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Süßes sonst gibts Saures Einige Fragezeichen

Dieter Druck | 08. September 2010

Neue Preisrunden, explodierende Rohstoffkosten – nicht die besten Bedingungen für die Süßwarenbranche, aber der verhaltene Optimismus hält an.

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Es geht so weiter. Die Discounter und damit auch die anderen Handelsunternehmen haben nur zwei Wochen im neuen Jahr Ruhe gehalten. Dann wurde der Rotstift gespitzt. Nach zwölf Preisrunden im vergangenen Jahr setzten sich Preiskampf und Werte-Vernichtung fort. Dahin die schwache Hoffnung auf Preisstabilität. Süßwaren bleiben dabei nicht ungeschoren. Gleichzeitig drücken steigende Rohstoffpreise, vor allem bei Kakao, vielen Herstellern tiefe Sorgenfalten ins Gesicht. Auch das Bundeskartellamt hat Witterung aufgenommen und gibt einigen Süßwaren-Herstellern zu denken. Zudem die Sorge, dass der von der Krise verfolgte Verbraucher nun doch massiver mit Konsumverzicht reagieren könnte. „Das Jahr 2010 wird geprägt sein durch weniger Shopping-Trips der Konsumenten. Speziell wir als Anbieter von Impulsprodukten werden diese veränderten Einkaufsgewohnheiten zu spüren bekommen“, prognostiziert Jörg Beiß, Geschäftsführer von CFP in Bonn, sieht aber die klar positionierte Marke als Krisengewinner. Generell ist daher die Stimmung in der Branche verhalten optimistisch.

Das unterstreichen die Marktzahlen von Nielsen bis Ende November 2009. 0,6 Prozent mehr Umsatz mit Süßwaren über alle Kanäle signalisieren eine gewisse Stabilität, wenngleich der November (minus 2,9 Prozent, Wert) in einigen Warengruppen deutlich schlechter ausfiel als das laufende Jahr 2009 insgesamt.

Die absoluten Gewinner übers Jahr gesehen sind die salzigen Snacks mit einem wertmäßigen Plus von 7 Prozent und einer Absatz-Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,7 Prozent. Und das ohne einen sportlichen Groß-Event. Wachstumsstärkstes Segment sind die Kartoffelchips. Das Wachstum hat allerdings zwei Seiten. Da sind zunächst die Handelsmarken. Ihre Preise stiegen 2009 stärker als die der Markenanbieter. Daraus resultiert ein leichter Anstieg der Wertanteile von 43 auf 43,7 Prozent. Der Mengenanteil schrumpfte leicht auf 60 Prozent. Auf der anderen Seite schlagen die Aktivitäten der Markenartikler zu Buche. Bei Lorenz Snack-World (LSW) lagen die Umsätze bis November 2009 17,6 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor allem Innovationen haben dazu beigetragen. Diese werden als gute Basis für 2010 gesehen, zumal mit der Fußball-WM in Südafrika wieder ein verkaufsförderndes Großereignis ansteht. Hier hat LSW schon zum Jahresende mit der Einführung der limitierten Afro-Edition Crunchips African Style mit dem Geschmack von Chakalaka einen ersten Akzent gesetzt. Darüber hinaus verweist man in Neu-Isenburg auf die erfolgreiche Entwicklung der Marken Saltletts und Naturals. Saltletts wuchs bis November 2009 um 21,9 Prozent und hat einen Marktanteil von 32,7 Prozent. Als Familien-Produkt bietet die Range noch weit reichendes Potenzial. Sie wird im laufendenden Jahr ausgebaut und weiter kommunikativ unterstützt. Die Naturals-Linie wuchs im genannten Zeitraum um 31,9 Prozent und verfügt über einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Im März wird die Linie um eine neue Variante erweitert. Auch die neuen Country Chips, nach eigenen Angaben Deutschlands erste Vollkorn-Chips, bekommen ab Februar Zuwachs durch die Geschmacksrichtung Crême fraiche.

Intersnack wächst ebenfalls mit allen Kernmarken. Insbesondere das Jahresend-Geschäft sei sehr erfolgreich gewesen. Herausgestellt wird ein überdurchschnittliches Plus von mehr als 11 Prozent für die Marke PomBär im Spezialitätenbereich. Mit funny-frisch Chips-Frisch Premium und Chio Chips Wasabi Style wurden im letzten Quartal Neuheiten eingeführt, die den Trends Premium und scharfe bzw. exotische Würzungen entsprechen. Die aktuellen Neueinführungen sind funny-frisch Big Flippies (Februar) und Chio Tortilla Rolls (März). Weitere Neuheiten wie der „höllisch scharfe“ Dip! African Style von Chio folgen.

