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EuroCIS Smarte neue Welt am Point of Sale

Bernd Liening | 13. März 2019

Hardware ist Pflicht, Software die Kür: Dieses Motto zog sich wie ein roter Faden durch die Fachmesse EuroCIS 2019 in Düsseldorf. Mehr als 13.000 Besucher aus dem internationalen Handel informierten sich über die aktuellen Neuheiten der weltweiten Anbieter von Retail Technologie.

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Vorbei die Zeiten, als das olympische Motto „schneller, höher, stärker“ auch die Entwicklung der PoS-Systeme treffend beschrieb. Um eine neue Kasse oder Waage, einen neuen Scanner oder Digital-Signage-Monitor zu präsentieren, war im Februar kaum noch ein Aussteller nach Düsseldorf zur EuroCIS, der führenden Fachmesse für Retail Technology, gekommen. Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT), Predictive Analytics, Software as a Service (SaaS), Mobile und Cloud – das sind die Schlagworte, die den „Smart Store“ und damit die Zukunft des stationären Handels formen sollen. Ulrich Spaan, Mitglied der Geschäftsleitung beim EHI Retail Institute, sieht im Einsatz künstlicher Intelligenz einen der wichtigsten Trends im Handel, den auch die EuroCIS 2019 widerspiegelte. Spaan: „Chatbots kommunizieren zum Beispiel via künstlicher Intelligenz mit den Kunden, während das IoT für Händler ein wertvolles Tool in Sachen Datenanalyse ist.“
Wie sich das Internet of Things vom Handel nutzen lässt und damit beispielsweise „eine eigene Interpretation des Amazon GO-Konzepts“ auf die Beine stellen lässt, demonstrierte Allgeier Enterprise auf dem Stand der Online Software AG mit seiner „IoT Boxx“. Die aktuelle Herausforderung besteht laut Allgeier darin, „das neue Einkaufsverhalten und -bedürfnis der Kunden abzudecken“. Dabei stehe das einfache Auswählen und Kaufen von Produkten ohne lästiges Kassieren im Mittelpunkt. Im IoT-Superstore werden die Produkte durch eine Kombination aus Kamera- und RFID-Technik erkannt. Die Produkt- und Preisauszeichnung erfolgt über Electronic-Shelf-Label. Neben der Preisauszeichnung lassen sich unter anderem Produkte mit bestimmten Eigenschaften, zum Beispiel vegan, durch Blinken direkt ausfindig machen. Ein besonderes Feature ist das Sprach-Interface: Anhand von Fragestellungen kann der Kunde weitere Informationen abrufen oder direkt Bestellungen aufgeben.
Auch cloudbasierte SaaS-Lösungen setzen sich in vielen Anwendungsbereichen im Handel durch. „Um die Kassenzone und Verkaufsfläche nach den Wünschen seiner Kunden zu gestalten, muss der Einzelhändler wissen, wann sich wie viele Kunden wo aufhalten“, nennt Toshiba ein konkretes Einsatzfeld seiner cloudbasierten SaaS-Lösung „Signals“. Mit Signals erfährt der Händler nicht nur punktuell, ob sich Kunden vor einem Display längere Zeit ein Sonderangebot ansehen, sondern er kann die vollständigen Besucherströme in der Filiale analysieren. An den Wänden oder der Decke angebrachte Sensoren erfassen anonymisiert die Bewegungen der Kunden und übertragen die Daten in die Cloud. Die Analyse dieser Daten gibt Aufschluss darüber, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit wie viele Kunden in der Filiale waren, welchen Weg sie genommen haben und wo sie stehen geblieben sind. Mit diesen Informationen können die Präsentation der Artikel und auch die Personalplanung für die Kasse optimiert werden.
Eine spezielle SaaS-Lösung von Sensormatic: „Shrink Management as a Service“ (SMaaS) ermöglicht gleichzeitig eine Warenbestandsanalyse und die Diebstahlprävention mit einer bisher unbekannten Vorhersagequalität. Im Einatz ist SmaaS bereits in 642 Filialen der britischen Einzelhandelskette Asda. Mit dem Vergleich von in der Cloud zusammengeführten Daten und Performance-Kennzahlen aus den Shops bietet das System ein Bild der Vorgänge in einzelnen Filialen, in bestimmten Regionen und im gesamten Unternehmen. Mithilfe einer speziellen Landkarte für die Darstellung organisierter Kriminalität lassen sich Aktivitäten von Diebesbanden erkennen. Hinweise auf deren Treiben liefert zum Beispiel die Detektion von Metallfolien und Störsendern in einzelnen Filialen. Werden diese vermehrt eingesetzt, deutet dies auf einen gezielten Angriff durch organisierte Kriminelle hin. Auf einer Landkarte werden Filialen mit derartigen Mustern zu Gruppen zusammengefasst. So erkennen Einzelhändler das Vorgehen und die „Reiserouten“ organisierter Banden und können vorbeugend Maßnahmen ergreifen.
Fujitsu zeigte an seinem Stand, wie Künstliche Intelligenz zur Optimierung des Kundenerlebnisses, aber auch zur Minimierung von Betrugsfällen beitragen kann, beispielsweise durch den Abgleich von Barcode und entsprechendem Artikel beim Self-Checkout.

