Ausgebucht. Die gesamte Bruttofläche vermietet. Die Veranstaltung Anuga 2025 ist die größte aller Zeiten. Das sagt Jan Philipp Hartmann, Director Anuga, im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis. Die nackten Zahlen: Mehr als 8.000 Hersteller aus 110 Ländern belegen mit ihren Ständen eine Fläche von etwa 290.000 Quadratmetern. Viel zu schauen, zu testen und zu probieren. Aber noch viel mehr ein Platz, um zu reden. Über die Probleme, die alle umtreiben. Über Zölle, Energiekosten, Lieferketten, Trends, Innovationen und daraus entstehendes Wachstum. Das Motto der Anuga 2025 lautet jedenfalls Sustainable Growth, nachhaltiges Wachstum. Wie übrigens schon 2023.
Ein Signal setzen die Kölner mit der neuen Fachmesse „Alternatives“: In Halle 1 rücken die alternativen Proteinquellen in den Fokus. Von pflanzenbasierten Innovationen bis hin zu zellkultivierten Lebensmitteln (siehe auch blauer Kasten). Da der Platz in den Kölner Messehallen nicht unendlich ist, musste für die Alternativen das bisherige Format „Anuga Out of Home“ weichen. „Die Hersteller werden nicht mehr unter dem eigenen Segment gebündelt, sondern in die jeweiligen zum Angebot passenden Fachmessen integriert, um noch besseres Matchmaking zu ermöglichen“, wie es die Messe formuliert. Sprich: Die Hersteller von Ladenbacköfen oder von Waagen und Schneidemaschinen findet der Besucher nun in den Hallen 2.2 und 3.2 (Anuga Bread & Bakery) beziehungsweise in den Hallen 6, 7 und 9 (Anuga Meat).
Was dem Händler die Alternatives bringt
Aldi, Lidl, Rewe oder die Edeka: Alle großen Lebensmitteleinzelhändler aus Deutschland arbeiten seit Jahren mit klaren Strategien zum Thema Proteine und Alternativen. Wo liegt für den Händler der Mehrwert bei der Fachmesse Alternatives? „Die Anuga ist die einzige Plattform, die in dieser Breite und Internationalität Trends, Innovationen und neue Anbieter aus aller Welt zusammenführt“, sagt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölnmesse, auf Anfrage der Lebensmittel Praxis. Die Messe vereine an einem Ort etablierte Player und junge Start-ups, die neue Denkweisen in die Branche brächten: von marktreifen Lösungen über Pilotprojekte bis hin zu Konzepten, die in den kommenden Jahren relevant werden. „Händler haben damit die Chance, frühzeitig zu erkennen, welche Produkte das Potenzial haben, die nächste Kaufentscheidung ihrer Kunden zu prägen“, ist Böse überzeugt. Vom Networking und von der Wissenserweiterung bei den Fachvorträgen gar nicht erst zu reden. Auch wenn Händler schon gut aufgestellt sind, ermögliche ihnen die Anuga, „den nächsten Schritt zu gehen – strategisch, innovativ und mit globalem Weitblick und vor allem kompakt an einem Ort“.
Bio und Alternatives rücken zusammen
Die Zahlen Eins und Fünf sind auf dem Zahlenstrahl keine Nachbarn. In den Kölner Messehallen ist dies anders. Um Besuchern der Anuga, die sich für bewusste Ernährung interessieren, kurze Laufwege zu ermöglichen, wurde die neue Fachmesse Anuga Alternatives in Halle 1 gelegt. Diese grenzt direkt an die Anuga Organic in Halle 5.1.
Für 43 Prozent der Verbraucher weltweit hat das Bio-Label einen sehr bis extrem hohen Einfluss auf ihre Kaufentscheidungen, so aktuelle Informationen von Innova Market Insights. Wie sich die Bio-Branche entwickelt und welche Produkte für Wachstum sorgen sollen, darüber gibt die Anuga Organic einen Überblick. Mehr als 300 Bio-Produzenten aus dem In- und Ausland sowie die Sonderschau „Anuga Organic Supermarket“ geben Einblick in das breite Spektrum bio-zertifizierter Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel.
Alternativen neu gebündelt
Rund 140 Aussteller sind für die neue Fachmesse angemeldet, die Anbieter von Produkten mit Algen- und Insektenproteinen, pilzbasierten Proteinen bis zu zellkultiviertem Fleisch bündelt. Das Unternehmen Oatly begrüßt die Etablierung der neuen Fachmesse. Sie rücke das Thema Nachhaltigkeit für die Branche stärker in den Fokus. „Für nachhaltige Veränderungen braucht es Plattformen wie die Anuga Alternatives – sie schaffen Sichtbarkeit und helfen, die Bedürfnisse der Konsumenten sowie die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger wieder stärker zu adressieren“, sagt Svenja Fritz, General Managerin bei Oatly für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Polen. „Die Anuga Alternatives macht in bewegten Zeiten deutlich, welche zentrale Rolle Technologien und Innovationen im Bereich ‚Alternatives‘ für die Lebensmittelbranche spielen“, meint auch Fabio Ziemßen, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands für Alternative Proteinquellen (Balpro).
