Franchise:Insolvenzwelle rollt

Bildquelle: LP Archiv

Franchise Insolvenzwelle rollt

Dunkin' Donuts als Spitze eines Eisbergs? 100 bis 150 komplette Franchise-Systeme werden pro Jahr aus dem Markt verschwinden, prognostizieren Branchenexperten.

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"Die Situation ist alarmierend", warnt Insolvenzverwalter Tobias Hartwig, der auch Insolvenzrecht an der Hochschule Ostfalia in Wolfenbüttel lehrt, heute im Handelsblatt. "In der Franchisewirtschaft rollt eine Insolvenzwelle heran, die so rasch nicht vorbei sein wird." Auch Unternehmensberater Felix Peckert rechnet damit, dass 100 bis 150 Systeme pro Jahr vom Markt verschwinden. Das allerdings seien nicht nur Insolvenzen, sondern auch Ketten, die dann nur mit eigenen Filialen betrieben werden. Zugleich versuchen jedes Jahr rund 150 neue Franchisesysteme ihr Glück; die Gesamtzahl ist also relativ stabil. Rund 950 Systeme gibt es laut Peckert in Deutschland; in den 160.000 Partnerbetrieben sind knapp 700.000 Personen beschäftigt.

Die größten Probleme liegen für einen einzelnen Franchisenehmer laut den Branchenexperten nicht nur in der Einführung des Mindestlohns, sondern vor allem in den weiter zurückgehenden Besucherfrequenzen in Innenstädten und Einkaufszentren. Die letzteren sind wegen der hohen Mieten, der langen Öffnungszeiten mit kurzen Stoßzeiten ohnehin ein Problem für kleine Franchise-Geschäfte. Außerdem seien viele Trends, gerade in den Bereichen Lebensmittel und Gastronomie, zu kurzlebig, um ein solides Geschäft aufzubauen, meint Peckert und nennt u. a. Bubble Tea als Beispiel.

Viele Systemanbieter ziehen, so die Experten, nur Gebühren von den Franchisenehmern ab, würden in der Krise aber die Geschäftsleute zu wenig unterstützen. Außerdem seien viele Systeme noch nicht ausgereift.