16 Prozent weniger Selfcheckout-Systeme wurden 2017 in Westeuropa installiert.

Die Lancom Systems GmbH, deutsche Hersteller von Netzwerklösungen für Geschäftskunden, hatte maßgeschneiderte IoT-Lösungen für Filialisten am Stand. Eine Anwendung betrifft die Optimierung der digitalen Preisschilder, der „Electronic Shelf Label“ (ESL). Neben speziellen Access Points mit integrierten ePaper-Funkmodulen können beispielsweise die ESL-Geräte der neuen U-Serie erstmals auch über externe USB-Sticks angesteuert werden. Hinzu kommen Ortungsfunktionen per Bluetooth und WLAN für Location based Services und zur Kundenfrequenzanalyse.
Ob Digital-Signage-Kampagnen und Werbeaktivitäten im Markt den erhofften Erfolg bringen, ist nur schwierig zu ermitteln. Die Online Software AG hat sich dieses Problems angenommen und eine Lösung für die Messung der Effizienz entwickelt. Die Software „Prestigeenterprise“ stellt hierfür eine aussagefähige Datenbasis bereit, die per Data-Mining eine effektive Werbeerfolgskontrolle in Korrelation zu den Verkäufen ermöglicht.
Glory, Spezialist für Cashmanagement, stellte in Düsseldorf den „CI-5“ vor, das bisher kleinste System der Cashfinity-Serie. Es eignet sich für kleine Stores mit wenig Münzgeldaufkommen, aber auch für den Self-Checkout in großen Märkten. Zu den Highlights der Backoffice-Lösungen zählt der Banknoten-Recycler „CI-50B“, der mittlere bis große Bargeldmengen verarbeitet. Auf der EuroCIS war dieses System mit integrierten Stacking Pouches (Safebags) zu sehen. Diese sorgen für eine geordnete Aufbewahrung und erhöhte Sicherheit. Die Banknoten fallen bei Einzahlung direkt in die Taschen, die schnell und sicher entnommen werden können. In Kombination mit einem Münzmodul entsteht die Gesamtlösung „CI-50“, die sowohl Münzen als auch Banknoten im Backoffice verarbeitet.
Bizerba zeigte auf der EuroCIS, dass auch Waagen und Maschinen zum Internet der Dinge dazugehören und Anschluss an Omnichannel-Konzepte finden. Ein Ansatz ist die Einbindung der Thekenwaage in neue Abhol- und Lieferprozesse wie Click&Collect oder Home Delivery. Bizerbas Retail-App „EasyOrder“ verbindet den Webshop des Händlers mit den Waagen und Schneidemaschinen an der Frischetheke. Kundenbestellungen, die digital eingehen, können direkt an den Geräten im Store erfasst, bearbeitet und zur Abholung oder Lieferung bereit gestellt werden. Die Bestellabwicklung wird zudem durch smarte Schneide-Wägekombinationen optimiert und beschleunigt.
Was neue Checkout-Lösungen angeht, investiert der Handel in Europa nur verhalten. Während weltweit die Zahl der installierten SB-Kassen im Jahr 2017 um 14 Prozent auf mehr als 300.000 gestiegen ist, wurden in Mittel- und Osteuropa 2017 lediglich ein Prozent mehr SB-Kassen installiert als im Vorjahr, in Westeuropa sogar 16 Prozent weniger. Das meldet der jährliche „Global EPOS and Self-Checkout„-Report der Marktforschung RBR. Die Hersteller sehen darin allerdings nur einen Ausreißer in einer ansonsten positiven Entwicklung. „Auf Rekordjahre folgt immer wieder ein Jahr, in dem die Neuinstallationen rückläufig sind“, sagt Stefan Clemens, Area Sales Leader bei NCR. Auch Ulrich Völlmecke von Diebold Nixdorf zeigt sich optimistisch: „Weil Early Adopter wie Frankreich bereits umfangreiche Rollouts durchgeführt haben, können sich Zahleneffekte ergeben – jedenfalls ist aus unserer Sicht der europäische Markt noch lange nicht gesättigt.“