„Monopolistische Strukturen sind zu verhindern“
Von Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg
Aus Sicht der landwirtschaftlichen Erzeuger ist die Wahlmöglichkeit durch einen gesunden Wettbewerb unter den aufnehmenden Partnern eine Voraussetzung für faire Geschäftsbeziehungen. Ein Ungleichgewicht durch monopolistische Strukturen ist zu verhindern. Wahlfreiheit innerhalb von Vermarktungsstufen fördert die Qualität, Effizienz und den Erfolg von Wertschöpfungsketten. Die nötige Vielfalt von Schlachtstätten bildet keine Ausnahme.
Die Tendenz zu immer mehr Dominanz einzelner innerhalb der Schlacht-branche wie im Lebensitteleinzelhandel ist für die Entwicklung landwirtschaftlicher Urerzeugung nicht förderlich. Produktions- und Handelsauflagen befördern Konzentrations-prozesse zusätzlich. Mir gibt es zu denken, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt. Dies beeinträchtigt den Wettbewerb um den Preis und die Rah-menbedingungen wie Qualitätsanforderungen, Transportentfernungen, die Trennung von traditionellen und ökologischen Warenströmen oder Abrechnungsmodalitäten. Die Gefahr der immer geringer werdenden Zahl von Schlachtstätten ist aber ebenso schädlich wie eine zu hohe Anzahl in den Händen einzelner.
„Das Kartellamt blendet die Realität aus“
Von Michaela Kaniber, bayerische Staatsministerin für Landwirtschaft (CSU)
Das Verbot der Schlachthofübernahme durch Tönnies ist ein Rückschlag für Tierwohl, Versorgungssicherheit und unsere bäuerlichen Betriebe. Gerade im Süden fehlen moderne Schlachtkapazitäten. Wenn ein Unternehmen investieren und Standorte erhalten will, sollte man das nicht blockieren.
Tierwohl fängt beim Transport an. Kurze Wege zu regionalen Schlachthöfen sind essenziell – nicht nur im Sinne des Tierschutzes, sondern auch für Verbraucher, die heimisches Fleisch wollen. In Bayern schlachten wir rund 800.000 Rinder pro Jahr, ein Viertel des Bundesaufkommens. Diese Strukturen sind kritische Infrastruktur – ohne sie gerät die regionale Wertschöpfung und die Ernährungssouveränität in Gefahr.
Das Kartellamt mag juristisch korrekt handeln, aber es blendet die Realität unserer Landwirte aus. Wer den Umbau der Tierhaltung ernst meint, muss auch langfristige Investitionen in moderne, tiergerechte Schlachtung ermöglichen und sichern.
