Tarifkonflikt HDE stoppt Tarifverhandlungen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht auf Arbeitgeberseite keinen Sinn mehr in der Fortsetzung der Tarifgespräche mit der Gewerkschaft Verdi. Der HDE fordert deshalb schnellstmöglich ein Spitzengespräch mit Verdi auf Bundesebene, um die „Verweigerungshaltung“ der Gewerkschaft zu durchbrechen.

Montag, 06. November 2023 - Handel
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Insgesamt fanden im letzten halben Jahr 60 Verhandlungstermine statt, in denen der HDE sein Angebot vom Verhandlungsauftakt mehrfach nachgebessert habe. Dieses Angebot sieht bei einer Laufzeit von 24 Monaten eine Erhöhung der Tarifentgelte um mindestens zehn Prozent in zwei Stufen sowie zusätzlich eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von insgesamt 750 Euro vor. „Mit diesem nochmals verbesserten Angebot der Arbeitgeber ist nunmehr die Schmerzgrenze in der Branche maximal ausgereizt“, so HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke.

Verdi hatte die vom HDE vorgeschlagene Entgelterhöhung als zu niedrig zurückgewiesen. „Das sind für eine Verkäuferin 92 Cent die Stunde, und das bedeutet Reallohnverlust. Die Beschäftigten beziehen ohnehin schon sehr niedrige Löhne, und die Inflation der letzten Monate frisst die Löhne zusätzlich auf“, teilte Gewerkschaftschef Frank Werneke Mitte September mit.

Zuvor hatten die Handelsverbände ihren tarifgebundenen Mitgliedern sogar empfohlen, die Tarifentgelte im Wege einer „freiwilligen Vorweganhebung“ um 5,3 Prozent zu erhöhen. Unter anderem die Rewe-Gruppe und einige andere Handelsunternehmen folgten dieser Empfehlung. „Da die Gewerkschaft Verdi aber bislang in keinem einzigen Tarifgebiet ernsthaft mit uns verhandelt hat und auch bis heute keinen einzigen eigenen Lösungsvorschlag vorgebracht hat, müssen wir jetzt Konsequenzen ziehen“, so Haarke weiter. Der HDE fordert deshalb umgehend ein Spitzengespräch mit dem Verdi-Bundesfachbereich Handel auf Bundesebene ein. Ziel des Treffens sei es, sich auf ein neues, effektives Verhandlungsformat zu verständigen. Bis dahin sehen die Handelsverbände keinen Sinn in weiteren Verhandlungsterminen auf Landesebene.

Sollte in diesem neuen Format keine zeitnahe Lösung des Tarifkonflikts gelingen, werden die Arbeitgeber bei einer möglichen Fortsetzung der Verhandlungen in 2024 ihr letztes Angebot nicht weiter aufrechterhalten.

„Diese von einer beispiellosen Verweigerungshaltung der Gewerkschaft geprägte Tarifrunde zwingt uns als Arbeitgeber leider dazu, auch sehr ernsthaft über Veränderungen der bisherigen Struktur zur Verhandlung des Flächentarifvertrages nachzudenken“, so Haarke. Mit ihrer monatelangen Blockadehaltung gegen konstruktive Verhandlungen habe die Gewerkschaft sich und vor allem ihren Mitgliedern einen Bärendienst erwiesen, heißt es in einer Pressemitteilung des HDE. Jetzt komme es darauf an, in den nächsten Wochen zügig zu einer für die Branche noch tragfähigen Lösung zu kommen.

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