Brauereien Bier-Hamsterkäufe führen zu Leergut-Knappheit

Der bayerische Brauerbund rät von Bier-Hamsterkäufen ab. Der Grund ist die für Brauereien knapper werdende Kohlensäure. 

Dienstag, 20. September 2022 - Hersteller
Lebensmittel Praxis
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„Zum einen wird es im Winter genug Bier zumindest der Hauptsorten geben, zum anderen ist Hamstern für unsere Branche kontraproduktiv, weil uns dann das Leergut ausgeht“, sagte Bayerns Brauer-Präsident Georg Schneider der „Augsburger Allgemeinen“.

Laut Schneider leiden immer mehr Brauereien darunter, dass wegen des Erdgasmangels in der Produktionskette auch weniger Kohlensäure als Nebenprodukt der Ammoniakherstellung in Deutschland zur Verfügung stehe. „Erste Brauereien verzichten wegen zu geringer Kohlensäurelieferungen bereits auf die Herstellung bestimmter Spezialitäten-Biere und konzentrieren sich auf ihre Hauptprodukte“, sagte Schneider.

Händler böten derzeit nur etwa 30 Prozent der Kohlensäure an, die normalerweise zur Verfügung stehe. Die Kohlensäure sei besonders für den Abfüllvorgang wichtig, um aus leeren Flaschen den Sauerstoff zu verdrängen. Kohlensäure sei jedoch auch für andere Branchen ein begehrtes Gut: „Hier konkurrieren wir Brauer etwa mit Fleischbetrieben, welche die Substanz etwa bei verpackter Wurst brauchen“, sagte Schneider.

Als Reaktion auf den sich zuspitzenden Mangel an Kohlensäure will Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger Kohlenstoffdioxid aus Zementwerken als Rohstoffquelle für Brauereien nutzen. Es gebe auch in Bayern Werke, die bisher jährlich hunderttausende Tonnen CO2 über die Schornsteine als Abfallprodukte in die Luft abgäben, betonte der Freie-Wähler-Chef nach der gestrigen Kabinettssitzung in München.

Um die Möglichkeiten der CO2-Abscheidung zur weiteren Verwendung, wie in der Getränkeindustrie, auszuloten, steht Aiwanger dem Ministerium zufolge im engen Austausch mit bayerischen Zementwerken. Es gebe zudem Pilotprojekte, bei denen pro Tag rund zwei Tonnen Kohlendioxid abgeschieden und umgewandelt würden.

Weil die energieintensive Herstellung von Düngemitteln, bei der Kohlendioxid als Nebenprodukt entsteht, eingeschränkt wurde, hat das auch Folgen für die Verfügbarkeit von Kohlensäure: Nach Schätzungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie seien nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO2-Liefermengen verfügbar. Immer mehr Unternehmen der Getränkewirtschaft müssten daher ihre Produktion einschränken.

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