Innenstädte stehen unter wachsendem Druck: Der verfügbare Raum wird knapper, zugleich steigen die Anforderungen an Mobilität, Aufenthaltsqualität und Nutzung. Vor diesem Hintergrund rückt die effizientere Organisation von Parkraum in den Fokus – ohne dabei die Erreichbarkeit von Innenstädten einzuschränken. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des IFH Köln in Zusammenarbeit mit Lödige Industries und dem Beratungsunternehmen Bable, für die 1.056 Menschen bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden. Lödige Industries ist ein Unternehmen für Logistiklösungen und bietet unter anderem Parklösungen an.
Preißner: Innenstädte stehen vor Zielkonflikt
Gute Erreichbarkeit bleibt dabei essenziell für funktionierende Innenstädte: 93 Prozent der Befragten nennen sie als Grundvoraussetzung für einen Besuch. Gleichzeitig würden rund zwei Drittel Innenstädte häufiger aufsuchen, wenn sich die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (68 Prozent) oder dem Auto (62 Prozent) verbessern würde.
„Innenstädte stehen vor einem Zielkonflikt: Zugang muss gesichert bleiben, während Flächen gleichzeitig neu verteilt werden sollen. Die Daten zeigen: Es geht nicht um ‚Auto oder Stadt‘, sondern um die Frage, wie Mobilität und Flächennutzung besser zusammengebracht werden können“, ordnet Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter am IFH Köln, die Studienergebnisse ein.
Parken wird zunehmend zur Herausforderung
Dass pauschale Ansätze wie ein „Auto raus“ zu kurz greifen, zeigt aus IFH-Sicht die Realität vieler Menschen: Das Auto bleibt ein zentraler Bestandteil ihres Mobilitätsalltags. Entsprechend ist es auch für den Besuch von Innenstädten das meistgenutzte Verkehrsmittel: 46 Prozent der Befragten fahren am häufigsten mit dem Auto in die City, weitere 13 Prozent kombinieren es mit anderen Verkehrsmitteln. An zweiter Stelle folgt der öffentliche Nahverkehr, den 30 Prozent primär nutzen. Insgesamt greifen acht von zehn Befragten zumindest gelegentlich auf das Auto zurück – ohne Pkw wird der Innenstadtbesuch für viele (67 Prozent) schwierig. Zugleich wird das Thema Parken zunehmend zur Herausforderung: Knapp die Hälfte (49 Prozent) empfindet die Parksituation in Großstädten als schwierig. In Metropolen wie Berlin, Hamburg, München oder Köln liegt der Anteil mit 61 Prozent deutlich höher.
Erwartungen an Qualität der Innenstädte steigen
Parkraum wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als sichtbarer Konkurrent um knappe Flächen im öffentlichen Raum. So nehmen 87 Prozent der Befragten Flächenkonflikte als allgegenwärtig wahr, 71 Prozent messen deren Lösung höchste Priorität bei. Besonders häufig werden Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln (64 Prozent) sowie zwischen Parkraum und Grünflächen (48 Prozent) genannt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Qualität der Innenstädte: 84 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Platz für Grün- und Verweilflächen, nahezu ebenso viele (81 Prozent) würden Innenstädte bei höherer Aufenthaltsqualität häufiger besuchen.
Wennekamp: Nutzwert muss sichtbar werden
Ein zentraler Hebel ist aus Sicht vieler Befragter die Neuorganisation des Parkens. 87 Prozent derjenigen, die regelmäßig mit dem Auto in die Innenstadt fahren, wären bereit, auf öffentliche Stellplätze zu verzichten – vorausgesetzt, es gibt gut erreichbare Alternativen wie Parkhäuser oder Tiefgaragen. Zudem erwarten sie faire Zugangsregelungen (86 Prozent) und eine sichtbare Aufwertung der frei werdenden Flächen, etwa durch Grün- und Aufenthaltsbereiche (78 Prozent). Insgesamt befürwortet eine klare Mehrheit (84 Prozent) eine Verkehrswende – allerdings nicht über Einschränkungen oder Verbote, sondern über integrierte Lösungen, die alle Verkehrsmittel einbeziehen.
„Wenn Parken kompakter organisiert wird, entsteht Raum für das, was Innenstädte wirklich attraktiv macht: Grün, Aufenthaltsqualität und neue Nutzungen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass weniger Parkplätze im öffentlichen Raum akzeptiert werden – vorausgesetzt, es gibt funktionierende Alternativen und der Mehrwert wird für die Menschen sichtbar. Genau hier liegt der Schlüssel für lebenswertere Innenstädte“, so Tobias Wennekamp, Chief Product Officer bei Lödige Industries.
Studie untersucht Erwartungen und Wahrnehmungen
Die Studie „Urban Futures in Transition. Rethinking Mobility, Space and Access in European Cities“ des IFH Köln in Zusammenarbeit mit Lödige Industries und Bable untersucht die Erwartungen und Wahrnehmungen der Bevölkerung in Deutschland hinsichtlich Mobilität, Erreichbarkeit und Flächennutzung in Innenstädten. Im Fokus steht die Frage, wie sich steigende Anforderungen an Aufenthaltsqualität mit den bestehenden Mobilitätsbedürfnissen vereinbaren lassen und welche Rolle dabei die Organisation von Parkraum spielt.
Für die Studie wurden 1.056 Personen in Deutschland im Alter von 18 bis 75 Jahren bevölkerungsrepräsentativ befragt. Die Erhebung erfolgte vom 31. März bis zum 2. April 2026 als Onlinebefragung über ein Online-Access-Panel durch das IFH Köln. Die Stichprobe ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung nach Alter, Geschlecht und Bundesland.