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ISM 2016 Keine ollen Kamellen

Dieter Druck | 16. Februar 2016

Neben Rohstoffpreisen und Nachhaltigkeit hat die Süßwarenbranche noch andere spannende Themen auf Lager.

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Das Feinbild „Zucker“ wird gepflegt. Nichtregierungsorganisationen geben in diesem Fall ihr Bestes. Aber es gibt auch einen Spaß- und Genussfaktor mit hoher Anziehungskraft für Handel und Verbraucher. Die 46. Internationale Süßwarenmesse in Köln hat dies erneut bewiesen.

Ob das Produktmerkmal vegan bzw. vegetarisch Argumentationshilfe für den Süßwarenverzehr ohne Reue liefert, bleibt auf Herstellerseite offen. Einige Anbieter bemühten es, andere zweifeln und promoten es nicht. Ist auch eine Geschmackssache und von der Kategorie abhängig – bei Fruchtgummi eher als bei Schokoladen.

Ein Hype, vergleichbar dem heftigen aber sehr kurzen Bio-Boom im Süßwarenumfeld vor fünf bis sechs Jahren, zeichnet sich vorerst nicht ab. Laktose-, glutenfrei, „frei von“ und Natürlichkeit werden eher als Mehrwert herausgestellt. Naturbelassene Snacks sind ein Thema, das auch zu den immer mobileren Formen der Nahrungsaufnahme fern des häuslichen Tisches passt.


Sehr stark frequentiert von den Messebesuchern war die „Newcomer-Area“, wo sich zehn bis zwölf Start-ups und Messeneulinge präsentierten. Ein ausbaufähiger Ansatz für die Köln-Messe. Besonders starkes Interesse fanden z. B. die Chipsbox und die Schweizer Sch0koladenmarke Milk-Boy, die nach dem Start vor einem Jahr in den USA nun Handelspartner in Deutschland sucht (siehe auch die folgenden Seiten).

Das fiel in Köln auf
  • Vegetarisch/vegan ist eines der medialen Hauptthemen.
  • Mehr Transparenz, Deklaration der Herkunft. z. B. bei Schokoladen, aber auch bei Produktbezug; aus der Region.

Die Kleinen werden gesehen
Dazu passen auch Neuheiten und Neuanbieter mit Manufaktur-Charakter, die zusätzlich den Aspekt einer regionalen Spezialität vertreten. Dass aus kleinen „Waschküchen“ was ordentliches werden kann, zeigt Lisa’s Chips (Aroma Snacks). Das über die Bioschiene gekommene Familienunternehmen geht jetzt den Weg des Distributionsausbaus und Markenaufbaus im klassischen Lebensmittel-Einzelhandel sowie in den Convenience-Kanälen. Das junge Unternehmen ist gleichzeitig ein Beispiel dafür, dass auch die sogenannten „Kleinen“ in Köln durchaus wahrgenommen werden. Und bei der Wahl der vielversprechendsten Neuheiten landeten die Kokosnuss‧chips mit Wasabi-Geschmack von Heimatgut auf Platz 2. Die energiereiche Snackvariation vegan, glutenfrei und nicht frittiert. Das junge Unternehmen kommt aus Hamburg.

Der Handel sucht Alternativen
Ohnehin ist das Interesse an Alternativ-Anbietern von Kartoffelchips auf Handelseite gestiegen, und das nicht nur wegen einiger Verwerfungen aufgrund der Markenpräsenz von Funnyfrisch bei Aldi. „Uns stehen zurzeit viele Türen beim Handel offen“, unterstreicht ein Anbieter. Besonders schnell habe aus seiner Sicht die Edeka reagiert. Deren anstehende Übernahme von Kaiser’s Tengelmann war ebenso ein Thema in den Messehallen. Hersteller erwarten eine weitere Konzentration, denn 1 +1 ergäbe in diesem Fall nicht 2; ein Angleichen der Sortimente und „eine hohe Erwartung an Hochzeitsgeschenke“ werden befürchtet, denn es fehlten die Alternativen.

Diese werden von den meisten auch nicht im Online-Handel gesehen. Wo liegt bei einem Impulsartikel wie Süßwaren der Mehrwert, den dieser Absatzanal bieten kann? Bei Spezialitäten und individualisierten Produkten genießt Online allerdings einen anderen Status.

Auch die dritte Süßwaren-Dimension aus dem Drucker erzeugt zwiespältige Meinungen. Der 3-D-Drucker Magic Candy Factory von Katjes wurde bereits im Vorfeld medial gepusht und von den Messebesuchern als Top-Innovation gekürt. Ob er wirklich marktrelevante Veränderungen einleitet, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist Bewegung in der Branche sichtbar, und die Ansatzmöglichkeiten sind vielfältig. Daher regierten in den Kölner Messehallen Zuversicht und Zufriedenheit.

Showdown
120 ausgesuchte Innovationen wurde en bloc im New Product Showcase präsentiert. Beim Besuchervotum der Top 3-Neuheiten aus diesem Kreis siegte der 3-D-Drucker für Fruchtgummi aus der Candy Factory von Katjes vor den Wasabi-Kokoschips Chips von Heimatgut aus Hamburg. Dritter wurde Boncha Boncha aus Taiwan. Das Unternehmen bringt alle gewünschten Abbildungen auf Bonbons und Lutscher.