Immer mehr Unternehmen in Deutschland streichen Ausbildungsplätze. Zugleich bleibt fast jede zweite Lehrstelle unbesetzt. Das geht aus der jüngsten Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer hervor, an der sich rund 14.000 Betriebe beteiligten.
Demnach wollen 29 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr weniger Ausbildungsplätze anbieten als im Vorjahr – ein Anstieg gegenüber 2025, als dieser Anteil noch bei 26 Prozent lag. Nur 13 Prozent der Betriebe planen, mehr Lehrstellen anzubieten, nach 15 Prozent im Vorjahr. 58 Prozent halten ihr Angebot stabil. Als Grund nannte die Kammer die schwache Konjunktur. Besonders betroffen seien Unternehmen mit negativen Geschäftserwartungen: Vier von zehn dieser Betriebe verkleinerten ihr Ausbildungsangebot.
Trotz des Rückgangs hält die Mehrheit der Betriebe an der Ausbildung fest. Die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Helena Melnikov, wertete dies als positives Zeichen: „Es zeigt, dass Ausbildung für die Unternehmen auch in herausfordernden Zeiten höchste Priorität hat.“ Die Betriebe wüssten, dass qualifizierte Fachkräfte für ihren Erfolg entscheidend seien.
Betriebe beklagen Schwächen bei Bewerbern
Gleichzeitig verschärft sich das Besetzungsproblem. Laut der Umfrage konnte rund die Hälfte der befragten Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Dieser Anteil liegt den Angaben zufolge seit 2023 nahezu unverändert auf Rekordniveau.
Die Unternehmen beklagen zudem erhebliche Defizite bei den Bewerbern. Jeder zweite Ausbildungsbetrieb stelle Schwächen beim Arbeits- und Sozialverhalten fest, etwa bei der Belastbarkeit, teilte die Kammer mit. Fast ebenso häufig nannten die Betriebe unzureichende kognitive Kompetenzen. Rund vier von zehn Unternehmen sehen darüber hinaus Mängel in Mathematik, Deutsch und wirtschaftlichem Grundwissen.
