In der Bundesrepublik ging der Webshop „Joybuy“ an den Start. Im Gegensatz zu den Plattformen Temu und Shein sind dort auch zahlreiche Lebensmittel im Portfolio.
Hinter Joybuy steckt JD.com
Hinter Joybuy steckt der chinesische Konzern JD.com, einer der größten E-Commerce-Konzerne der Volksrepublik mit einem Jahresumsatz von rund 159 Milliarden US-Dollar und mehr als 500.000 Mitarbeitern weltweit. Diesen Konzern kennen hierzulande inzwischen viele Menschen, weil er Ceconomy übernehmen will. Das ist die Muttergesellschaft von Media Markt und Saturn sowie ehemaliger Arbeitsplatz von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger; er war dort Vorstandsvorsitzender. Dieser Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen sein. In diesem Zusammenhang verwunderlich: Joybuy verkauft ebenfalls Elektronikartikel, macht sich also selbst direkt und bewusst Konkurrenz.
Markant bestreitet eine Zuammenarbeit
Unter den Lebensmitteln liegt der geografische Schwerpunkt auf Asien, Afrika, Mexiko und Lateinamerika. Hinzu kommen Tiefkühlkost und Getränke. Darüber hinaus handelt Joybuy unter anderem mit Tierbedarf und Produkten für Beauty, Pflege, Haushalt und Reinigung.
Die Lebensmittel sind häufig aus China importiert. Ferner fallen Waren des Einkaufsverbundes Markant einschließlich der Eigenmarke „Jeden Tag“ ins Auge. Markant-Marketingchef Bernhard Delakowitz bestreitet auf Anfrage der Lebensmittel Praxis eine Zusammenarbeit. Vermutlich würden die Waren von einem der Handelspartner mit Großhandelsservice geliefert.
Kunden eine Lieferung am selben oder nächsten Tag versprochen
Joybuy verspricht den Kunden überall in Deutschland eine Lieferung am selben oder nächsten Tag, vor allem dank eines Netzes von Abholstationen. In einigen Städten soll es zudem Expresslieferungen geben.
Von 2015 bis 2021 existierte Joybuy bereits in Europa und war als Konkurrent zu Aliexpress positioniert. Anscheinend konnte sich Joybuy bei diesem Anlauf nicht duchsetzen. Unter dem Namen „Ochama“ hatte JD.com von 2022 bis August 2025 in Deutschland einige Abholstationen betrieben. Mittlerweile stellte Ochama seinen Betrieb ein und verweist auf Joybuy.
Deutschland-Sitz in kleiner Gemeinde in Hessen
Deutschlandweit steuert offiziell die Firma Jingdong Retail Germany die Geschäfte. Die hat ihren Sitz in der hessischen 13.000-Einwohner-Gemeinde Buseck.
Bei näherer Betrachtung der neuen Plattform stechen einige handwerkliche Mängel ins Auge. Zum Beispiel fehlen bei manchen Lebensmitteln die Angaben zu Inhaltsstoffen und werden durch Fotos chinesisch beschrifteter Verpackungen ersetzt. Gestalterisch wirkt der Shop ebenfalls nicht innovativ, obwohl er JD.com gehört.
Joybuy gibt es nicht nur in Deutschland, sondern seit August ebenso in Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Großbritannien.
