Ausland aktuell Russisches Roulette

Immer mehr deutsche Unternehmen ziehen sich aus Russland zurück, Metro und Globus lassen ihre Geschäfte jedoch geöffnet – ob dies eine Dauerlösung ist, muss sich erst zeigen.

Freitag, 25. März 2022 - Handel
Markus Heine
Artikelbild Russisches Roulette
Bildquelle: Getty Images

Der Großhandelskonzern Metro lässt seine 93 Geschäfte in Russland weiterhin geöffnet. Diese Entscheidung sei nicht einfach gewesen, teilt das Unternehmen mit, man sehe sich aber in der Verantwortung für 10.000 Kollegen in Russland und die vielen Menschen, die Lebensmittel bei Metro einkauften.

Die Lebensmittel Praxis fragte nach, ob man mit dem Verbleib einen Imageschaden befürchte. „Die Entscheidung von Unternehmen, in Russland zu bleiben oder nicht, wird vor dem Hintergrund der hochemotionalen Kriegslage in der Ukraine kontrovers diskutiert“, erklärt Metro. „So erleben wir es auch. Es gibt Befürworter ebenso wie Kritiker dieser Entscheidung.“

Die größte Sorge seien momentan jedoch die 3.400 Mitarbeiter in der Ukraine. Metro versuche mit allen Mitteln, das Geschäft in der Ukraine aufrechtzuerhalten, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Jeden Tag bewerte das lokale Management die Sicherheitslage neu, und in der Regel seien rund 20 der insgesamt 26 Geschäfte von Metro Ukraine geöffnet. Die Sicherheit der Mitarbeiter habe dabei höchste Priorität.

Auch Globus solidarisch
Die Handelskette Globus bleibt in Russland ebenfalls mit ihren 19 Hypermärkten aktiv und betont die Verantwortung gegenüber 9.900 Mitarbeitern vor Ort. Matthias Bruch, Sprecher der Geschäftsführung, sagte der LP: „Wir befinden uns täglich mit unseren russischen Kollegen im Austausch zur aktuellen Situation und möchten sie nicht verantwortlich für politische Entscheidungen machen, denn wir nehmen auch bei ihnen einen ausgeprägten Wunsch nach Frieden wahr. Gleichzeitig leiden sie unter großen Zukunftsängsten, denn sie sind nicht nur direkt von den Sanktionen betroffen, sondern auch von den schwierigen Umständen vor Ort.“

Als Lebensmittelhändler sehe sich Globus zudem in einer besonderen Verantwortung gegenüber russischen Kunden. „Wir sind mitverantwortlich für die Grundversorgung der Menschen und möchten weiterhin einen fairen und sicheren Zugang zu Lebensmitteln sicherstellen“, erklärt Matthias Bruch. „Selbstverständlich verurteilen wir den Krieg und arbeiten mit Hilfsorganisationen zusammen und unterstützen die Menschen an den Grenzen und in der Ukraine selbst.“

Einen neuen Punkt in der Diskussion eröffnet ein Gesetzentwurf der russischen Regierung zur möglichen Fremdverwaltung ausländischer Unternehmen, die ihre Geschäfte in Russland einstellen. Metro sagte der LP dazu, dass man die Entscheidung für den Verbleib in Russland getroffen habe, bevor die Diskussion darüber begonnen habe. Man beobachte die weitere Debatte.
Ost-Ausschuss-Vorsitzender Oliver Hermes fordert die russische Regierung auf, das Gesetz zu überdenken, da es die Existenz von Unternehmen und Tausende Arbeitsplätze gefährde. Mit Besorgnis sieht Hermes zudem den wachsenden öffentlichen Druck in Deutschland auf Unternehmen, die ihr Russlandgeschäft fortführen. Dabei seien nicht sanktionierte Geschäftsbeziehungen legitim. Neben der Verantwortung gegenüber der Belegschaft gäbe es dafür oft triftige Gründe, zum Beispiel die Aufrechterhaltung der Versorgung mit Lebensmitteln. „Ein kompletter Abbruch aller Wirtschaftsbeziehungen würde jedes Fundament für einen möglichen Neuanfang in der Zukunft zerstören.“

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