Mit Tiger Tiger wird dem deutschen Handel eine neue Marke präsentiert, unter der neben Fertiggerichten auch salzige Snacks angeboten werden. Die Gespräche mit Handelsunternehmen laufen in diesen Tagen an. Die europäischen Vertriebsrechte liegen bei der Schweizer Creativ Best Foods. Exklusiver Vertriebspartner für Deutschland ist die Thomas Niederreuther GmbH in München. Tiger Tiger ist ein englisches Familienunternehmen mit Sitz in Nottingham und besitzt die BRC- sowie ISO-Zertifikation. Produziert wird unter ökologischen und ökonomischen Gesichts-Punkten in den Ländern, aus denen die Rohstoffe stammen (Indonesien, Indien, Thailand, China, Japan, Singapur, Malaysia sowie Vietnam). In Großbritannien agiert Tiger Tiger als C&C-Marktbetreiber und bedeutender Zulieferer von Original-Zutaten für die dort sehr starke asiatische Gastronomie. Die Marke selbst ist positioniert als authentische Asia-Premium-Brand. Im Segment der salzigen Snacks startet man in Deutschland mit Nutties. Das sind ummantelte Erdnüsse, ohne Zusatz künstlicher Aromen etc. Wieder verschließbare Ring-Pulldose, gleichmäßige Kalibrierung sowie hohe Erdnussanteile, je nach Sorte zwischen 65 und 70 Prozent, werden als Premium-Merkmale herausgestellt. Die 150-g-Dose wird mit einem EVP zwischen 2,79 und 2,99 verkauft.

Ein noch leichtes Umsatzplus von 0,9 Prozent erzielte der Handel mit Zuckerwaren (bis KW 48/09). Hier können u. a. die Impuls-Kanäle wieder zulegen und dokumentieren zumindest für den genannten Zeitraum, dass die anhaltende Talfahrt der Süßwaren-Umsätze ein Ende hat. Bei den Hard-Discountern werden die Zuckerwarenumsätze gehalten, beim LEH (ohne Aldi, Lidl und Norma) wachsen sie leicht (0,8 Prozent). Deutlicher, wenngleich auf niedrigerem Niveau, sind die Wachstumsraten für dieses Süßwarensegment allerdings bei den Drogeriemärkten (plus 2,8 Prozent).

Die Bonbons stagnieren mehr oder weniger. Fruchtbonbons bleiben auf einem rückläufigen Kurs (minus 7,2 Prozent) und auch die Pfefferminz-Bonbons liegen 5 Prozent unter den Vorjahres-Umsätzen. Überproportionale Zuwächse verzeichnet das Segment Kaubonbons u.a. getrieben von Markenaktivitäten im Discount-Umfeld. Positiv sticht ebenso der Kaugummi-Markt ins Auge. Hier summierten sich die Umsätze auf plus 2 Prozent.

Überproportionales Wachstum und Marktanteilsgewinne meldet Wrigley. Treiber ist vor allem 5 Gum. Drei Monate nach Einführung verzeichnete der „Lifestyle-Kaugummi“ Ende Oktober eine gewichtete Distribution von 69 Prozent (65.000 Kassen wurden bis dahin mit dem Neuprodukt bestückt) und einen Marktanteil von 8,7 Prozent am deutschen Kaugummimarkt. Die Marken-Bekanntheit beträgt 22 Prozent und alle drei Sorten rangieren schon unter der Top-Ten-Kaugummi-Produkten. Ab Februar kommt die Variante Flood neu dazu. Zum gleichen Zeitpunkt wird Wrigley´s Extra in neuer Verpackung in den Handel gebracht, bessere Wahrnehmung im Regal und stärkere Konsumentenansprache inklusive, wie Tests im Vorfeld belegen. Die Zuckerwarenmarke Skittels aus dem mütterlichen Mars-Portfolio wird derzeit auf ihr Potenzial geprüft. Ansonsten konzentriert sich Wrigley im Segment Bonbons jetzt auf Mints (Airwaves, Extra Professionals). Hier soll zum Sommer noch „einiges kommen“.

Neue Produkte


  • Zuckerfreie Schaumküsse, 30 Prozent weniger Kalorien, Topkuss Aktiv, Grabower Süsswaren
  • Knabberkekse ohne Schokolade, Shaun das Schaf Mini-Butterkekse, Griesson de Beukelaer
  • Erdnüsse mit Gewürzmantel, Nutties, Deutschland-Vertrieb: Thomas Niederreuther
  • Nuss-Sticks, verschiedene Varianten, Haselnuss Splitter, Confiserie Heilemann
  • Kekse mit Erdnüssen und Vollmilchschokolade, Crispettis, Bahlsen
  • Kinder Pinguin in neuer Geschmacksrichtung Cocos, Kinder Pingui Cocos, Ferrero
  • Kaugummi mit dem Geschmack von roten Beeren, 5 Gum Flood, Wrigley


Bildergalerie


Salzige Snacks: Gute Voraussetzungen für Wachstum 2010.


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