Wintergrillen Das kommt in der kalten Jahreszeit auf den Rost

Hintergrund

Grillen ist auch im Winter eine beliebte Beschäftigung. Klassiker wie Bratwurst und Steak sind gefragt. Das zeigt eine Umfrage der Lebensmittel Praxis, obwohl das Grillgeschäft derzeit ein wenig schwächelt.

Freitag, 10. Oktober 2025, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Auch im Winter bleibt bei vielen Familien der Grill an und es wird einfach durchgegrillt. Bildquelle: Getty Images

Ist mit dem Sommer auch die Grillsaison vorbei? Nein, denn Grillen ist mehr als nur eine Art, Speisen zuzubereiten. Wir sprechen von einem Lebensstil, einer Leidenschaft und Passion. Kein Wunder also, dass Grillbegeisterte auch in der kalten Jahreszeit immer öfter ihre Grills und Smoker anfeuern. „Wintergrillen“ ist ein Trend, der immer mehr Anhänger findet.

Das Yougov-Haushaltspanel ermittelte für den gesamten Grillmarkt einen Rückgang von 1,7 Prozent im Vergleich der Zeiträume März bis Juli 2024 und März bis Juli 2025 (siehe Grafik). Zu den Verlierern gehören Grillfleisch mit einem Minus von 5,9 Prozent und Grillgeflügel mit einem Minus von 1,4 Prozent. Die Bratwurst und die Berner Käsewurst im Speckmantel zeigten sich dagegen in Menge (+ 3,9 %) und Haushaltsausgaben (+ 2,5 %) stabil. „Die Bratwurst ist auf Wachstumskurs, zudem mit etwas geringeren Durchschnittspreisen (- 1,4 %)“, sagt Werner Lauß, Senior Consultant bei Yougov. Er bringt die Kernaussage des Grillgeschäfts für den Zeitraum März bis Juli 2025 auf die einfache Formel: „Die Grillsaison 2025 war für Fleischliebhaber nicht ideal. Das Wetter hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.“

Die Experten des Marktforschungsinstituts Nielsen haben die Bratwurst mit einem Umsatz von 571 Millionen Euro zwischen Juli 2024 und Juli 2025 als umsatzstärkstes Grillgut ermittelt. „Die Bratwurst verzeichnet ein Absatzwachstum von 1,2 Prozent, angetrieben durch Bratwürste aus Fleisch, insbesondere durch Promotions“, sagte Wibke Köller von Nielsen. Sie fügte hinzu: „Der Kilopreis bei Bratwürsten ist allerdings um 3 Cent gesunken, weshalb sich nur ein Umsatzwachstum von 0,8 Prozent ergibt.“

Was die Industrie daraus macht

Doch wie sehen die Hersteller das Thema Wintergrillen? Alle befragten Produzenten geben an, dass sich dieses in den letzten Jahren etabliert hat. „Grillen in den kälteren Monaten ist schon seit Längerem im Trend: Gerade im Herbst genießen viele im milder werdenden Wetter die bunten, stimmungsvollen Tage gerne draußen. Auch das Grillen im Winter gewinnt stetig an Beliebtheit“, sagt Daniel Kamphausen, Managing Director Campofrio Food Group Deutschland. Immer mehr Menschen investieren in hochwertige Ausstattung und grillen unabhängig von Jahreszeit und Wetter. Der Grill wird für sie zur echten Alternative zu Herd und Backofen.

