Grillgeräte Feuer frei für ein Lebensgefühl

Grillen bleibt Lifestyle. Während der Corona-Pandemie stiegen die Absatzzahlen bei Grillgeräten und -zubehör in zuvor nicht gekannte Höhen. Der Markt scheint gesättigt. Differenzierung ist angesagt.

Freitag, 10. März 2023 - Sortimente
Matthias Mahr
Artikelbild Feuer frei für ein Lebensgefühl
Bildquelle: Felix Groteloh

Wenn es um Fußball geht, sind die Deutschen schon lange keine Weltmeister mehr. Beim Grillen aber schon. Die Deutschen und ihr Grill – das ist und bleibt eine echte Liebesbeziehung. Der Drang, die Kochstelle ins Freie zu tragen, eint die sonst so unterschiedlich denkende Nation, der Grillrost scheint ein Element der Grundversorgung im Land der Dichter und Denker zu sein. Regelmäßig bekräftigen annähernd 75 Prozent der Deutschen, dass sie gerne grillen. Grillen, das ist heute Lifestyle, ein echtes Lebensgefühl – vom einfachen Arbeiter bis hoch in Geschäftsführungsetagen. Allerdings: Die Umsatzentwicklung des Grillmarktes ist aktuell von Sättigungstrends geprägt, bei Grillgeräten wie beim Zubehör.

2020 sorgte die Pandemie durch die Ausgangsbeschränkungen sowie die geschlossene Gastronomie für ein Umsatzplus im Grillmarkt von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 1,39 Milliarden Euro. Durch den sogenannten Cocooning-Trend schafften sich die Konsumenten neue Grillgeräte an. Im eigenen Garten entstanden Kleinode, die mithilfe modernster Grilltechnik bis hin zu Outdoorküchen veredelt wurden. Das rasante Umsatzwachstum hielt nicht lange an. Bereits 2021 zeigte sich ein Umsatzrückgang in Höhe von 1,2 Prozent. Für 2022 ist nach aktuellem Stand von einem weiteren Minus von gut 2 Prozent auszugehen, heißt es im „Branchenbericht Grillen“, der vom IFH Köln in Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Garten (IVG) herausgegeben wird. Eine leichte Aufwärtstendenz prognostizieren die Experten aus der Domstadt ab 2024. Erst 2025 könnte sich das Umsatzvolumen wieder auf dem Niveau des Jahres 2020 bewegen, heißt es in diesem Bericht vom Dezember 2022.

Für jede Zielgruppe den richtigen Grill
Sandra Schröder, Chefredakteurin des Grillportals BBQ-Love, ist in der „Szene“ bestens vernetzt. „Annähernd jeder Haushalt hat in Deutschland ein Grillgerät. Grillen ist ein Lebensgefühl, das Freunde verbindet und eine gute Zeit verspricht. Grillen hilft, wenn in schwierigen Zeiten das menschliche Miteinander gepflegt werden soll“, sagt sie und bestätigt: Der Grillboom des ersten Pandemiejahres sei abgeflaut, auch beim Zubehör gebe es keinen Schub mehr.

Blicken wir kurz zurück: Im ersten Corona-Sommer waren Grillgeräte gefragt wie nie. Volker Elm, damals noch Präsident der German Barbecue Association (GBA), sprach gar davon, dass der Trend zum Zweit- und Drittgrill ungebrochen sei. Grillgeräte wurden plötzlich digital, oder es wurden Zusatzgeräte wie Fritteusen in die Stationen integriert. Für jede Zielgruppe sollte es den geeigneten Röster geben. Holzkohle, Gas oder elektrisch; für Puristen, Fortgeschrittene oder High-End-Grillszene: Die Republik der Grillliebhaber wurde immer wieder mit neuen Produkten umworben.

Eigentlich sind das typische Kennzeichen gesättigter Märkte. Produktdifferenzierung und gutes Storytelling versprechen weitere Absatzchancen. Mittels Apps konnte die optimale Hitze im Grill gesteuert werden, aus Amateuren wurden Meister ihres Fachs und Fans ihrer Grillmarken.

Im Zubehör steckte weiteres Potenzial. Der magnetische Flaschenöffner, der am Grill befestigt werden kann, fand ebenso seine Käufer wie die neue Grillschürze oder die neuen Grillhandschuhe – natürlich abgestimmt auf den Brand. Gut jeder sechste Euro fließt laut IFH Köln ins Zubehör. „Nach dem Wachstum der letzten Jahre scheint hier aber auch ein Sättigungseffekt eingesetzt zu haben“, sagt Christian Lerch, Senior Consultant beim IFH, auf LP-Nachfrage.

Gasgrills dominieren den Absatz
Der tiefer gehende Blick auf die Warengruppen offenbart laut IFH in erster Linie zwei grundlegende Ergebnisse: So existierte zwischen den drei Hauptbereichen Grillgeräte, Grillbrennstoffe und Grillzubehör in den letzten Jahren eine verhältnismäßig stabile Aufteilung der Marktanteile. Auf Grillgeräte entfallen über 60 Prozent des Marktes, die restlichen 40 Prozent verteilen sich auf die anderen beiden Bereiche mit leichtem Vorteil für Brennstoffe. Ein anderes Bild zeigt sich beim Detailblick auf die Arten der Grillgeräte. Hier hat sich ein deutlicher Wandel weg von den Holzkohlegrills hin zu mit Gas betriebenen Geräten vollzogen.

Der LEH ist im Bereich der Brennstoffe ein wichtiger Absatzkanal. Bei der Grillkohle gibt es einen zu erwartenden Trend, sie muss nachhaltig sein. Profagus, Deutschlands großer Hersteller, wenn es um Holzkohleprodukte geht, setzt deshalb auf nachhaltig und ressourcenschonend produzierte Grillkohle, die ausschließlich aus regionalem Buchenholz aus der Durchforstung nachhaltig bewirtschafteter Wälder und Resthölzern der Holzwerkstoffindustrie besteht. Gar nicht nachhaltig sind Einweggrillgeräte; in vielen Großstädten bereits nicht mehr erlaubt. „Kaufen, benutzen, wegschmeißen“: Dieser Dreiklang mache überhaupt keinen Sinn, so Sandra Schröder. Die BBQ-Love-Chefredakteurin verweist auf den Skotti-Grill, einen zerlegbaren Gasgrill. Er besteht aus acht Edelstahlteilen und wiegt nur 3 Kilogramm. Skotti passt in jeden Rucksack. Noch werden die Einweggrillschalen aus Alu im Handel verkauft. Bietet der Händler sie nämlich nicht an, kauft der Konsument seine Grillprodukte gleich woanders.

Größere Grillgeräte werden nur punktuell und meist online bei wenigen Filialisten angeboten. Die Preislage richtet sich an der Handelsstruktur aus. Für die High-End-Szene sind diese Grillgeräte nicht von Interesse. Wenn bei Oberhitzegrillgeräten der Preis auf 150 Euro im Discount fällt, bedeutet das nichts anderes als die Demokratisierung dieser Grillgeräte für Käuferschichten mit geringem Budget. Wer tiefer in die Szene einsteigen will, dem sei die Messe Rauch & Glut empfohlen, die vom 10. bis 12. März in Freiburg stattfindet. Dort heißt es: Feuer frei!

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