Zukauf Was sich Heidemark von Gut Bergmark verspricht

Hintergrund

Heidemark, einer der führenden Vermarkter von Putenfleisch, kauft Gut Bergmark. Mit der Übernahme will Heidemark sein Geschäftsfeld um die Aufzucht und Verarbeitung von Hähnchen erweitern.

Freitag, 23. Mai 2025, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Heidemark ist stark im Geschäft mit Puten – jetzt sollen auch Hähnchen folgen. Bildquelle: Heidemark

Der Putenfleischvermarkter Heidemark übernimmt Gut Bergmark Premium Geflügel. Das Kartellamt hat die Übernahme zwischenzeitlich bereits genehmigt. „Gut Bergmark ist für uns eine perfekte Ergänzung – das passt gut in unsere Strategie und rundet unser Portfolio sinnvoll ab“, sagt Andres Ruff, Vorsitzender der Heidemark-Geschäftsführung, im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis.

Gut Bergmark ist sowohl im Hähnchen- als auch im Putenmarkt aktiv. „Mit diesem Schritt wollen wir in den Hähnchenmarkt einsteigen, um unsere starke Position im Putenmarkt auszubauen, denn dieser Markt ist interessant, wächst und liegt geografisch in unserer Nähe“, so Ruff. Anders als Heidemark beliefert die neue Tochter nicht den Lebensmitteleinzelhandel, sondern den Fachgroßhandel. „Aus meiner Sicht passt der Zukauf perfekt, weil wir uns hervorra­gend ergänzen und neue Kundenpotenziale erschließen können – sowohl im Puten- als auch im Hähnchenbereich.“ Das Unternehmen Gut Bergmark wird als hundertprozentige Tochter von Heidemark ins Unternehmen integriert. Auch die beiden bisherigen Gesellschafter und Geschäftsführer von Gut Bergmark, Dirk Heidler und Martin Willenborg, bleiben an Bord. „Gut Bergmark wird seine Geschäfte wie gewohnt weiterführen, denn es ist bereits sehr erfolgreich am Markt“, sagt Ruff.

Direkter Einstieg bei Hähnchen

Mit der Übernahme steigt Heidemark direkt in die Hähnchenverarbeitung ein. Hier will sich der Geflügelriese auch als Lohnschlachter anbieten. „Mit der Übernahme eines Hähnchenschlachtbetriebes sammeln wir die notwendigen Erfahrungen, um künftig weitere Schritte im 
Hähnchenmarkt zu gehen“, so Ruff. Für das Unternehmen ist es wichtig, weiterhin Puten zu halten und diesen Bereich auszubauen. „Wir wollen auf keinen Fall den Hähnchenmarkt auf Kosten der Puten ausbauen, sondern beides parallel entwickeln, um Wachstum zu generieren.“

Ab 2026 sollen am Heidemark-Standort Ahlhorn auch Masthähnchen geschlachtet werden. „Die größte Dynamik sehen wir im Hähnchenmarkt. Bei Puten sind wir bereits Marktführer und werden diese Position weiter ausbauen. Gleichzeitig macht es Sinn, auch in den Hähnchenmarkt einzusteigen, der so nah an unserem Kerngeschäft liegt.“

Die Übernahme fällt in eine Zeit, in der der Markt für Hähnchenfleisch stetig wächst. Hähnchenfleisch gilt ebenso wie Putenfleisch als gesund. Laut Statistischem Bundesamt stieg die produzierte Menge an Geflügelfleisch im Jahr 2024 gegenüber 2023 um 0,3 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen. Der Anstieg ist allein auf die um 1,8 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen gestiegene Produktion von Jungmasthühnerfleisch zurückzuführen. Die Erzeugung von Putenfleisch ging dagegen um 2,1 Prozent auf 408.100 Tonnen zurück.

Im Januar 2025 erhielt Heidemark die Genehmigung, sowohl Puten als auch Hähnchen schlachten zu dürfen, was dem Unternehmen eine hohe Flexibilität in der Produktion ermöglicht. „Diese Entwicklung ist für uns sehr vorteilhaft, da wir je nach Marktlage agieren können. Es hat zwei Jahre gedauert, bis wir die Genehmigung bekommen haben, jetzt gehen wir in die konkrete Planung und müssen die Baupläne erstellen und den Bauantrag einreichen“, sagt Ruff. Derzeit baut das Unternehmen eine neue Kommissionierung auf. Dafür wird bis Mitte nächsten Jahres eine neue Halle gebaut, in die das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. „Wir investieren kräftig in den Versand, wovon auch der Hähnchenbereich profitieren wird. Wir versprechen uns davon eine Effizienzsteigerung und eine höhere Liefersicherheit für unsere Kunden.“

Neue Putenmäster gesucht

Für das Kerngeschäft Pute sucht Heidemark aktiv neue Mäster, vor allem für die Haltungsform 3. „Der Markt ist nach wie vor angespannt, aber die Pute bietet attraktive Möglichkeiten für Mäster. Gerade wenn man die verschiedenen Haltungsformen und die Unsicherheiten der Zukunft betrachtet, ist die Pute in Haltungsform 3 ideal“, so Ruff. Der Ausbau scheitert jedoch häufig an fehlenden Genehmigungen für Stall-umbauten bei den Mästern. „Die Vereinheit­lichung des Baurechts ist sicher ein wichtiges Thema“, sagt Ruff. Die Landwirte brauchen seiner Meinung nach mehr Flexibilität bei den Haltungsformen. Wenn ein Landwirt zum Beispiel einen Wintergarten baue und auf eine höhere Haltungsform umstelle, der Markt aber nicht schnell genug mitmache, müsse er die Möglichkeit haben, wieder zurückzurudern. Diese Flexibilität müsse erhalten bleiben, um Planungssicherheit für die Landwirte zu gewährleisten, forderte Ruff.

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