Ingmar Rauch, Prokurist und Mitinhaber der R&S Vertriebsgesellschaft, ergänzt: „Auch das Grillen im Airfryer ist ein Trend, für den man nicht einmal die Küche verlassen muss.“ Umgekehrt können typische Grillartikel wie Salsiccia auch als Kochzutaten verwendet werden, beispielsweise für Nudelsaucen oder Suppen wie Minestrone. Für Dr. Ingo Stryck, Geschäftsführer Marketing bei Wiesenhof, ist Wintergrillen kein neuer Trend und sicherlich kein Massenphänomen. Laut der Wiesenhof-Grillstudie grillen tatsächlich nur 14 Prozent der Befragten ganzjährig. „Unsere Absatzzahlen zeigen deutlich, dass insbesondere der April und der Mai mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres gerne für das sogenannte Angrillen genutzt werden. Der Grillhöhepunkt in Deutschland ist überwiegend von Juni bis August.“ Diese Monate werden von jeweils rund 70 Prozent der Befragten bevorzugt genutzt.

Die Verbraucher sparen

Die Hersteller merken jedoch, dass sich die Verbraucher aufgrund der Krise zurückhaltender beim Kauf verhalten und eher sparen. Laura Gosciejewicz, Pressesprecherin der Rügenwalder Mühle, bestätigt dies: „Das gilt allerdings über alle Kategorien und Produktbereiche hinweg und betrifft nicht nur unser Unternehmen. So lässt sich dies auch nicht auf vegane oder Fleischprodukte oder aufs Grillen herunterbrechen.“ Yannik Meurer, Fleischsommelier bei Gourmetfleisch.de (Schulte + Sohn Fleischwaren), hat dagegen beobachtet, dass die Konsumenten immer bewusster kaufen: „Anstatt teure Premiumcuts in großen Mengen einzukaufen, greifen viele zu kleineren Portionen oder günstigeren Fleischstücken, die sich trotzdem hochwertig zubereiten lassen.“

Thomas Schmiedbauer, Geschäftsführer von Wiesbauer, meint hingegen: „Es ist nicht anzunehmen, dass die Menschen aus Kostengründen auf das Grillen verzichten, aber sie kaufen sicher bewusster ein. Es zeigt sich auch, dass der Genuss zunehmend im Vordergrund steht.“

Bratwurst ist auf Wachstumskurs 

Gegenläufige Entwicklung

Laut Daniel Kamphausen ist der Trend bei Grillfleisch rückläufig. Bei den Präferenzen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Ältere Generationen bevorzugen Schweine- und Rindfleisch, während jüngere Zielgruppen lieber Geflügel und vegetarische Alternativen grillen. Was sich nicht ändert, ist die Beliebtheit der Bratwurst. Ihr Absatz bleibt weiterhin stabil. Deswegen sollten Bratwürste auf keinen Fall an der Theke fehlen. „Trotzdem sollten Händler darauf achten, für Vielfalt und Abwechslung zu sorgen“, so Kamphausen.

Für Ingmar Rauch sind Fleischartikel zur Grillzeit seit jeher ein Renner. Edelteilstücke wie Filet, Roastbeef und Entrecôte sind besonders beliebt. Aber auch Special Cuts wie Bavette, Onglet, Teres Major und Flat Iron werden immer beliebter. „Wer Eindruck schinden will, greift häufig zu Cowboy- oder Tomahawk-Steaks. Gern gekauft wird auch Jungbullenfleisch, da es zart und nur leicht marmoriert ist.“ Kenner greifen auch gerne zu stärker marmoriertem Fleisch, zum Beispiel von Ochsen oder Färsen. Für Tobias Metten, Geschäftsführer Metten Fleischwaren, hat die Bratwurst nach wie vor einen festen Platz auf dem Grill. Neue Produkte und innovative Geschmacksrichtungen werden vom Verbraucher honoriert und gerne probiert. Letztendlich sind es aber die klassischen Produkte wie Bratwurst und Steak, die am häufigsten verzehrt werden.

