Die Offenheit europäischer Verbraucher gegenüber neuartigen Lebensmitteln steigt leicht an, verbleibt aber auf eher niedrigem Niveau. Das zeigt der dritte Teil der Trust-Report-Serie 2026 des EIT Food Consumer Observatory. Für die Studie wurden im Juli und August 2025 fast 20.000 Verbraucher in 18 europäischen Ländern befragt. Das Consumer Observatory wird von einem Konsortium mehrerer Organisationen getragen, zu dem unter anderem die dänische Universität Aarhus gehört und die englische Universität Reading gehören.
Vertrauen in Lebensmittelsystem entscheidend
Laut den Autoren stieg die generelle Offenheit gegenüber Lebensmittelinnovationen von 28 Prozent im Jahr 2024 auf 31 Prozent im Jahr 2025. Damit hat sich der Wert vom bisherigen Tiefstand leicht erholt, liegt aber weiter unter einem Drittel der Befragten.
Als zentralen Faktor identifiziert die Studie das Vertrauen in das Lebensmittelsystem. Unter Verbrauchern mit hohem Vertrauen sind 38 Prozent offen für neue Technologien, unter jenen mit geringem Vertrauen nur 6 Prozent. Auch bei Befragten mit einem starken Wunsch nach gesunder oder nachhaltiger Ernährung zeigt sich dieses Muster: Bei geringem Vertrauen in das Lebensmittelsystem sind nur 8 Prozent der gesundheitsorientierten und 10 Prozent der nachhaltigkeitsorientierten Befragten bereit, neue Technologien auszuprobieren. Liegt gleichzeitig ein hohes Vertrauen vor, steigen die Werte in denselben Gruppen auf 32 beziehungsweise 35 Prozent. Laut der Studie ist Vertrauen damit eine Voraussetzung dafür, dass sich der Wunsch nach gesünderer oder nachhaltiger Ernährung tatsächlich in der Akzeptanz neuer Produkte niederschlägt.
Deutlicher Generationenunterschied festgestellt
Ein deutlicher Generationenunterschied prägt die Ergebnisse zusätzlich. Jüngere Verbraucher (18 bis 34 Jahre) sind am offensten für Innovationen. In dieser Gruppe sind nur 28 Prozent neuen Lebensmitteln gegenüber nicht aufgeschlossen. In der Altersgruppe der über 55-Jährigen sind es 56 Prozent.
Während die allgemeine Offenheit zunahm, sank die Bereitschaft, konkrete neue Technologien tatsächlich auszuprobieren, im Vergleich zu 2024 in mehreren Kategorien. Am größten ist die Ablehnung von Insekten als Proteinquelle, bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln und 3D-gedruckten Lebensmitteln. Bei präzisionsfermentierten Milchprodukten und bei kultiviertem Fleisch ist die Bereitschaft zum Ausprobieren grundsätzlich höher. Jedoch stieg bei diesen Kategorien im Vergleich zu 2024 die Zurückhaltung von 33 auf 39 Prozent beziehungsweise von 45 auf 48 Prozent.
Studie: Bei Innovationen nicht auf technische Details setzen
Laut der Studie hängt die Akzeptanz stark davon ab, wie radikal eine Technologie im Vergleich zu bestehenden Ernährungsgewohnheiten wirkt. Produkten aus Algen und aus Indoor-Farmen wird vergleichsweise mehr Offenheit entgegengebracht, wobei auch gegenüber den weniger radikalen Technologien die Akzeptanzraten um 3 bis 5 Prozent sanken.
Das EIT Food Consumer Observatory empfiehlt Unternehmen und Kommunikatoren, technologische Innovationen stärker mit Geschmack, Gesundheit und Alltagsnutzen zu verknüpfen, statt vorrangig auf technische Details zu setzen. Für Politik und Regulierung sieht die Studie transparente Aufsicht und frühzeitige Kommunikation als wichtige Hebel, um insbesondere bei älteren und vorsichtigeren Verbrauchern Vertrauen aufzubauen.