Anzeige

Fleischmarkt Richtung Deutschland

Christina Steinheuer | 24. August 2010

Der Fleischmarkt in der Schweiz ist gesättigt, Wachstum für die Industrie dort kaum mehr möglich. Die Eidgenossen fahren eine Exportstrategie.

Anzeige

Die Schweizer Fleisch- und Fleischwarenhersteller müssen neue Märkte erschließen, denn im abgeschotteten Heimatmarkt ist Wachstum für viele nicht mehr realisierbar. Schon bald könnte ein Freihandelsabkommen mit der EU Realität werden. Dann will die Branche vorbereitet sein. Schon jetzt beliefert etwa die Orior-Gruppe (Marken wie Albert Spiess, Rapelli) den deutschen LEH (z.B. Dohle, Edeka Südwest, Globus). „Potenzial sehe ich aber nicht nur für die Klassiker wie Bündnerfleisch, sondern auch für Antipasti und vegetarische Produkte“, sagt Bruno Höltschi, Head of International & New Business der Orior-Gruppe. In den Export (Fokus Südwestdeutschland) gehe man mit den High-End-Produkten, die einen USP hätten und „Swissness“ verkörpern. Dass Listungen nicht alles sind, und der zweistufige Handel in Deutschland anders funktioniert als der einstufige in der Schweiz, habe man gelernt. Kernzielgruppe, so Johannes Heinzelmann, Verwaltungsrats-Präsident der Branchenorganisation Proviande, seien deshalb selbstständige Händler. Deren Tun und Lassen habe für den deutschen LEH Signalcharakter. „Da wollen wir Pflöcke einschlagen.“ Als Marken- und Eigenmarken-Lieferant für den Handel setzt man bei Micarna u.a. darauf, gemeinsam mit dem LEH an Produkten und Innovationen zu arbeiten.

Bei den Eidgenossen kommen Produkte aus dem eigenen Land und das Marketing für sie (z.B. eigene Labels) bestens an. Während der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch 2009 um 1,8 auf 52,3 kg gesunken ist, legte der Anteil an Schweizer Fleisch deutlich zu. Die Kampagne zu der Marke „Schweizer Fleisch“ mit dem Claim „Alles andere ist Beilage“ war im Inland sehr erfolgreich. Der Markenkern (ehrlich, natürlich, swiss) soll nun die deutschen Verbraucher überzeugen. Erreichen will die Branche, dass Schweizer Fleisch in Deutschland in einigen Jahren den gleichen guten Ruf genießt wie Käse, Schokolade und Uhren aus der Schweiz.

Die Schweizer Fleischbranche

  • 60.000 Betriebe (50.000 mit Nutztierhaltung); 70 % im Haupterwerb
  • 98 % erfüllen ökologischen Leistungsnachweis; 6.000 Bio-Betriebe
  • hohe rechtliche Vorgaben (u.a. Tierschutz, Lebensmittelsicherheit)
  • freiwillige Programme    / Labels (u.a. für Tierwohl, nachhaltig, bio)
  • Qualitätsstrategie (u.a. lückenlose Rückverfolgbarkeit, Swissness, Herkunftsnachweis, ohne Gentechnik, zentr. Tierverkehrsdatenbank)
  • Spezialitäten mit USP (z.B. Cervelat, Salsiz, Bündnerfleisch)
  • PR/Kampagne „Schweizer Fleisch. Alles andere ist Beilage.“

www.swiss-meat.com sowie www.schweizerfleisch.ch

Proviande


Die Branchenorganisation
der Schweizer Fleischwirtschaft ist eine Genossenschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette (vom Produzenten, über Schlachter/Zerleger bis zum Einzelhandel).
Die Aufgaben: Überwachung öffentlicher Märkte, Preisberichterstattung, Marktprojekte und Handelsusancen, Dienstleistungen (z.B. Statistiken, Schlachtviehabrechnungen), Marketingkommunikation, Absatzförderung etc.
Die Mitglieder, die den deutschen LEH im Visier haben, sind u.a. Bell, Bigler, Ernst Sutter, Grischuna, Lötterle Tösstaler Schinkenräucherei, Micarna, Orior-Gruppe (mit Albert Spiess, Rapelli), Traitafina.

Bildergalerie

  • Auf EU-Kurs die Schweizer Fleischbranche
  • Den deutschen LEH im Visier (v.l.): Bruno Höltschi (Orior), Patrick Wilhem (Micarna), Johannes Heinzelmann, Verwaltungsratschef von Proviande.