Interview mit Hilcona-Geschäftsführer Warum der Hersteller von Ultra-Frische-Produkten die Schweiz als Vorbild sieht

Hintergrund

Der Hersteller von Convenience- und Ultra-Frische-Produkten Hilcona möchte seinen Frischebereich kontinuierlich weiter ausbauen. Dabei spielt der deutsche Standort in Bad Wünnenberg eine große Rolle.

Freitag, 14. November 2025, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Martin Henck ist seit 2012 CEO von Hilcona, das seit 2017 mehrheitlich zur Bell Food Group gehört. In diesem Jahr feiert das Unternehmen seine 90-jährige Firmengeschichte. Bildquelle: Hilcona

Herr Henck, Hilcona ist seit 2017 Teil der Bell Food Group. Wie hat sich Hilcona seitdem entwickelt?

Die Zugehörigkeit zu einer international tätigen Unternehmensgruppe hat uns zusätzliche Perspektiven eröffnet. Gleichzeitig konnten wir unsere Eigenständigkeit bewahren und unsere langjährige Unternehmenskultur erhalten. Wir haben unsere Innovationskraft gestärkt und unser Convenience-Kerngeschäft weiter ausgebaut. Heute ist Hilcona eine tragende Säule der Convenience-Strategie der Bell Food Group und macht rund ein Drittel des Umsatzes aus.

Wie möchten Sie Hilcona als lebensmittelproduzierendes Unternehmen weiter positionieren?

Unser Geschäft ist grundsätzlich in vier Bereiche unterteilt: Konserven, Tiefkühlprodukte, Frischprodukte und Extrafrischprodukte. Unser Fokus liegt jedoch auf Frischprodukten. In diesem Bereich sind wir in den letzten Jahren stetig gewachsen. Wir bieten eine breite Palette an Produkten, darunter frische Pasta, Mahlzeiten und Saucen sowie extrafrische Produkte wie angemachte Salate, Müsli und Bowls. An unserem deutschen Produktionsstandort in Bad Wünnenberg in Westfalen, an dem wir seit 2019 produzieren, konzentrieren wir uns auf Produkte mit kurzen Haltbarkeiten für den deutschen Markt sowie auf Fleischersatzprodukte. 

Welche konkreten Vorteile bringt eine Produktionsstätte in Deutschland?

Mit Bad Wünnenberg haben wir eine starke Basis für den deutschen Markt geschaffen: Wir sind nun geografisch näher am Handel und den Verbrauchern. So können wir unsere frischen Produkte deutschlandweit in kurzer Zeit zu den Konsumenten bringen. Auch unsere neue Entwicklungsabteilung ist nun näher am deutschen Kunden. Das steigert unsere Flexibilität und senkt unsere Logistikkosten.

Wie sieht Ihre weitere Investitionsstrategie in Deutschland aus?

Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns. Wir prüfen daher kontinuierlich, ob weitere Investitionen hier sinnvoll sind.

Und wie wird das Conveni­ence-Geschäft im Jahr 2025 in Deutschland aussehen?

Wir gehen davon aus, dass sich hochwertige Produkte für unterwegs, aber auch Genussprodukte für die einfache Zubereitung zu Hause noch stärker in den Alltag integrieren.

Der deutsche Verbraucher gilt als preissensibel. Wie wollen Sie ihn überzeugen?

Wir setzen auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und differenzieren uns durch Frische, Qualität und unsere Services. Zwar sind die Verbraucher preissensibler geworden, aber nach wie vor sind sie bereit, für Qualität und Genuss mehr auszugeben. Hochwertige Convenience-Produkte stehen auch in Konkurrenz zur Verpflegung in der Gastronomie, wo andere Preise als Referenz gelten. Andererseits entwickelt die Gastronomie auch zunehmend Produkte für den To-go-Konsum.

Wie sehen Sie den Preisdruck im deutschen Handel?

Der Preisdruck im Handel ist wie gewohnt hoch. Für uns ist es daher entscheidend, Produkte anzubieten, die von der Kundschaft gefragt sind und einen großen Mehrwert bieten, wodurch sich eine höhere Preisbereitschaft ergibt.

Ist die Schweiz für Deutschland bei Convenience ein Vorbild?

In jedem Land bieten wir spezifische Produkte an, die auf die Bedürfnisse des Handels und der Konsumenten abgestimmt sind. Die Schweiz ist im Bereich Ultrafrische jedoch deutlich weiter. Dort bieten wir heute sogar Produkte mit einer Haltbarkeit von nur zwei bis vier Tagen an, die national distribuiert werden. Wir haben diesen Markt in enger Zusammenarbeit mit dem Handel aufgebaut und sind heute Marktführer für Frische-Convenience in der Schweiz. In Deutschland ist das noch schwierig, da das Land größer ist und die passenden Logistiklösungen fehlen.

Der deutsche Markt für Ultrafrische und Convenience-Produkte ist Private-Label-lastig. Sehen Sie Ihren Platz dort denn eher als Marken- oder Eigenmarkenhersteller?

Wir sind ein Hersteller von Marken und Eigenmarken. Als Unternehmen erzielen wir einen größeren Umsatz mit Eigenmarken als mit unseren Marken. Wir sehen unsere Marken jedoch auch als Trendsetter und nicht als Spezialist für Massenprodukte, die allein über den Preis gehen.

Wie feiern Sie dieses Jahr die 90-jährige Firmengeschichte?

Wir feiern dieses Jubiläum in kleinem Rahmen. Vor Kurzem fand eine Feier mit Ehrengästen aus der lokalen Politik und Wirtschaft statt.