Ein Test von insgesamt 142 Eigenmarkenprodukten aus 22 Lidl-Filialen in Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Polen hat nach Angaben der „Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt“ ein unappetitliches Ergebnis ergeben: Über die Hälfte der Proben hätten multiresistente Bakterien aufgewiesen. Zusätzlich wären Fäkalkeime und Durchfallerreger auf der Mehrheit der Proben nachgewiesen worden.
Die Untersuchung wurde durch ein unabhängiges Labor in Deutschland durchgeführt und von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Animal Welfare Observatory, Essere Animali, Open Cages, die Fundacja Alberta Schweitzera und Otwarte Klatki in Auftrag gegeben, heißt es. Der Fokus habe auf den wichtigsten Bakterien im Zusammenhang mit Lebensmittelinfektionen gelegen.
Der Bericht zeige, dass die Proben aus deutschen Lidl-Filialen im Vergleich weniger stark belastet waren. So testete das Labor die Fleischproben beispielsweise auf ESBL-bildende Erreger, das sind potenziell multiresistente Bakterien, sowie auf MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) und wurde bei der Hälfte aller Proben fündig. Von den Proben aus Deutschland war nur ein Drittel belastet. Während im Schnitt auf 75 Prozent aller Proben Fäkalkeime wie Enterokokken gefunden wurden, betrug der Anteil der belasteten deutschen Proben rund 67 Prozent. Auf einem Drittel aller und einem Viertel der deutschen Proben hat das Labor nach eigenen Angaben Listerien nachgewiesen.
Alle Proben wurden zwischen Dezember 2023 und März 2024 gekauft. Die Kühlkette wurde nach eigenen Angaben dabei streng überwacht und eingehalten. Die Proben aus Deutschland - Steaks, Schenkel, Keulen, Flügel und Schnitzel - stammten alle von der Lidl-Eigenmarke „Metzgerfrisch“ und aus Haltungsform 2 („Stallhaltung Plus“). Sie seien in den Lidl-Filialen in Berlin, Oldenburg, Duisburg und Koblenz gekauft worden.
Bereits im Mai 2023 hatten Proben von Hühnerfleischprodukten aus deutschen Lidl-Filialen hohe Belastungen aufgewiesen und für Schlagzeilen gesorgt. Die Albert-Schweitzer-Stiftung hatte insgesamt 51 Proben von Hühnerfleischprodukten in acht zufällig ausgewählten Lidl-Märkten in ganz Deutschland genommen und untersuchen lassen. Nur sechs Proben waren unauffällig.
Und was sagt Lidl? „Derzeit können wir noch keine finale Bewertung der Ergebnisse aus der Untersuchung der Albert Schweitzer Stiftung vornehmen“, meldet die Zentrale in Heilbronn. Dem Discounter der Schwarz-Gruppe liegt in Bezug auf die Mikrobiologie aktuell keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Verkehrsfähigkeit des Geflügelfleischs eigener Marken vor. „Die Qualität unserer Produkte sowie der Schutz der Verbraucher hat für Lidl höchste Priorität“, betont eine Lidl-Sprecherin. Produktsicherheit und -qualität seien deshalb zentrale Anliegen des Unternehmens. Zudem verweist Lidl auf die umfangreichen Qualitätskontrollen entlang der gesamten Lieferkette. „Unsere eigenen strengen Kontrollen und Qualitätssicherungsmaßnahmen stellen die Verkehrssicherheit unserer Produkte zuverlässig sicher. Bei gängiger Zubereitung von Geflügel geht für den Verbraucher daher keinerlei Gesundheitsgefahr aus“, meldet der Discounter aus dem Schwabenland.
