Regionale Landwirtschaft Sächsische Landwirte setzen auf historische Getreidesorten

Die Rolle-Mühle in Grünhainichen verarbeitet alte Getreidesorten wie Gelbweizen und Champagnerroggen zu Spezialmehlen. Handwerksbäcker fragen diese Produkte verstärkt nach. Das Land Sachsen fördert den Anbau seltener Sorten mit 120 Euro je Hektar.

Montag, 01. September 2025, 11:30 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Brot aus Champagnerroggen, Gebäck aus Gelbweizen: Alte Getreidesorten versprechen mehr Vielfalt auf dem Teller. Schaffen sie ein Comeback? Bildquelle: Getty Images

Alte Getreidesorten wie Gelbweizen und Champagnerroggen kehren auf sächsische Felder zurück. Die Rolle-Mühle in Grünhainichen verarbeitet diese historischen Sorten zu Spezialmehlen, die besonders bei Handwerksbäckern gefragt sind. Das teilte das Unternehmen mit. 

Renaissance von Dinkel als Vorbild

„Wir wollen keine Nullachtfünfzehn-Mehle. Das können große Betriebe besser und günstiger“, erklärte Anne Rolle-Baldauf, die den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Bruder Frank führt. Die Mühle verarbeitet nach eigenen Angaben rund 50 Tonnen Getreide am Tag zu Mehl.

Der Biolandwirt Axel Heinze aus Oschatz baut auf 5 bis 8 seiner insgesamt 30 Hektar Weizenanbaufläche Gelbweizen an. Diese alte Sorte enthält Carotinoide, die Backwaren auch ohne Eierzugabe eine gelbe Färbung verleihen. Zwar liegt der Ertrag unter dem von modernen Weizensorten. Dafür zahlt die Mühle einen Aufschlag. Das berichtet der Landwirt. Heinze sieht für die Zukunft Potenzial für alte Getreidesorten und verweist auf die Renaissance von Dinkel in den vergangenen Jahren.

2024 nutzten 15 Betriebe die Förderung

Das Land Sachsen fördert den Anbau alter und seltener Sorten seit 2023 mit einem jährlichen Zuschuss von 120 Euro je Hektar. Im Jahr 2023 nutzten 10 Betriebe mit einer Fläche von 431 Hektar diese Förderung, 2024 waren es 15 Betriebe mit 460 Hektar.

Zum Vergleich: Die gesamte Ackerfläche in Sachsen beträgt rund 700.000 Hektar. Die Förderung gilt auch für historische Kartoffelsorten wie Ackersegen und Bamberger Hörnchen sowie für Feldfrüchte wie Leindotter und Buchweizen. Das Agrarministerium will mit der Förderung nach eigenen Angaben genetische Ressourcen für künftige Generationen erhalten.

Brandenburger Verein testet 1.000 Getreidesorten

Der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg hat nach eigenen Angaben knapp 1.000 Getreidesorten getestet. Rund 100 historische Sorten stehen inzwischen als Saatgut für Landwirte zur Verfügung. „Unter bestimmten Standort- und Betriebsverhältnissen sind sie durchaus konkurrenzfähig“, erläuterte Vereinsvorstand Rudi Vögel. Der Verein arbeitet mit rund 150 Bauern in Deutschland und den Nachbarländern zusammen, die die jeweiligen Sorten pflegen und erhalten.

Alte Getreidesorten gedeihen auf kargen Böden

Alte Getreidesorten wie der mehrjährige Waldstaudenroggen gedeihen auch auf kargen Böden, wie sie im Erzgebirge vorkommen. Der Mildenauer Bäckermeister Markus Hertel hat daraus ein spezielles Vollkornbrötchen entwickelt, das im Wettbewerb „So schmeckt Kulturregion“ zum Kulturhauptstadtjahr 2025 überzeugte. „Eine jahrtausendealte Tradition, mehr Vielfalt auf den Feldern, ernährungsphysiologische Vorteile, der besondere Geschmack, Exklusivität, Naturbelassenheit, Resistenzen gegen Krankheiten und die nachhaltige Erzeugung“, nannte er als Gründe für die Verwendung alter Getreidesorten.

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