Die Gesamtumsätze im Onlinehandel wuchsen im 2. Quartal um 5,1 Prozent und setzten damit die moderate Erholung im Markt fort. Im gesamten ersten Halbjahr erhöhten sich die Umsätze im Onlinehandel um 4,3 Prozent. Das sind neue Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH).
Versandapotheken mit kräftigem Plus
„E-Commerce ist zur wichtigsten Stütze des deutschen Handels in diesem äußerst schwachen Konsumumfeld geworden“, kommentiert Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. „Ob reine Onlinehändler, Multichannel-Anbieter oder Händler auf Marktplätzen: Alle konnten im zweiten Quartal an diesem Wachstum teilhaben. Im Detail zeigt sich aber, dass Plattformen und insbesondere Anbieter aus dem asiatischen Raum immer mehr Marktanteile auf sich vereinen.“
Stärkste Wachstumstreiber im Vergleich der Branchen waren Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs (plus 10,1 Prozent), vor allem Drogeriehändler (plus 11,7 Prozent) sowie saisonal laufende Warengruppen wie DIY & Blumen (plus 10,9 Prozent), Hobby- & Freizeitartikel (plus 7,5 Prozent) und Auto- & Motorradzubehör (plus 7,6 Prozent). Versandapotheken konnten das kräftigste Umsatzwachstum mit Medikamenten seit Einführung des E-Rezepts verbuchen (plus 13,9 Prozent).
Shops des stationären Handels hinken hinterher
Wichtige Impulse kamen vom besonders wichtigen Modehandel, der sein Umsatzplus online auf 4,4 Prozent steigern konnte, nach 3,6 Prozent im 1. Quartal. Weit hinter dem Markt zurück liegen hingegen die Cluster Unterhaltung und Einrichtung (jeweils plus 2,7 Prozent). Vor allem Möbel, Lampen & Dekorationen (minus 2,1 Prozent) blieben in den Lagern liegen. Dank eines stärkeren ersten Quartals liegt diese Warenkategorie zum Halbjahr nominal, also nicht inflationsbereinigt, noch leicht im Plus.
Profitieren von der Kauflaune konnten erneut Online-Marktplätze (plus 6,4 Prozent), die zur Jahresmitte 11,5 Milliarden Euro umsetzten, und Herstellerversender (plus 6,3 Prozent). Klassische Onlineshops (plus 3,8 Prozent) und Multichannel-Händler mit Ursprung im stationären Handel (plus 2,5 Prozent) legten zwar weiter zu, laufen den Entwicklungen im Markt jedoch weiter hinterher.
Pauschalzoll mit wenig Wirkung
Der Anteil der größten asiatischen Plattformen an den Umsätzen im gesamten E-Commerce wächst weiter und liegt zur Jahresmitte bei 5,3 Prozent. Damit entfällt bereits jeder 20. Euro im Onlinehandel auf Temu, Shein, AliExpress oder weitere Anbieter aus Asien. Spürbar ist die wachsende Dominanz vor allem im Online-Modehandel, in dem asiatische Plattformen inzwischen mehr als 16 Prozent aller Bestellungen auf sich vereinen. Der Umsatzzuwachs der Anbieter aus Asien übertrifft mit mehr als 20 Prozent das Marktwachstum bei Weitem.
Vom neuen 3-Euro-Pauschalzoll, der ab dem 1. Juli für jede unterschiedliche Warengruppe (Zolltarifposition) in Sendungen unter 150 Euro erhoben wird, die aus Drittstaaten an Endverbraucher versandt werden, erwartet der BEVH unterdessen wenig Wirkung. „Billigimporten aus Asien wird die Abgabe wenig anhaben. Die Anbieter haben bereits begonnen, eigene Logistikstrukturen innerhalb Europas aufzubauen. Das bedeutet, dass Waren nicht mehr ungeordnet in kaum zu kontrollierenden Einzelpaketen zu uns gelangen, sondern als Container, und dann innereuropäisch versendet werden“, konstatiert Alien Mulyk, seit 1. Juli neue Hauptgeschäftsführerin des bevh.
KI-Thema gewinnt an Bedeutung
KI-Anwendungen wurden von fast 6 Prozent der Onlinekäufer von Waren im Rahmen der Informationssuche vor dem Kauf genutzt. In den jüngeren Altersgruppen von 14 bis 29 und 30 bis 39 Jahren nutzte schon mehr als jeder zehnte Besteller die Unterstützung durch ChatGPT, Gemini oder andere. In einer Sonderbefragung von 2.500 Onlinekunden im zweiten Quartal gab fast jeder Dritte (31,2 Prozent) an, schon einmal Chatbots nach Produktempfehlungen gefragt zu haben. Etwas mehr als die Hälfte hatte damit noch keine Berührung. Nur 12,7 Prozent stimmten allerdings der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, einer Produktempfehlung durch einen Bot ohne zusätzliche Produktsuche direkt zu folgen. Einem KI-Agenten Zugang zu Bezahldaten zu geben, ist für mehr als zwei Drittel der Befragten (68,6 Prozent) derzeit völlig undenkbar. Nur eine Minderheit von 9 Prozent wäre zum heutigen Zeitpunkt bereit, KI-Agenten den autonomen Einkauf zu erlauben.
In der wöchentlichen Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ werden von Januar bis Dezember insgesamt 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen (zum Beispiel Reisen oder Ticketing) befragt. Die Endergebnisse der Studie werden am Anfang jedes Jahres veröffentlicht. Die nun vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung des Zeitraums vom 1. April bis 30. Juni 2026.