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Brot und Backwaren Reale Back-Prozesse

Susanne Klopsch | 11. März 2011

Aldis Vorstoß bei der Ausrüstung der Märkte mit Backstationen hat an Schwung verloren. Das Thema bleibt aber für die Branche bestimmend. Darüber hinaus bewegen hohe Rohstoffkosten die Gemüter.

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Wärmt er nur oder backt er schon? Mit dieser Frage, nicht ganz so salopp formuliert, beschäftigt sich derzeit das Landgericht Duisburg. Hintergrund ist eine Klage des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerkes stellvertretend für die Bäckerinnung Wolfach gegen die Aldi-Einkauf GmbH & Co. OHG, gleich Aldi Süd. Der Discounter hatte im vergangenen Jahr die flächendeckende Ausrüstung der Märkte mit Bake-off-Stationen angekündigt. Nach einer umfangreichen Testphase hatten sich die Mülheimer für ein Gerät entschieden, bei dem der Kunde per Knopfdruck sein Produkt wählt, das dann, für ihn nicht einsehbar, im Ofen zubereitet wird und das er anschließend dem Ausgabeschacht entnimmt.

Und da tat sich für den Zentralverband die eingangs gestellte Frage auf: Ist diese Zubereitung ein Backprozess? Gerichtlich beanstanden die Berliner eine Formulierung in einem Aldi-Werbeprospekt aus dem vergangenen Sommer: „...wir backen den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie...". Knackpunkt ist die Verwendung des Wortes backen. Armin Werner, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Handwerksbäcker, gegenüber der LP: „Aldi-Süd erhitzt die vom Hersteller fertig- bzw. weitestgehend vorgebackenen und angelieferten Backwaren in einem Automaten lediglich, oder bräunt sie zu Ende. Daher ist die Aussage, dass Aldi-Süd bäckt und das den ganzen Tag, irreführend und somit unzulässig." Weiterer Kritikpunkt: Einige der von Aldi Süd in dem Prospekt gemachten Aussagen zu den Brotsorten (hier geht es um die Zusammensetzung der Produkte) entsprächen nicht den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck der Deutschen Lebensmittelbuchkommission. Beim ersten Verhandlungstermin Ende Februar hatte sich das Gericht selbst ein Bild von einer Aldi-Backstation machen wollen – musste die Discounter-Filiale in Duisburg aber wieder unverrichteter Dinge verlassen, da Aldi den Blick hinter die Kulissen nicht gewährte. Der Prozess wird am 31. März fortgesetzt.

Nach Einschätzung von Armin Werner ist mit einem Urteil Ende des Jahres zu rechnen. Die Ausrüstung der Aldi-Märkte mit den Back-Apparaturen scheint indes an Schwung verloren zu haben. „Die Dynamik der Umrüstung hat deutlich abgenommen", sagt beispielsweise Robert Maaßen, Country Commercial Manager Vandemoortele Deutschland und Österreich. Er vermutet, dass die bisher erzielten Ergebnisse unter den Erwartungen liegen. Insgesamt nennen Branchenkenner die fehlende Transparenz des Backvorgangs für den Kunden als Schwachpunkt der Aldi-Lösung. Es fehle der Blick auf das Produkt, das gerade frisch zubereitet werde. In den meisten Backstationen wird für den Kunden direkt sichtbar aufgebacken. Maaßen kritisiert zudem, dass der Kunde per Knopfdruck zum Kauf verpflichtet werde: „Ein Verbraucher kann nicht wie gewohnt die optische Vorauswahl treffen, ob ihm das Produkt in Punkto Bräunungsgrad, Ausbund und Geschmacksempfinden überhaupt zusagt."

Bislang hat Aldis Back-Offensive auch die Abgabepreise für Prebake-Produkte nicht sinken lassen, wie einige Marktbeobachter zunächst befürchtet hatten. Vereinzelt hatte sogar das Wort „Kampfpreise" die Runde gemacht: Aldi-Süd-Brötchen werden zu ähnlichen Preisen wie die Produkte anderer Hard- und Softdiscounter verkauft.