Technik-Geschichte Haus der Geschichte stellt Aldi-Computer aus

Vor den Aldi-Filialen bildeten sich vor Jahren immer wieder lange Schlangen. Die Kunden wollten einen vergleichsweise günstigen Rechner kaufen. Nun wird der Aldi-PC im Museum ausgestellt.

Dienstag, 23. September 2025, 14:33 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn wird neuerdings der Aldi-PC von 1997 ausgestellt. Bildquelle: Axel Thünker/Haus der Geschichte der Bundesrepublik

Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn zeigt von heute an einen Aldi-Computer aus dem Jahr 1997 in seiner Dauerausstellung. Das Museum hatte den Tower-PC mit Disketten- und CD-Rom-Laufwerk bereits 2009 von einem privaten Stifter aus Köln erhalten.

Der Discounter Aldi hatte im November 1995 erstmals einen IBM-kompatiblen Computer in sein Sortiment aufgenommen. Der erste Versuch verlief noch verhalten, da der Rechner mit dem damals bereits veralteten Betriebssystem Windows 3.11 ausgestattet war. Seinen Durchbruch erlebte der Aldi-Computer zwei Jahre später. Der von Medion hergestellte PC enthielt einen Intel-Prozessor mit 166 Megahertz Taktfrequenz. Das Paket aus Computer und 15-Zoll-Monitor kostete damals knapp 1.800 D-Mark, umgerechnet etwa 920 Euro. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht das einem heutigen Preis von rund 1.520 Euro.

Die Schnäppchenjagd auf die Computer artete teilweise aus. In Konstanz kam es im November 1997 zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen zwei Kunden um den letzten verfügbaren PC. Ein 36-jähriger Mann erlitt dabei eine Platzwunde am Kopf. Der Verletzte zückte daraufhin eine Schreckschusspistole und erzwang die Herausgabe des Computers. Die Polizei nahm ihn allerdings an der Kasse fest.

Fachhändler Schadt scheitert mit Gegenwehr

Aldi und sein Lieferant Medion verkauften in den Folgejahren Zehntausende Computer. Auch andere Discounter wie Lidl und Norma nahmen PCs in ihr Sortiment auf. Die traditionellen Computerhändler gerieten dadurch unter Druck. Die Stuttgarter Firma Schadt Computertechnik versuchte mit einer Werbekampagne unter dem Motto „Computer kauft man beim Fachhändler, nicht beim Gemüsehändler“ gegenzusteuern und bot Süßigkeiten und Drogerieprodukte unter Einkaufspreis an. Das Unternehmen musste 1998 Konkurs anmelden.

„Der Aldi-PC entwickelte sich dank des relativ geringen Preises und einer wettbewerbsfähigen Ausstattung zu einer Art Volks-PC“, teilte eine Sprecherin des Hauses der Geschichte mit. Der Computer habe nahezu allen sozialen Schichten den Einstieg ins Internet- und Informationszeitalter ermöglicht.

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