Die Klimaerwärmung verbessert nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts die Weinqualität in Deutschland – doch die zunehmende Hitze bringt auch wachsende Probleme mit sich. „Im Großen und Ganzen überwiegen die positiven Auswirkungen der Klimaerwärmung hierzulande noch die Nachteile für den Weinbau“, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher, laut einer Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur. Die Trauben erreichten heute deutlich höhere Reifegrade als früher, was vor allem Rotweinen einen Qualitätsschub gebracht habe.
Allerdings stößt die Erwärmung in Jahren wie diesem an Grenzen. Büscher räumte ein, dass die Hitze „schon fast zu stark“ sei. Besonders der Riesling drohe seine typische Frische zu verlieren, wenn die Trauben zu reif werden. Winzer versuchen dem entgegenzuwirken, indem sie etwa die Laubwände in den Weinbergen kürzer halten, um die Zuckerproduktion zu bremsen. Auch Bäume zwischen den Rebzeilen sollen für Schatten sorgen.
Für die verbleibenden rund drei Wochen bis zum Beginn der Hauptlese wünschen sich die Winzer flächendeckenden Landregen. Zu viel Niederschlag auf einmal wäre den Angaben zufolge jedoch ebenfalls problematisch: „Dann müsste sofort gelesen werden und man könnte nicht den optimalen Erntezeitpunkt abpassen“, warnte Büscher. Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad sowie kühle Nächte wären für die Ausreifung aromatischer Trauben ideal. Die trockene Witterung habe immerhin dafür gesorgt, dass die Trauben bislang sehr gesund seien und weder echter noch falscher Mehltau eine Rolle spiele.
Weininstitut warnt vor Trockenstress bei jungen Reben
Unter der Trockenheit leiden nach Angaben des Deutschen Weininstituts vor allem junge Reben, deren Wurzelsystem noch nicht tief genug reicht. Aber auch ältere Weinberge auf leichteren Böden zeigten zunehmend Anzeichen von Trockenstress, etwa durch schlaff herabhängende oder vergilbte Blätter. Der Lesebeginn verschiebt sich derweil immer weiter nach vorn im Kalender: Der erste Federweiße soll bereits in der kommenden Woche geerntet werden.
Der Temperaturanstieg hat den Weinbau zudem in den Norden Deutschlands gebracht. Nach der Liberalisierung der Neupflanzungen von Weinbergen in der EU im Jahr 2016 seien in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein – einschließlich der Nordsee-Inseln Föhr und Sylt – neue Rebflächen genehmigt worden, so Büscher. Bis 2026 umfassten diese rund 250 Hektar. Qualitätsweine dürften aus diesen Flächen allerdings noch nicht hergestellt werden.