Termin-Tipps
Vorträge und Diskussionen zum Thema bewusste Ernährung: „Nachhaltig erfolgreich: So begeistern verantwortungsvolle Food- & Drink-Marken Konsumenten“ (4. Oktober, ab 11 Uhr) und „Plant-Based Trends: Chancen für ein Umdenken bei Pflanzen“ (4. Oktober, 15.15 bis 15.55 Uhr), jeweils in der Anuga Trend Zone, Boulevard Nord, Stand 202. „From Science to Commerce: Rebranding und traditionelle Produkte als Katalysatoren für Innovation“ am 6. Oktober, 14.20 bis 15 Uhr, auf der Anuga Horizon Stage (Halle 1, Stand C38/D31). Zu dem Thema diskutieren Pascal Bieri, Co-Founder von Planted, Philip Tigges, Geschäftsführer von Infinite Roots, sowie Clément Tischer, Leiter FoodTech bei der Rewe Group.
Neue Hallenstruktur
Die Wege auf dem Gelände der Kölnmesse sind lang. Bequeme Schuhe in jedem Fall ein Muss. Die Anuga 2025 startet mit einer überarbeiteten Hallenstruktur. „Segmente, die inhaltlich eng miteinander verbunden sind, rücken näher zusammen“, sagt Gerald Böse. Die neue Anuga Alternatives in Halle 1 ist direkt an den größten Bereich der Messe angebunden, die Anuga Fine Food. Gleichzeitig sind die Bereiche der Anuga Meat nun in den Hallen 6, 7 und 9 räumlich gebündelt. „Diese Neustrukturierung trägt dazu bei, den Austausch zwischen Ausstellern und Fachbesuchenden noch effizienter zu gestalten“, sagt Böse.
Einige Rückkehrer
Jan Philipp Hartmann freut sich, dass 2025 einige Unternehmen wieder als Aussteller in Köln vertreten sind. „Wir freuen uns über zahlreiche Rückkehrer, etwa bekannte Marken wie Krombacher International, die Radeberger Gruppe mit der Sternburg Brauerei oder Bergader, die nach einer Pause wieder dabei sind. Das zeigt die unverändert hohe Relevanz der Anuga“, sagt der Director Anuga auf Anfrage der Lebensmittel Praxis.
Gestiegen ist auch die Zahl der Gemeinschaftsstände. 174 Gruppenbeteiligungen aus 78 Ländern stehen 2025 in der Bilanz. Allein die fünf größten Pavillons – aus der Türkei, China, Italien, Spanien und den USA – belegen Flächen von jeweils bis zu 6.000 Quadratmetern. „Für viele ist die Anuga der einzige Ort, an dem sie sich einem globalen Fachpublikum präsentieren können. Gemeinschaftsstände sind eine sehr effiziente Möglichkeit, Kosten zu teilen und gleichzeitig Sichtbarkeit zu gewinnen“, sagt Hartmann.
Welche Chancen bietet die Anuga in Zeiten von Zöllen?
Wir treffen auf internationale Einkäufer, die wir als mittelständisches Unternehmen so konzentriert andernfalls kaum erreichen könnten. Wir haben in den vergangenen Jahren durch Messepräsenz die Bekanntheit signifikant gesteigert. Das zeigt die wachsende Nachfrage etwa auf dem nordamerikanischen oder asiatischen Markt.
Der US-amerikanische Markt ist also noch relevant?
Der Markt bleibt wichtig, trotz der Hürden. Mit starken Vertriebspartnern sind wir dort gut aufgestellt. Wir sind sicher, dass sich handwerkliche Qualität durchsetzt: Wer in den USA unseren original Nürnberger Lebkuchen genießen möchte, sieht hoffentlich über den etwas höheren Preis hinweg.
Was steht bei der Anuga für Sie im Fokus?
Uns geht es darum, unsere Produkte zu präsentieren, potenzielle Kunden vom Genusserlebnis zu überzeugen. Das funktioniert am besten persönlich.
Termine kollidieren
Für Handels- und Herstellerteams ist der Zeitpunkt der Anuga 2025 eine Herausforderung: In Wiesbaden treffen sich zur selben Zeit die Mitglieder des MLF (Mittelständische Lebensmittel-Filialbetriebe) zu ihrer Herbsttagung. Das bindet Kräfte auf beiden Seiten für den Messebesuch in Köln.
