Der Lebensmittelkonzern Mondelez steht wegen möglicher Waldrodungen in seinen Lieferketten für Kakao und Palmöl in der Kritik. Eine neue Analyse der Organisation Aidenvironment zeigt, dass in Gebieten, die möglicherweise mit den Lieferketten des Unternehmens verbunden sind, mehr als 4.100 Hektar Wald gerodet wurden. Die Rodungen erfolgten nach dem Stichtag, den Mondelez selbst für den Verzicht auf Entwaldung festgelegt hat. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Organisation veröffentlicht hat.
Die Untersuchung dokumentiert sechs Fälle in der Elfenbeinküste, Kamerun, Brasilien und Indonesien. Die Waldverluste stehen laut Aidenvironment möglicherweise in direktem oder indirektem Zusammenhang mit Mondelez. Die Organisation spricht von systemischen Schwächen: nicht nachverfolgbare Beschaffungsmodelle, undurchsichtige Lieferantennetzwerke und unzureichende Kontrollen. „Mondelez half dabei, die Erzählung aufzubauen, dass Rückverfolgbarkeit und Compliance erreichbar sind, und trat dann zurück, als Rechenschaftspflicht näher rückte“, zitierte die Organisation die leitende Forscherin Sarah Drost in der Mitteilung.
Mondelez hat seine Transparenz im Laufe der Zeit verringert, wie Aidenvironment kritisiert. Das Unternehmen habe seine Liste der Kakaolieferanten seit 2021 nicht mehr öffentlich gemacht. Zudem setze der Konzern stark auf sogenannte Massenbilanz-Beschaffung, die große Mengen von Produkten grundsätzlich nicht nachverfolgbar mache. Die Sichtbarkeit bei der Bearbeitung von Beschwerden oder Sanktionen gegen Lieferanten sei begrenzt. Mondelez weigere sich außerdem, an branchenweiten Rechenschaftsinitiativen wie dem Chocolate Scorecard teilzunehmen. Im Cocoa Barometer 2025 habe das Unternehmen die niedrigsten Bewertungen erhalten.
Mondelez spricht sich für Verzögerung der EU-Verordnung aus
Der Konzern hat sich zudem kürzlich für eine Verzögerung der EU-Verordnung gegen Entwaldung ausgesprochen. Dies geschehe genau zu dem Zeitpunkt, an dem Umsetzung, Durchsetzung und Rechenschaftspflicht am wichtigsten seien, so Aidenvironment. Mondelez habe trotz wiederholter Anfragen im November 2025 nicht auf die Ergebnisse reagiert. Dies stehe im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die konstruktiv mit dem Compliance-Checker-Prozess zusammengearbeitet hätten.
Die Organisation fordert Mondelez auf, die öffentliche Offenlegung der Lieferanten wieder einzuführen. Zudem solle das Unternehmen einen zeitgebundenen Fahrplan erstellen, um von der Massenbilanz-Beschaffung zu getrennten oder identitätserhaltenden nachverfolgbaren Lieferketten überzugehen.
Auf Anfrage der Lebensmittel Praxis wollte sich Mondelez nicht zu den Vorwürfen äußern.