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Convenience Voller Ideen

Jens Hertling | 26. April 2020

Die Lebensmittelbranche im Bereich Convenience ist in Bewegung. Zahlreiche Akteure entwickeln selbst neue, innovative Produkte. Die Corona-Krise ist für die Gründer kein Untergang, sie sehen sie als eine Herausforderung. Ein kleiner Marktüberblick.

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1. Frau Ultrafrisch
Janina Otto ärgerte sich über leere Produktversprechen. „Als ich in der Industrie war, habe ich gemerkt, dass es zu viele Firmen gibt, die ihre Verantwortung dem Kunden gegenüber nicht Ernst genug nehmen. Viele Produkte haben damals eine Auslobungen gehabt, die nicht ehrlich die Qualität des inhaltlichen wiedergegeben haben“, sagt Otto. Sie wollte das anders machen. „Meine Vision ist die (Lebensmittel)welt besser zu machen. Vor neun Jahren habe ich deshalb ‚Frau Ultrafrisch‘ zunächst als Bistro- und Cateringunternehmen gegründet. 2016 entwickelte ich dann die ersten natürlichen Fertiggerichte, Suppen und Smoothiesnacks, die 2017 auf den Markt kamen“, sagt Otto. Heute vertreibt sie 18 Produkte im Handel und online. Die Produkte stehen deutschlandweit in den Regalen einiger Edeka- und Rewe-Filialen sowie der Bio-Supermarktkette Denn’s. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Fertiggerichte und Convenience-Food wieder modern, cool und clean zu machen. Ich will erreichen, dass sich alle Menschen schnell und bewusst/gesund ernähren können.“ Bisher ohne Investorenhilfe ausgekommen, will sich „Frau Ultrafrisch“ auch weiterhin aus eigener Kraft finanzieren. „Ich kann aber sagen, dass wir zurzeit sehr stark wachsen.“ Ihr Tipp für Gründer: „Der Weg ist das Ziel, Erfahrungen aller Art gehören zum Leben dazu, daraus lernst du.“ Als Optimistin glaubt Otto, „dass auch aus Corona viele Chancen entstehen“. Natürlich sei die Corona-Pandemie eine kaum zu greifende Herausforderung für die Wirtschaft. „Ein guter Unternehmer sollte jede Herausforderung als Chance sehen“, sagt Otto.

2. Erfolgreiche Brüder
Vor sechs Jahren haben die Brüder Daniel und Denis Gibisch das Start-up Little Lunch gegründet. Die Geschäftsidee ist einfach: haltbare Bio-Suppen im Glas anbieten. Vor einer Weile kamen auch Fonds, Brühen und seit diesem Jahr auch vier Saucen zum Sortiment. Der Erfolg für Little Lunch kam mit einem Auftritt im Fernsehen. 2015 pitchten die Brüder Gibisch ihre Bio-Suppen im Glas bei der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“. „Durch die Teilnahme konnten wir die zwei Investoren überzeugen und danach auch unsere Produktion stetig steigern“, sagt Denis Gibisch.

Wie kam es zu der Gründung? „Wir stellten uns jeden Tag die Frage, die sich wohl hunderte Angestellte stellen: Was essen wir heute Mittag? Die Idee zu Little Lunch entstand also aus der eigenen Not heraus, denn das Angebot war sehr überschaubar und bestand meistens doch aus ungesundem Junkfood“, berichtet Denis Gibisch. Da jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 100 Teller Suppe isst, war die nachhaltige Bio-Suppe im Glas die Lösung, so der Gründer. Etwa jede zweite im Lebensmittel-Einzelhandel und in Drogeriemärkten verkaufte, ungekühlte Biosuppe kommt laut Nielsen-Handelspanel aus der Küche von Little Lunch.

Wie geht es nach dem Erfolg weiter? „Die Expansion in weitere europäische Länder sowie die Stärkung des österreichischen und schweizerischen Marktes haben wir ebenfalls fest im Blick“, sagt Denis Gibisch. Die steigende Relevanz von Bio-Convenience-Produkten sei durch die Krise nochmals gepusht worden, so Gibisch. „Das merken wir an deutlichen Umsatzzuwächsen. Wir haben zudem viele Neukunden gewonnen und können somit auch langfristig unsere Marktanteile steigern.“

3. Spätzle aus einer Papier-Presse
Frizle bietet Spätzle aus einer Spätzle-Presse aus Papier an. Hinter Frizle steht die Idee des Gründers Martin Sluk, dass Teige frisch, das heißt zum ersten Mal zu Hause bei den Kunden gekocht werden und dadurch wie hausgemacht schmecken. Andere Produkte werden in der Produktion mehrfach erhitzt und dann zu Hause ein weiteres Mal aufgewärmt. So entstand die Idee für Frizle: eine Verpackung, die gleichzeitig Spätzlepresse ist – gefüllt mit Spätzleteig.

Bei den Frizle-Spätzles fungiert die Verpackung gleichzeitig als Presse. Mit wenig Kraftaufwand wird der Spätzleteig durch sechs Löcher in der Verpackung direkt in heißes Wasser hineingepresst. Die Verpackung besteht zum größten Teil aus recycelbaren Karton. „.Gerade auf Veranstaltungen der Verpackungsindustrie hat die Einweg-Spätzlepresse sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und sofort Preise gewonnen“, sagt Martin Sluk.

Seitdem ist viel passiert: Die Spätzle gibt es nun in vier verschiedenen Sorten: Klassisch, Klassisch-Bio, Bärlauch und Kräuter. Martin Sluk war Spätzleteig alleine jedoch nicht genug: Mit dem Know-how, wie man frische Teige ohne die Zugabe von Zusatz- und Konservierungsstoffen haltbar macht, konnte der Gründer sein Sortiment vor allem im Bereich frischer, süßer Teige noch ausbauen. Die Corona-Krise stellt Martin Sluk allerdings vor einige Herausforderungen: „Die Neukundenakquise ist nahezu unmöglich – Bestandskunden bestellen dafür mehr. Ich schaue aber optimistisch in die Zukunft“, sagt der Gründer.

4. Algenbasierte Nahrungsmittel
Das Berliner Start-up Alvego produziert Algenbasierte Nahrungsmittel als Alternative zum traditionellen Nahrungsangebot. Das Pilotprodukt ist ein veganes Algen-Jerky, das inspiriert ist von klassischem Rind Jerky – das perfekte To-go-Produkt. Ebenso bietet das Start-up Algensalate an, die etwa aus Roter Bete und Rotalge bestehen und weitestgehend allergenfrei sind. „Alvego steht für Alge, vegan und to go. Alvego entwickelt, produziert und gestaltet Convenienz-Makroalgenprodukte“, sagt Philipp Götz, einer der Gründer.

Die Besonderheit der Produkte ergibt sich aus der Verwendung von Algen als Basisstoff. Die Produkte sind sofort verzehrfertig und werden sowohl online als auch im stationären Handel angeboten. „Die größten Herausforderungen für uns waren alle Regularien in der Produktentwicklung einzuhalten, der Gründungsprozess und einen Fuß in die Supermarkttür zu bekommen“, berichtet Philipp Götz. Verunsichert die Corona-Krise die Gründer? „Wir sind der Meinung, dass die Corona-Krise alle Menschen betrifft und somit auch beeinflusst. Jedoch sind wir positiv motivierte Menschen und machen das Beste aus der jeweiligen Situation“, sagt Philipp Götz.