Wettbewerbsrecht Kartellamt könnte Edekas Tegut-Übernahme platzen lassen

Dämpfer für Edeka: Die geplante Übernahme von rund 200 Tegut-Filialen könnte am Bundeskartellamt scheitern. Die Bonner Wettbewerbshüter würden die Übernahme in ihrer bislang geplanten Form nicht durchwinken. Doch noch muss die Edeka ihre Hoffnungen nicht begraben.

Donnerstag, 30. Juli 2026, 15:49 Uhr
Manuel Glasfort
Die Marke Tegut verschwindet vom deutschen Markt. Die Standorte wollen Edeka, Rewe und Tante Enso unter sich aufteilen. Doch das Bundeskartellamt schaut genau hin. Bildquelle: Tegut/Ben Pakalski

Die Übernahme eines Großteils der Tegut-Standorte durch Edeka droht am Widerstand des Bundeskartellamtes zu scheitern. Die Bonner Wettbewerbsbehörde hat vor wenigen Tagen einen vorläufigen Entscheidungsentwurf an die Verfahrensbeteiligten übersandt, wie ein Sprecher des Kartellamtes auf Anfrage der Lebensmittel Praxis bestätigte. „Nach vorläufiger Einschätzung gibt es 37 wettbewerblich kritische Markträume, sodass wir die Übernahme in der bislang geplanten Form nicht genehmigen würden“, teilte er mit. Das lässt darauf schließen, dass die Marktmacht von Edeka in den 37 Regionen ein aus Sicht der Wettbewerbshüter kritisches Maß übersteigen würde.

Edeka hat nach Behördenangaben bereits reagiert und ein sogenanntes Zusagenangebot gemacht. Solche Zusagen bestehen oftmals darin, bestimmte Standorte nicht zu übernehmen oder zu verkaufen oder auf anderem Wege die wettbewerbsrechtlichen Hindernisse auszuräumen. Der Behördensprecher teilte weiter mit: „Die Frist für das Hauptprüfverfahren ist aufgrund eines ersten Zusagenangebotes von Edeka – das wir noch prüfen – um einen Monat auf den 23. September verlängert worden.“

Edeka teilte auf Anfrage von Lebensmittel Praxis mit, sich nicht zu einem laufenden Verfahren äußern zu wollen. Ob der Handelsriese die Bedenken des Bundeskartellamts ausräumen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Tegut soll nach jetzigem Stand aufgeteilt werden zwischen Edeka, Rewe und Tante Enso. Den Löwenanteil mit etwa 200 Filialen will sich Edeka sichern. Konkurrent Rewe ist an rund 40 Filialen interessiert. Auch hier steht die Freigabe durch das Bundeskartellamt noch aus. Drei Dutzend weitere Tegut-Standorte sollen an den Smartstore-Betreiber Tante Enso gehen

Rechtsexperten wie Rupprecht Podszun sehen die geplanten Übernahmen kritisch. Der Kartellrechtler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland. Er erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Kartellamt, wie er bereits im April sagte. Podszun hielt es schon damals sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt. 

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