Wintergrillen ist ein Thema

Feuer frei für das Thema Wintergrillen – auch im Handel. „Wir starten im September damit, die ersten Akzente zu setzen. Es geht darum, den Übergang vom intensiven Sommergrillen zum Herbst- und Wintergrillen zu gestalten“, sagt Milan Just, Abteilungsleiter der Frischetheke bei Kulinarikwelten Stengel. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem klassischen Barbecue-Stil, sondern mehr auf Smoken und Niedrigtemperaturgaren. Entsprechend passen die Mitarbeiter das Sortiment an, um diesen Wandel zu begleiten. Früher, vor etwa zehn Jahren, sei der Übergang viel deutlicher gewesen. Ab Oktober war Schluss mit Grillen, abgesehen von ein paar Exoten, die an Silvester den Grill angeworfen haben. Heute sei das anders. Der Trend zum amerikanischen Grillen habe dazu geführt, dass viele das ganze Jahr über grillen, so Milan Just.

Für Rudolf Müller, Category Manager bei der Rewe Südwest, spielt das Wintergrillen eine große Rolle: „Wir fördern das Wintergrillen – besonders in unserer saarländischen Heimat, die für ihre Schwenker bekannt ist. Egal ob Regen, Schnee oder Sonnenschein – hier wird immer gegrillt.“ Die speziellen Grills und Fleischsorten sind ein fester Bestandteil der Kultur. Wintergrillen wird laut Müller immer beliebter, ähnlich wie Sommergrillen. Draußen grillen und drinnen essen oder in der Garage – das wird immer mehr zum Trendthema. „Und als Rewe unterstützen wir das natürlich.“

Start ist im Oktober

Martin Weisslämle, Bereichsleiter Frische bei Hieber’s Frische Center, kann das nur bestätigen: „Das Wetter spielt immer eine Rolle, aber ab Oktober beginnt bei uns die Herbstgrillsaison. Dann stehen Wildgerichte und ähnliche Spezialitäten im Fokus, in diesem Bereich sind wir wirklich gut aufgestellt.“ Das Sortiment wird kleiner, dafür aber hochwertiger. Das Unternehmen Hieber setzt verstärkt auf edlere Fleischsorten und besondere Marinaden. Der Fokus liegt auf Wild und speziellen Themen, die das Angebot an den Theken aufwerten. Weisslämle und sein Team setzen bei der Vermarktung auf große Werbeaktionen mit Flugblättern und ansprechenden Thekenaufbauten. Besonders im Herbst, wenn Silvester näher rückt, bietet das Unternehmen Hieber spezielle Tipps und Rezepte, die den Verbrauchern zeigen, wie sie die Produkte optimal nutzen können. Auf eigenen Imageseiten wird das Grillen umfassend thematisiert – von Gemüse und Käse bis hin zu Fleisch und Wurst – und es werden hilfreiche Erklärungen geboten. „So schaffen wir ein positives Image rund um das Thema Grillen“, erklärt Martin Weisslämle.

Bei Andreas Stockfleth, Fleischermeister beim Geflügelhof Schönecke, ist das Herbstgrillen kein großes Thema. Das Team fokussiert sich im Herbst eher auf andere kulinarische Spezialitäten. Natürlich bieten der Metzgermeister und sein Team weiterhin Grillprodukte an, aber nicht in demselben Umfang wie im Sommer: „Stattdessen konzentrieren wir uns auf Ofengerichte oder traditionelle Speisen wie Kassler. Herbstgrillen steht bei uns also nicht im Mittelpunkt.“ Ähnliches berichtet Patrick Bollmann, Fleischermeister bei Rewe Familie Radke in Lübbenau: „Im Sommer läuft das Geschäft mit Grillwaren gut, aber wenn der Herbst beginnt, passe ich das Angebot an. Je nach Wetterlage reduziere ich das Grillgut und integriere mehr Braten und Pfannengerichte, um die Theke auf den Winter umzustellen.“ Sollte es im Oktober jedoch noch einen schönen Altweibersommer geben, füllt das Team die Theke wieder mit Grillwaren. Ansonsten bietet Bollmann Rollbraten, Spießbraten und verschiedene Pfannengerichte an, eventuell auch mal einen Grillspieß, aber das ist dann nicht mehr der Schwerpunkt.

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