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Frei von Lieber ohne

Bettina Röttig | 30. Mai 2017

Verzicht ist angesagt auf den Tellern der Bundesbürger. Während insbesondere die Discounter aktuell das gentechnikfreie Sortiment forcieren, steigen immer mehr Markenartikler in das Segment glutenfrei ein.

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Sogenannte sensible Esser werden interessanter für Handel und Industrie. Wer aus gesundheitlichen, ethischen oder anderen Gründen auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln verzichtet, findet daher ein wachsendes Angebot an Produkten, die mit „Frei-von“-Claims werben. Dabei wird die Liste der Auslobungen ebenso stetig länger wie die der individuellen Ernährungsstile.

Von größerer Bedeutung für Verbraucher werden im Zuge des Clean-Eating-Trends z. B. zuckerfreie Erzeugnisse. Bereits 9 Prozent der Bundesbürger achten nach der Studie Bewusste Esser 2017 der Nielsen Marktforscher auf Produkte ohne Zucker, 23 Prozent auf zuckerarme Lebensmittel. Dennoch warben 2016 gerade einmal 4 Prozent der Produktneuheiten mit entsprechenden Claims. Größeres Potenzial versprechen sich Handel und Markenartikler aktuell noch immer mit den bereits etablierten gluten-, laktose- und gentechnikfreien Produkten.

Messe-Duo

Frei von Die Messe und Konferenz „Free From Functional Food Expo“ finden zusammen mit der „Free From Functional Food Ingredients“ am 8. und 9. Juni 2017 auf dem Messegelände in Barcelona statt. Eintrittspreise und Registrierung: www.freefromfoodexpo.com


„Grundsätzlich zeigt sich, dass bei den Verbrauchern eine weiter wachsende Nachfrage bei Lebensmitteln, die individuelle Unverträglichkeiten ausschließen, vorhanden ist“, beobachtet man bei Discounter Norma. Die Wünsche von immer mehr Kunden nach diesen Frei-von-Artikeln spiegelten sich in der überproportionalen Entwicklung der Verkaufszahlen wider. Die Nürnberger bieten aktuell rund 300 vegane sowie mehr als 320 glutenfreie Artikel an und erhöhten die Anzahl der laktosefreien Produkte allein seit Anfang 2017 deutlich auf derzeit über 370. Auch im Bereich der Lebensmittel ohne Gentechnik steige die Nachfrage. Mehr als 160 gentechnikfreie Produkte finden die Norma-Kunden heute, Anfang des Jahres waren es noch gut 100.

Gentechnikfrei im Aufwind
„Im konventionellen Frische-Segment des Handels ist ,ohne Gentechnik‘ ein Megatrend“, beobachtet Norbert Klamt, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Argusto. Bei den Discountern sei das Sortiment schon fast so umfangreich wie Bio. „Interessant ist, dass das Label des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) aktuell immer häufiger auch zusätzlich auf Bio-Ware eingesetzt wird, im Grunde eine Doppelung, denn das Bio-Recht schließt den Einsatz von Gentechnik bei Bio-Lebensmitteln aus“, erläutert Klamt.

Rund 4,4 Mrd. Euro Umsatz werden mit Lebensmitteln erzeugt, die das Ohne-Gentechnik-Siegel des VLOG tragen. Der Umsatz mit diesen Lebensmitteln wurde dieses Jahr erstmals durch den Verband erhoben, Basis sind die Umsatzprognosen der Siegelnutzer für 2017. Die Anzahl der gekennzeichneten Lebensmitteln wuchs allein im ersten Quartal 2017 um 12,5 Prozent. Zum 1.4.2017 wurden 6.170 Artikel mit dem Siegel gekennzeichnet.

Das mit Abstand umsatzstärkste Ohne-Gentechnik-Sortiment stellen die Milchprodukte mit 2,44 Mrd. Euro (55 Prozent am Gesamtumsatz) bei 1.599 Produkten dar. Im Produktbereich Eier sind 1.688 Lizenzen für das Siegel vergeben und die Eiervermarkter setzen damit 690 Mio. Euro um. Das Segment Geflügelfleisch umfasst 1.392 Artikel und einen Umsatz von 1,07 Mrd. Euro.