Der deutsche Einzelhandel hat im Jahr 2025 durch Inventurdifferenzen Waren im Wert von 5,11 Milliarden Euro verloren – 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer aktuellen EHI-Studie hervor, an der sich 103 Unternehmen mit insgesamt 21.225 Verkaufsstellen und einem Gesamtumsatz von rund 116,3 Milliarden Euro beteiligten. Besonders betroffen ist der Lebensmitteleinzelhandel: Dort stiegen die durchschnittlichen Inventurdifferenzen den Angaben zufolge spürbar an.
Den größten Anteil an den Verlusten verursacht die Kundschaft. Allein durch Ladendiebstahl gingen demnach Waren im Wert von 3,05 Milliarden Euro verloren, nach 2,95 Milliarden Euro im Vorjahr. Hinzu kommen Verluste durch unehrliche Mitarbeiter in Höhe von 910 Millionen Euro sowie durch Lieferanten und Servicefirmen in Höhe von 370 Millionen Euro. Die restlichen 780 Millionen Euro entfallen laut der Studie auf organisatorische Mängel wie Erfassungs- und Buchungsfehler. Dem Staat entgehen durch den Diebstahl jährlich rund 590 Millionen Euro an Umsatzsteuer.

Rund ein Drittel der Ladendiebstähle – im Wert von etwa einer Milliarde Euro – geht der Studie zufolge auf organisierte und gewerbsmäßige Kriminalität zurück, meist Bandendiebstahl. Doch auch der alltägliche Diebstahl durch Kunden nimmt zu. Studienautor Frank Horst führt dies auf die wirtschaftliche Lage zurück: „Viele Händler sind der Ansicht, dass die aktuelle politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten viele Verbraucher und Beschäftigte unter finanziellen Druck setzen und somit zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führen.“ Zudem begünstige aus Sicht des Handels „vor allem die unzureichende Rechtsprechung und Strafverfolgung die Zunahme dieser Straftaten“, so Horst laut der Mitteilung. Mehr als 98 Prozent aller Ladendiebstähle bleiben den Erhebungen zufolge unentdeckt – hochgerechnet rund 24,8 Millionen Fälle pro Jahr mit einem durchschnittlichen Warenwert von jeweils 123 Euro.
Drogeriemärkte und Lebensmittelhandel besonders betroffen
Neben dem Lebensmitteleinzelhandel verzeichneten auch Drogeriemärkte überwiegend steigende Inventurdifferenzen. Im Bekleidungshandel verschlechterte sich die Lage leicht, während Baumärkte einen nahezu ausgeglichenen Trend meldeten. In den übrigen Branchen verbesserten sich die Werte im Durchschnitt leicht.
Der Handel reagiert mit höheren Ausgaben für Sicherheit. Die Kosten für Präventionsmaßnahmen wie Artikelsicherung, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze und Schulungen stiegen laut der Studie im Jahr 2025 auf 1,7 Milliarden Euro, nach 1,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Rechnet man interne Aufwendungen wie das Anbringen von Warensicherungen, Bestandskontrollen und Datenanalysen hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten der Diebstahlprävention den Angaben zufolge auf rund 3,3 Milliarden Euro pro Jahr. Im Durchschnitt gibt der Handel damit etwa 0,33 Prozent seines Umsatzes für Sicherheitsmaßnahmen aus.