Rat an mich „Es gibt nicht den perfekten Zeitpunkt“ – warum die einstige Handelsmanagerin Tanja Eggers ihre Karriereplanung über Bord warf

Hintergrund

Viele Wege führen zur Karriere. Persönlichkeiten aus der Branche erzählen, was sie heute anders machen würden. Diesmal: Tanja Eggers, heute Coach, einst Handelsmanagerin.

Donnerstag, 10. September 2026, 07:40 Uhr
Elena Kuss
20 Jahre verlief Tanja Eggers’ Karriere bei Kaufland nach Plan – bis der Schlaganfall ihres Partners alles veränderte. Bildquelle: Laura Boysen Fotografie

Wenn ich meinem jüngeren Ich heute einen Rat geben könnte, dann wären es diese Gedanken: Bleib Frau. Du musst niemand anders werden, um erfolgreich zu sein. Nach meinem dualen Studium bei Kaufland ging ich über verschiedene Karrierestufen den Weg von der Studentin bis zur Prokuristin Category Management – und dies in einer Männerdomäne als einzige Frau im Management. Mehr als 20 Jahre lang habe ich die Lebensmittelbranche aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebt, Teams geführt und Ver-änderungen gestaltet. Gerade in einer männlich geprägten Führungswelt hatte ich das Gefühl, mich anpassen zu müssen. Bei Kaufland fragte ich daher mit wachsender Verantwortung eine Business-Coachin als Reflexionspartnerin an. Heute weiß ich: Meine authentische Art, zu führen, war nie mein Nachteil, sondern meine Stärke.

Mit Mitte 30 entstand in mir die Vision, mich mit 50 selbstständig zu machen. Gefühlt war alles noch weit weg. Doch dann kam das Leben dazwischen. Mein Partner Jörg erlitt mit 49 Jahren einen Schlaganfall. Obwohl er kaum sprechen konnte, gab er mir ein Zeichen der Freiheit: „Du kannst gehen. Ich bin ein anderer Mann.“ Wir gingen den Weg zusammen, und ich machte mich selbstständig – nicht erst mit 50, sondern sofort, mit Anfang 40. Im Rückblick war das eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens. In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass sich das Leben nicht planen lässt. Mein Fazit: Mach es jetzt. Es gibt nicht den perfekten Zeitpunkt. Schon vor Jörgs Schlaganfall hatte ich mich für eine systemische Coaching-Ausbildung angemeldet. Sie begann wenige Wochen später – mitten in der schwierigsten Phase meines Lebens. Diese Weiterbildung wurde zu meinem persönlichen Anker. Dort lernte ich, auch dann mutig weiterzugehen, wenn ich in diesen stürmischen Zeiten nur noch auf Sicht fahren konnte. Bis heute prägt diese Zeit auch unser gemeinsames Engagement als Schlaganfallbotschafter. Mut zeigt sich oft in den leisen Entscheidungen. Darin, Verantwortung zu übernehmen und der eigenen Vision zu vertrauen. Gerade als Führungskräfte glauben wir oft, immer funktionieren zu müssen. Du bist stärker, als du denkst.

Mein Leben ist ganz anders verlaufen, als ich es mit Mitte 30 geplant hatte. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bin ich heute genau dort angekommen, wo ich sein möchte. Heute biete ich mit Ancoris Consulting einen Ankerplatz für Führungskräfte und Unternehmen. Dabei verbinde ich meine Erfahrungen mit systemischer Beratung und Neurowissenschaft. Mein Leben wurde anders. Anders gut.

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