Lieferkettengesetz Oxfam gegen Edeka und Rewe

Die globale Hilfsorganisation Oxfam hat Menschenrechtsverletzungen auf Bananenplantagen in Lateinamerika aufgedeckt, von denen unter anderem deutsche Supermarktketten beliefert werden. Oxfam hat nun Beschwerde gegen Rewe und Edeka wegen Verstoß gegen das Lieferkettengesetz eingereicht. Diese weisen die Vorwürfe zurück.

Freitag, 03. November 2023 - Handel
Lebensmittel Praxis
Artikelbild Oxfam gegen Edeka und Rewe
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Seit Anfang 2023 ist das deutsche Lieferkettengesetz in Kraft. Oxfam nutzt das neue Gesetz nun erstmals und hat am 2. November beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Beschwerde gegen Rewe und Edeka eingereicht. Die Organisation hatte Aldi, Lidl, Edeka und Rewe im Sommer über insgesamt vier Fälle von Menschenrechtsverletzungen auf Bananen- und Ananasplantagen ihrer Lieferanten in Ecuador und Costa Rica informiert.

Die Arbeiter würden dort zu Hungerlöhnen beschäftigt und litten unter mangelndem Arbeitsschutz. Die Beschäftigten müssten beispielsweise auf den Plantagen ausharren, während Pestizidflugzeuge Gift versprühen. Oxfam zufolge wurden Gewerkschaftsmitglieder entlassen oder sogar misshandelt, wenn sie sich gegen die Missstände wehrten. Die Vorwürfe stützen sich auf Aussagen von Plantagenarbeitern und Gewerkschaften sowie auf eigene Recherchen in den Anbauländern.

Edeka und Rewe bestreiten Vorwürfe

Nach den Vorwürfen zeigten sich Aldi und Lidl laut Oxfam verhandlungsbereit und nahmen direkten Kontakt zu Gewerkschaften in Costa Rica auf. Rewe und Edeka beriefen sich dagegen weiterhin auf Zertifizierungen und Siegel, ohne die betroffenen Arbeiter angemessen einzubeziehen, heißt es in der Mitteilung von Oxfam. Viele Kontrollen für Siegel seien jedoch manipuliert, meint die Organisation.

Edeka weist die Vorwürfe auf Anfrage der Lebensmittel Praxis deutlich zurück und betont, die Hinweise von Oxfam ausreichend geprüft zu haben. „In dieser Prüfung konnten diese Hinweise mit Bezug auf unsere Partnerfarmen, von denen wir Bananen beziehen, nicht bestätigt werden. Somit können wir die aktuell erhobenen Vorwürfe nicht nachvollziehen“, heißt es aus der Hamburger Zentrale. Auch den Vorwurf, Edeka sei nicht verhandlungsbereit, weist das Unternehmen zurück: „Wir befinden uns bereits seit Längerem im direkten Austausch mit Oxfam und haben auch schon zwei ausführliche Gespräche mit Oxfam und einem Vertreter der Gewerkschaft Astac geführt.“

Auch die Rewe Group widerspricht den Aussagen von Oxfam "entschieden". „Menschenrechte sind nicht verhandelbar!“, erklärt der Konzern in einer Stellungnahme gegenüber der Lebensmittel Praxis und erläutert: „Die Rewe Group hat gemeinsam mit ihren Lieferanten bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen und steht dazu auch mit Oxfam im Austausch. Wir möchten betonen, dass dieser Austausch von unserer Seite auf freiwilliger und stets kooperativer Basis erfolgt ist.“

Bei einem kritisierten Lieferanten handele es sich um ein Unternehmen, zu dem Rewe keine direkte Geschäftsbeziehung habe. Rewe versuche den Sachverhalt mithilfe des direkten Zulieferers aufzuklären. Die Rainforest Alliance hat aufgrund der Hinweise ein unangekündigtes Audit beim mittelbaren Zulieferer durchgeführt, woraufhin dem Betrieb die Zertifizierung vorläufig entzogen wurde. Rewe bezog daraufhin keine Waren mehr von diesem Lieferanten. Die Gewerkschaft Astac hatte nach Angaben der Rewe Group die Möglichkeit, an diesem Audit teilzunehmen. „Diese Möglichkeit hat die Astac nicht wahrgenommen“, so Rewe.

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