Die Diskussion um die massiven Preissenkungen im Lebensmitteleinzelhandel geht weiter. Auf Anfrage der Lebensmittel Praxis nahm nun Lidl zu dem Vorwurf Stellung, das Unternehmen habe zwar dauerhafte Preissenkungen für mehr als 500 Einzelartikel quer durch das Sortiment angekündigt, sei aber nur bei wenigen Artikeln tatsächlich konkret geworden. Ein Brancheninsider (Name ist der Redaktion bekannt) konnte lediglich rund 40 Produkte ausmachen, bei denen eine dauerhafte Preissenkung bereits sichtbar sei. Er spricht von Verbrauchertäuschung.
Lidl: Kunden erkennen neue Preise direkt am Regal
Ein Lidl-Sprecher weist das auf Anfrage zurück: „Unsere Kunden erkennen die günstigeren Preise direkt am Regal. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Wettbewerbsgründen derzeit keine detaillierte Liste veröffentlichen möchten.“
Der Sprecher führt jedoch Beispiele für Preissenkungen an:
- 10 Rostbratwürstchen, 1kg, neu 5,59 Euro statt 5,99 Euro (minus 6,7 Prozent)
- Vemondo Bio Schoko Hafer Drink, 1 Liter, neu 1,15 Euro statt 1,25 Euro (minus 8 Prozent)
- Primitivo di Manduria DOC, 0,75 Liter, neu 4,99 Euro (Grundpreis: 6,65 Euro / Liter) statt 5,99 Euro (minus 16 Prozent)
- Handseife Premium, 500 Milliliter, neu 2,39 Euro (Grundpreis: 4,78 Euro / Liter) statt 2,69 Euro (minus 11 Prozent).
Preissenkungen unter anderem auch bei Rewe und Penny
Unterdessen bestätigt ein Edeka-Sprecher gegenüber der Lebensmittel Praxis, dass Edeka und Netto Marken-Discount die aktuellen Preissenkungen mitgehen: „Wir werden die Verkaufspreise bei allen ähnlichen Artikeln unserer Eigenmarken in gleichem Umfang senken. Das geht auch zulasten unserer eigenen Handelsmarge.“ Der Sprecher weiter: „Es ist unser Anspruch, das beste Preis-Leistungsverhältnis im Marktumfeld zu bieten.“
Auch Rewe und Penny lassen die Preise purzeln. Das gelte bei vergleichbaren Artikeln über alle Warengruppen hinweg, heißt es. Schließlich werde der Anspruch verfolgt, das Tiefpreis-Versprechen einzuhalten.
Völkel: Lebensmittelpreise kräftig gestiegen
Zu den massiven Preissenkungen äußert sich gegenüber der Lebensmittel Praxis auch Lisa Völkel, Expertin für Lebensmittelpreise im Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie formuliert: „Sollten Discounter ihre Preise wirklich dauerhaft reduzieren, begrüßen wir diesen Schritt. Die hohen Lebensmittelpreise erschweren es Verbrauchern, sich gesund und ausgewogen zu ernähren.“ Seit 2020 seien die Lebensmittelpreise um mehr als 36 Prozent gestiegen, so Völkel. Für eine gesunde Ernährung sei es wichtig, dass vor allem die Preise von Grundnahrungsmitteln und frischen Produkten fielen.
Verbraucherschützer fordern Preis- und Kostenbeobachtungsstelle
Die Expertin ist überzeugt: Ob die angekündigten Preissenkungen wirklich dauerhaft durchgesetzt würden oder nur eine Werbemaßnahme seien, lasse sich nur mit einer Preis- und Kostenbeobachtungsstelle ermitteln. Damit könnten sowohl Kosten als auch Preise über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. In Ländern wie Spanien oder Frankreich seien solche Stellen bereits etabliert, betont Völkel. Versteckte Preiserhöhungen durch Mogelpackungen sollten zudem mit einem klaren Hinweis versehen werden, fügt sie hinzu.