Der Handel selbst baut mit Innovations-, Haus- oder Regionalmessen diese Art des Austauschs seit Jahren aus. Auch etliche Hersteller haben diese fest etabliert. In der Corona-Zeit entdeckte etwa (Laden-)Backofenhersteller Miwe den Vorteil der eigenen Hausmesse: „Wir können in unserem ‚live baking center‘ die Technik unter realen Bedingungen zeigen und mit Interessenten sehr intensiv ins Gespräch kommen“, heißt es auf Anfrage aus dem Marketing. Technik und Produkte seien umfassend und unmittelbar erlebbar. Doch auch für die Arnsteiner (Bayern) seien die Leitmessen im In- und Ausland unverzichtbar, da sie die notwendige Reichweite und den branchenweiten Austausch böten. „Beide Formate erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich auf ideale Weise.“ Die Pandemie hat dem Format also nicht den Garaus gemacht. Elektronische Kontakte können persönliche nicht schlagen. Schon gar nicht, wenn es um Lebensmittel geht.
Starke Nerven nötig
Eine Herausforderung wird der Anuga-Sonntag, 5. Oktober: Die Besucherströme, die zu den Messehallen wollen, treffen auf die, die sich den Köln-Marathon nicht entgehen lassen wollen. Für das verkehrstechnisch eh arg strapazierte Schienen- und Straßennetz im Rheinland eine Herausforderung. Die Kölnmesse erwartet insgesamt rund 140.000 Fachbesucher. Beim Köln-Marathon machen sich etwa 25.000 Läufer in diversen Disziplinen auf die Strecke durch die Stadt. Die Veranstalter rechnen mit etwa 90.000 Besuchern. Es wird also eng. In Köln-Deutz, also dort, wo sich die Messehallen befinden, startet Sonntag, 9 Uhr, der Halbmarathon – Straßensperrungen inklusive. Die Empfehlung von Gerald Böse (Kölnmesse): mit dem ÖPNV anreisen und mehr Zeit einplanen. Auf der Website der Anuga gebe es zudem die neuesten Informationen rund um die Anreise.
Was Sie sich nicht entgehen lassen sollten
Anuga Organic
(Halle 5.1) Alles rund um Bio-Produkte ist hier gebündelt. Inklusive des „OrganicSupermarkets“ an Stand F 091. Standort der Bühne Organic on Stage: Passage der Hallen 4/5, Stand 070.
Partnerland Korea
(Halle 5.2) „Flavour meets trends“ (zu Deutsch: Geschmack trifft Trends) ist das Motto des Gemeinschaftsstandes. Gezeigt werden die neuesten K-Food-Trends mit authentischen Aromen, neuen Texturen und nachhaltigen Produktionsmethoden.
Anuga Fine Food
(Halle 5.2) Die Halle ist die neue Zentrale für die Anuga Fine Food, auch durch die Anbindung an die Stände in den Hallen 1 und 10.2. Fine-Food-Aussteller sind zudem vertreten in den Hallen 2.1, 3.1, 4.1, 11, in Passage 4/5 sowie im Erdgeschoss des Confex-Neubaus.
Anuga Alternatives
(Halle 1) Die neue Bühne für alternative Proteinprodukte aus Pflanzen-, Insekten-, Algen- und Pilzproteinen sowie zellkultiviertem Fleisch. Die Anuga Horizon Stage in Halle 1 versteht sich als Anker für Zukunftsthemen mit praxisbezogenenAngeboten: Vorträge, Gespräche, Projekte zu Themen wie Clean Label, Kreislaufwirtschaft, künstliche Intelligenz, Bio,Gesundheit oder Functional Food.
Anuga Meat
(Hallen 6, 7, 9) Kurze Wege für die Fleischbranche durch den gebündelten Auftritt in den nahe beieinanderliegenden Hallen.
Live-Cooking
(Messeboulevard) Authentische Gerichte aus dem Anuga-Partnerland Korea: sehen, riechen, schmecken!
Anuga Drinks
(Hallen 7, 8) Trends, neue Konzepte und Vorträge für Händler und die Industrie.
BVLH Retail-Forum
Hier findet sich auch das Forum Nachhaltiger Kakao.
Anuga Boulevard of Innovations
An diesem Ort liegt nicht nur die Bühne Anuga Trend Zone. Er ist auch Bühne für die Start-ups, mit denen Besucher rasch ins Gespräch kommen können. Und der Platz für die Innovationsschau Anuga Taste mit neuen Produkten und Konzepten.
Unser LP-Stand auf dem Messeboulevard
Treffpunkt für Gespräche mit Mitarbeitern der Lebensmittel Praxis und Convenience-Shop. Plus Kaffee natürlich!
