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Convenience Ein Frequenz-Treiber

Jens Hertling | 26. April 2020

Bildquelle: Rheingold Institut

Das Convenience-Sortiment wird auch nach der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle für den Handel einnehmen. Marktforscherin Nicole Hanisch (Foto) äußert sich im Interview zu Trends, der Gesundheit und zur Wahl der Einkaufsstätte.

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Welche Rolle spielt Corona im Moment im Convenience-Bereich?
Nicole Hanisch: Hier verändert sich viel. Das Gefühl, „Alles ist jederzeit verfügbar“, ist durch die Corona-Pandemie eingebrochen. Es kommen Ängste auf, die sich in Hamsterkäufen widerspiegeln. Die ältere Form von Convenience, „das lange Haltbare“ wie Konserven, ist wiederentdeckt worden.

Was kommt nach Corona?
Nach der Corona-Pandemie wird das Thema Gesundheit eine essentielle Bedeutung haben. Jeder möchte sich einfach nur gesund halten, was aber nicht auf Kosten des Geschmacks gehen soll. Also kommt der Trend noch gesünder und frischer. Ich rechne damit, dass nach der Krise regionale Produkte noch wichtiger werden. Außerdem wird der Online-Handel stärker werden.

Wie wird das Convenience-Sortiment nach Corona sein?
Das Gesunde- und das Frische-Element im Convenience wird weiter im Trend liegen. Nach Corona werden die Kunden zum Teil preisbewusster einkaufen. Sauberkeit und Hygiene sind während der Corona-Phase wichtig, das kann sich auf die Verpackung auswirken. Bisher war alles in Richtung unverpackt und plastikfrei ausgerichtet – das kann sich ändern beziehungsweise muss mit dem neuen Hygienebewusstsein zusammenpassen.

Reden wir über die Zeiten vor Corona. Wie hat sich die Bandbreite des Convenience-Angebots verändert?
Convenience steht heutzutage für Frische und Gesundheit. Beides wird verstärkt nachgefragt, und daher hat auch das Angebot extrem zugenommen. Die Verbraucher legen immer mehr Wert auf frische Produkte, möglichst ohne Zusatzstoffe, die sich leicht und schnell zubereiten lassen. Kühlregale im Supermarkt, die gezielt Kunden mit wenig Zeit und einem hohen Anspruch an Qualität und Frische ansprechen, zeigen daher attraktive Zuwachsraten. Der Verbraucher will Auswahl haben – und das für jeden Geschmack. Ein schnelllebiges Arbeitsumfeld, der Wegfall traditioneller Rollenbilder und Arbeitszeitmodelle: Als Konsequenz greifen immer mehr Menschen zu Convenience-Produkten.

Können Sie das näher erläutern?
Convenience ist eine Trend-Kategorie, die extrem wachsend ist. Die Produkte sind im Vergleich zu früher viel frischer, gesünder und viel hochwertiger. Convenience wirkt dann immer so wie ein frisch gedeckter Tisch. Viele Kunden suchen Alternativen zum klassischen Fast Food. Mahlzeiten, die am Arbeitsplatz erwärmt und verzehrt werden können, sind beliebt.

Was bedeutet das für die Supermärkte?
Grundsätzlich gibt es zwei Trends: „on the go“, also Produkte für den Verzehr unterwegs, und „ready to cook“ – das sind dann vollwertige, gesunde Gerichte, die zuhause nur noch erwärmt werden müssen. Entscheidend für den Erfolg ist es, sich optimal auf die Wünsche der Verbraucher einzustellen. Im Fokus stehen aktuell Feinkost und Delikatessen in praktischen und angemessenen Portionsgrößen.


Stichwort Gesundheit: Welche Rolle spielt dieser Aspekt?
Die Verbraucher gehen heute sehr bewusst einkaufen. Themen wie vegetarische und vegane Produkte werden auch bei Convenience-Produkten immer wichtiger. Angesichts unserer jetzigen Verhältnisse wird Gesundheit eine noch wichtigere Rolle spielen. Im Moment versuche ich unbedingt, mich gesund zu erhalten, danach wird man weiterhin versuchen, sich gesund zu ernähren. Gesundheit war schon immer ein starker Hype und wird dadurch stabil weiterwachsen.

Welche Rolle spielt das Convenience-Angebot bei der Wahl des Supermarkts aus Verbrauchersicht?
Das Convenience-Angebot bestimmt auch stark die Wahl der Einkaufsstätte. Damit es schnell geht, haben die Märkte Convenience zumeist am Eingang angeordnet. Eine gut sortierte Obst- und Gemüseabteilung mit einer Convenience-Theke zu Beginn der Einkaufsfläche holt die Kunden ab. Das Image des Marktes entsteht an diesem Punkt. Ein gewisses Convenience-Angebot wird zum Standard werden. In modernen Supermarkt-Konzepten gehören Frische- und Convenience-Theken dazu und schaffen eine Marktplatz-Atmosphäre und steigern das Einkaufserlebnis. Das Convenience-Sortiment ist ein wichtiger Frequenz-Treiber.

Frau Hanisch, welchen Beitrag leisten Start-ups für die Food-Branche?
Start-up-Produkte verkörpern aus der Sicht der Verbraucher in besonderer Weise den Zeitgeist: Sie sind gesund und tun etwas für eine bessere Welt. Meist werden sie von passionierten Menschen gegründet und ständig weiterentwickelt.
Nicole Hanisch ist Marktforscherin beim Kölner Rheingold Institut.