Autonome Lebensmittellogistik Rewe testet neue Lieferroboter in Hamburg-Barmbek

Der Lebensmittelhändler Rewe setzt in Hamburg-Barmbek auf autonome Lieferroboter für Bestellungen im Zwei-Kilometer-Radius. Die batteriebetriebenen Fahrzeuge bringen Lebensmittel innerhalb einer Stunde zum Kunden. Die neue Version der Roboter basiert auf Erfahrungen aus einem früheren Test in Hamburg-Eimsbüttel.

Donnerstag, 16. Oktober 2025, 15:33 Uhr
Manuel Glasfort
Dana Eisler von Rewe Digital erläutert die Funktion der neuen Lieferroboter in Hamburg-Barmbek. Bildquelle: Manuel Glasfort

Der Lebensmittelhändler Rewe hat in Hamburg einen neuen Test mit autonomen Lieferrobotern gestartet. Die Roboter liefern Lebensmittel aus einer Filiale im Stadtteil Barmbek an Kunden in einem Umkreis von zwei Kilometern. Die Testphase begann bereits am Montag. Bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag zogen die Verantwortlichen ein positives erstes Fazit: Das Angebot werde gut angenommen, ohne dass man es bisher überhaupt beworben habe, hieß es. 

Die batteriebetriebenen Roboter fahren mit einer Geschwindigkeit von maximal sechs Kilometern pro Stunde über Gehwege. Sie bringen die Waren innerhalb einer Stunde oder zu einem Wunschtermin zum Kunden. Die Kunden können die Lieferung über eine App bestellen. Was dann passiert, demonstrierte Dana Eisler von Rewe Digital. Nach der Befüllung in der Filiale macht sich der kleine Roboter über die Bürgersteigen auf den Weg zum Kunden.

Klappe auf, Ware raus, Klappe zu

Vor der Haustür des Kunden angekommen verkündet der Roboter über einen Lautsprecher „Ihre Ware ist da“. Der Kunde erhält einen Code, mit dem er den Laderaum öffnen kann, um seinen Einkauf auszuräumen. Anschließend klappt der Kunde den Deckel zu. Noch ein Klick in der App, und der Roboter macht sich auf den Rückweg – natürlich nicht, ohne sich mit den Worten „Vielen Dank und auf Wiedersehen“ zu verabschieden.

Die Roboter wiegen 35 Kilogramm und haben ein Fassungsvermögen von 32 Litern. Sie können nach Unternehmensangaben mit einer Batterieladung 18 Stunden fahren. Kameras und künstliche Intelligenz sorgen dafür, dass die Roboter Hindernissen ausweichen. Die Kunden können aus dem regulären Abholsortiment der Filiale wählen. Ausgenommen sind Getränkekisten, Tiefkühlprodukte sowie Fleisch- und Fischwaren aus der Servicetheke. Die Roboter sind montags bis samstags zwischen 8 und 21 Uhr im Einsatz. Auch an die Altersverifizierung beispielsweise bei alkoholischen Getränken wurde gedacht.

Starship liefert Technik für neue Roboter-Generation

Rewe hatte die autonomen Lieferroboter bereits 2023 in Hamburg-Eimsbüttel getestet. Die neuen Roboter sind nach Angaben des Unternehmens eine Weiterentwicklung. Die Technik stammt von dem Unternehmen Starship, das sich auf selbstfahrende Lieferroboter spezialisiert hat. Die Roboter sind vom Tüv zertifiziert.

Andreas Persigehl, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rewe Region Nord, sagte bei der Vorstellung des Projekts gegenüber der Lebensmittel Praxis: „Für uns ist klar, dass das digitale Geschäft deutliches Potenzial hat.“ Das beobachte man beim Rewe-Lieferservice und auch bei den Pick-&-Go-Märkten. Der Grundgedanke hinter Projekten im digitalen Bereich sei es, dass stationäre Geschäft für die Zukunft abzusichern. Die Filialmitarbeiter reagierten daher auch positiv auf das Roboter-Projekt. „Wir sichern damit Arbeitsplätze vor Ort.“

Rewe merke auch bei Projekten in den Auslandsmärkten, dass das digitale Geschäft Wertschöpfungspotenzial biete. Das Kostspielige am Liefergeschäft sei „die letzte Meile“, unterstrich Persigehl. „Und ich glaube, dass durch autonome Systeme ein ganz neuer Ansatz entstehen kann.“ 

Ausweitung auf andere Standorte noch offen

Ob Rewe die Roboter-Lieferung auf andere Standorte in Deutschland ausweitet, ist derzeit noch offen. Das hänge ab vom Verlauf des Tests, sagte Persigehl. Man gehe mit vielen offenen Fragestellungen in den Test. „Am Ende des Tages muss das kommerziell auch funktionieren.“

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