Der Investmentmarkt für Handelsimmobilien hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich an Schwung verloren. Das Transaktionsvolumen sank auf 1,9 Milliarden Euro – ein Rückgang von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem aktuellen „Retail Real Estate Report 2026/2027“ der Hahn-Gruppe hervor. Geopolitische Risiken, hohe Finanzierungskosten und unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Käufern und Verkäufern bremsen demnach viele Abschlüsse.
Durchschnittlich 12,23 Euro Nettokaltmiete
Lebensmittelmärkte und Fachmarktzentren trotzen dem Abwärtstrend allerdings weitgehend. Laut dem Report flossen 2025 rund 3,1 Milliarden Euro in Fach- und Lebensmittelmärkte, was 49 Prozent des gesamten Investmentvolumens bei Handelsimmobilien entsprach. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil den Angaben zufolge noch bei 44 Prozent. Als Gründe nennt der Report stabile Erträge und eine vergleichsweise geringe Abhängigkeit vom Onlinehandel. Von den kaufbereiten Investoren bevorzugen 88 Prozent Fachmarkt- und Nahversorgungszentren; 75 Prozent geben Supermärkte und Lebensmitteldiscounter als Anlageziel an.
Eine Mietpreisanalyse auf Basis von mehr als 700 Lebensmittelmärkten bundesweit zeigt laut dem Report, dass vor allem die Lage den Wert einer Immobilie bestimmt. Im Durchschnitt zahlen Händler demnach 12,23 Euro Nettokaltmiete je Quadratmeter und Monat. Die Unterschiede zwischen den Betriebsformen fallen gering aus: Verbrauchermärkte liegen mit 12,43 Euro knapp vor Discountern mit 12,37 Euro, Supermärkte und SB-Warenhäuser folgen mit rund 11,20 Euro. Die Betriebsform erklärt laut der Auswertung lediglich zwei Prozent der Mietunterschiede.
Hahn-Gruppe: Standort erklärt Mietunterschiede zehnmal stärker als die Betriebsform
Deutlich stärker schlägt die Standortkategorie durch. In den größten deutschen Städten beträgt die Durchschnittsmiete 16,82 Euro je Quadratmeter, an kleineren und ländlichen Standorten dagegen nur 11,28 Euro. Die Standortkategorie erklärt dem Report zufolge 20 Prozent der Mietunterschiede, das Baujahr 10 Prozent. Auch zwischen West- und Ostdeutschland klafft eine Lücke: Außerhalb Berlins liegen die Mieten im Westen mit durchschnittlich 12,32 Euro rund 20 Prozent über dem ostdeutschen Niveau von 10,28 Euro. Ausschlaggebend seien vor allem Kaufkraft, Bodenpreise sowie Bevölkerungs- und Umsatzpotenziale.
Für Eigentümer und Händler ergibt sich daraus, dass nicht jeder Lebensmittelmarkt automatisch ein sicheres Investment darstellt. Besonders gefragt sind aus Sicht der Report-Autoren moderne, gut erreichbare Objekte mit überzeugender Mikrolage und ausreichenden Parkmöglichkeiten. Modernisierungen können den Wert zusätzlich steigern: Bei Märkten ab Baujahr 1995 lagen die Mieten modernisierter Objekte zwischen sechs und 16 Prozent über denen nicht modernisierter Vergleichsobjekte.
