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Preiskampagne Bauern sauer auf Edeka

Lebensmittel Praxis | 28. Januar 2020

Bildquelle: Edeka Minden-Hannover

Mit Komiker Otto bewirbt Edeka „niedrigste“ Preise. Und das schlägt Wellen bis ins Kanzleramt: Erst blockieren Dutzende Landwirte die Zufahrten zu einem Großlager, dann schaltet sich die Politik ein. Am 3. Februar gibt es ein Spitzentreffen mit Branchenvertretern im Kanzleramt. Alles nur wegen eines Missverständnisses, sagt Edeka. Die Plakate wurden derweil entfernt.

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Für Stefan Mann, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), offenbart die Kampagne „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten“ fehlende Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln. Der Billigpreisstrategie für Lebensmittel müsse auf allen Ebenen ein Ende gesetzt werden. Vom Handel erwartet der BDM einen Verzicht auf die ständige Verwendung von Lebensmitteln als Lockvogelangebote.

Gegen die Kampagne zum 100. der Edeka Minden-Hannover hatten Montagnachmittag Bauern vor Edeka-Großlager in Wiefelstede bei Oldenburg demonstriert. Mit rund 200 Traktoren blockierten sie die Zufahrten. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte derweil an, die Lebensmittelpreise würden jetzt zum Thema im Kanzleramt.

Dabei geht es Edeka zufolge bloß um ein Missverständnis. Bei den Plakaten handele es sich um eine regionalisierte Kampagne und gemeint sei in diesem Fall der Ort Essen (Oldenburg), nicht die Lebensmittel. So wie es etwa auch Plakate für Minden und Bremen gebe.


„Darüber hinaus gehen die angekündigten Preisreduzierungen der Produkte nicht zu Lasten der Landwirte, sondern werden ausschließlich von der Großhandlung getragen“, beteuerte die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover nach einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. „Es war nie unsere Absicht, mit unserer Kampagne Landwirte und Erzeuger zu verärgern.“ Die Plakate seien trotzdem umgehend entfernt worden.

Der Streit um(s) Essen schlug sich auch Agrarministerin Klöckner, die seit Monaten bei den Bauernprotesten im Zentrum der Kritik steht, auf die Seite der Landwirte. „Ich kann den Ärger der Bauern verstehen. Es ist wie David gegen Goliath, wenn Bauern mit dem Handel verhandeln“, teilte sie mit.

„Dass gerade Lebensmittel immer wieder für Lockangebote und für Dumpingpreise herhalten müssen, kann ich beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen.“ Der Handel beklage zwar, dass Verbraucher nicht mehr für Lebensmittel bezahlen wollten, setze aber selbst immer mehr Tiefstpreise. Am 3. Februar würden billige Lebensmittel in Supermärkten daher zum Thema eines Spitzentreffens im Kanzleramt.