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Sinnack Spontan wie das Leben

Susanne Klopsch | 12. August 2016

Brot und Brötchen zum Aufbacken profitieren vom Convenience-Trend. Bei Sinnack Backspezialitäten muss jetzt sogar angebaut werden. Vor allem Dinkel-Produkte sind gefragt.

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Verpackung auf, Produkt entnehmen, rein in den heißen Ofen damit – und gut 10 Minuten später stehen frische, duftende Brötchen, Baguettes oder Ciabatta auf dem Tisch: Der Kunde liebt es praktisch, neudeutsch convenient. Zu diesem Lebensgefühl passen die Aufbackprodukte von Sinnack Backspezialitäten in Bocholt. Das schlägt sich auch im steigenden Umsatz nieder. Das mehr als 110 Jahre alte Familienunternehmen setzte im vergangenen Jahr etwa 198 Mio. Euro um, in diesem Jahr „planen wir mit etwas mehr als 200 Mio. Euro“, sagt Lena Sinnack, Mitglied der Geschäftsführung beim Handelsmarkenspezialisten.

„Weizenwampe“, „dumm wie Brot“: In den vergangenen Monaten haben Brot oder Brötchen allerdings nicht immer die beste Presse gehabt. Diverse Enthüllungsbücher ramponierten den Ruf des täglichen Brots. Bei Sinnack nimmt man dies gelassen – und profitiert unterm Strich sogar von der Diskussion. „Neben Weizen- und Mehrkornprodukten greifen die Konsumenten nun zu Dinkel“, sagt Verkaufsleiterin Liesel Schlüter, „auch wenn vielen gar nicht bewusst ist, dass Dinkel eigentlich eine Weizenart ist.“ Seit Einführung der Steinofen-Range 2012 und der Dinkel-Variante im Jahr 2014 stiegen die Absätze kontinuierlich, das Unternehmen stieß an seine Kapazitätsgrenzen. Um dieser Nachfrage nachzukommen, investierten die Bocholter im Werk in Gutenborn-Droßdorf (Sachsen-Anhalt) ca. 6 Mio. Euro in eine neue Steinofenlinie, auf der auch die Dinkel-Produkte gebacken werden. Das Mehl stammt von Vertragsbauern aus der Umgebung, wird nah am Werk vermahlen, um die Wege kurz zu halten. Mit der Entwicklung der Range sind die Bocholter nach eigenen Angaben mehr als zufrieden.

Fast 500 Mio. Euro setzt der Lebensmittel-Einzelhandel pro Jahr mit Aufbackprodukten aus dem SB-Regal um – Tendenz steigend. Der Einzug der Backstationen und deren zunehmendes Sortiment haben dieses Geschäft nicht negativ tangiert. „Die Aufbackware passt perfekt zu den veränderten Verzehrgewohnheiten“, sagt Schlüter. Die Menschen werden (notgedrungen) immer mobiler, müssen sich flexibleren Arbeitszeiten anpassen, die Haushalte werden kleiner: All das rücke die Vorteile der leicht zu bevorratenden, individuell portionierbaren und schnell zuzubereitenden Aufbackartikel in den Fokus der Verbraucher.


Und nicht nur die Aufbackartikel, wie Lena Sinnack betont. Tortilla-Wraps oder auch Toastbrötchen entwickelten sich sehr gut, unterstreicht die Tochter des Inhabers und Geschäftsführers Julius Peter Sinnack: Vor allem jüngere Leute griffen zu, schließlich ließe sich ohne viel Aufwand rasch eine Mahlzeit zubereiten. Die Toastbrötchen eigneten sich zudem bestens als Burger-Brötchen. „Die Spontaneität der Kunden hilft uns“, sagt Sinnack. Noch ist eine Rezeptdatenbank für solche schnell zuzubereitenden Gerichte ein Gedankenspiel – doch eins, dessen Umsetzung Lena Sinnack Spaß machen würde.

Fakten zum Unternehmen

Sinnack Backspezialitäten produziert in Deutschland an den Standorten Bocholt und Droßdorf Aufbackwaren (Baguettes und Brötchen als Trockenware, gekühlt und tiefgekühlt) sowie Tortillas. Die Aufbackprodukte sind unter Schutzatmosphäre verpackt und haben eine Restlaufzeit von 42 Tagen. Die Bocholter backen Eigenmarken- Produkte für den Handel, aber auch unter der eigenen Marke Sinnack. Mehr als 500 Mitarbeiter produzieren an insgesamt 28 Backstraßen täglich umdie 450 t Backwaren. Der Export-Anteil liegt bei 25 Prozent. Sinnack-Produkte gibt es in 21 Ländern. Sie gehen vor allem nach Skandinavien, Benelux, Österreich und Frankreich – dort ist laut Verkaufsleiterin Liesel Schlüter das Aufbacken von Brot gelernt. Inhaber und Geschäftsführer ist Julius Peter Sinnack. Tochter Lena ist bereits Mitglied der Geschäftsführung und übernimmt sukzessive mehrVerantwortung.