforderlich, auch politisch untermauert.“ Das sagt Jan-Bernd Stärk, stellvertretender Sprecher der GEFA.
Nach den vorläufigen GEFA-Zahlen zum Agrarexport des Jahres 2024 sind die USA für die Agrar- und Ernährungsbranche Deutschlands drittstärkster Exportzielmarkt außerhalb der EU. Insgesamt exportierte die Branche im Jahr 2024 Waren im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro in die USA. Der Ausfuhrwert ist im vorigen Jahr um 9,1 Prozent gestiegen, während die Menge allerdings um 2,6 Prozent auf 762 Tausend Tonnen gesunken ist. Gleichzeitig importierte Deutschland im vorigen Jahr Produkte aus den USA im Wert von knapp drei Milliarden Euro. Das sind 8,1 Prozent weniger.
DIHK: Viele andere Regionen strecken uns die Hand aus
Für beide Länder haben die Exporte von Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln einen hohen Stellenwert. Der Blick auf die gegenseitige Exportstatistik zeigt, dass sich die Agrarexporte beider Länder seit dem Jahr 2006 wertmäßig mehr als verdoppelt haben (Menge: USA plus 36,1 Prozent; Deutschland plus 57,2 Prozent).
Trotz der für Deutschland sehr negativen Handelsbilanz könne man die gegenseitigen Ausfuhren als klassische Win-Win-Situation bezeichnen, so Stärk. Um so bedauerlicher seien die aktuellen Ankündigungen zu sehen.
Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) meint: „Viele andere Wirtschaftsregionen strecken uns die Hand aus. Da müssen wir jetzt beherzt einschlagen. Die Abkommen mit den Mercosur-Staaten sowie mit Indien müssen jetzt endlich unter Dach und Fach gebracht werden.“
DMB: Größte Sorge aufgrund des Handelskrieges
Auf die neuen US-Zölle sollte die EU nach Auffassung Teiers nicht impulsiv, sondern „entschieden und mit Weitsicht“ reagieren. Es zeige sich hier einmal mehr, dass Europa seine Unternehmen ohne weitere Verzögerungen fit für den Wettbewerb machen müsse.
Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstands-Bunds (DMB), ordnet ein, was die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle für den Mittelstand bedeuten: „Den von Donald Trump endgültig begonnenen Handelskrieg gegen die Europäische Union und die gesamte Welt betrachte ich mit größter Sorge. Die Berechnungen von Wirtschaftsforschern verheißen nichts Gutes für den deutschen Mittelstand.“
Anders als von Donald Trump erhofft, werde sein Protektionismus nicht dazu führen, dass sich deutsche Unternehmen nun vermehrt in den USA ansiedeln und dort Arbeitsplätze schaffen. Tenbieg: „Es wäre absurd, wenn wir Trump für die drastischsten Strafzölle seit 1930 belohnen würden und die EU als größten Binnenmarkt der Welt kleinreden ließen.“
Tenbieg: Trump führt Rachefeldzug gegen Globalisierung
Die kleinen und mittleren Unternehmen müssten sich jetzt auf den europäischen Binnenmarkt und die Märkte konzentrieren, mit denen Deutschland und die EU faire Handelsabkommen geschlossen hätten. Dabei rücken neben China auch der indopazifische und süd- und mittelamerikanische Raum mit seinem starken Wachstumspotenzial in den Fokus.
Tenbieg argumentiert: „Trump führt einen ideologischen Rachefeldzug gegen die Globalisierung, also gegen jene partnerschaftliche und friedenssichernde Wirtschaftsordnung, die Deutschland mit seinen mittelständischen Unternehmen wesentlich mitgeprägt hat. Gewiss: Der Rückzug der USA aus dem globalen Welthandel schmerzt, da die Vereinigten Staaten derzeit der wichtigste Handelspartner Deutschlands sind.“
IW: Wirtschaftlicher Schaden für Deutschland bei 200 Milliarden Euro
Gleichzeitig eröffne das Manöver von Trump auch die Chance, bestehende Allianzen zu vertiefen und neue zu schaffen.
Eine Schätzung des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW), die die neuen Zusatzzölle für die wichtigsten US-Handelspartner im Modell von Oxford Economics simuliert, zeigt derweil: Der kumulierte wirtschaftliche Schaden für die Bundesrepublik könnte über die vierjährige Amtszeit Trumps rund 200 Milliarden Euro betragen, für die EU etwa 750 Milliarden Euro. Das deutsche BIP läge im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.
